Bauwelt

Faszination durch Reflexion

Im Frühjahr 1926 als „Die Neue Sammlung“ eröffnet, feiert das Münchner Design-Museum sein 100-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum zeigen die vier Museen in der Pinakothek der Moderne unter dem Titel „Reflexion“ eine gemeinsam kuratierte Schau.

Text: Stock, Wolfgang Jean, München

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Klaus Kinolds Fotografien spielen mit dem Begriff der Reflexionen, hier in der Baseler Antoniuskirche von Karl Moser
Foto: Klaus Kinold, 1992

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Klaus Kinolds Fotografien spielen mit dem Begriff der Reflexionen, hier in der Baseler Antoniuskirche von Karl Moser

Foto: Klaus Kinold, 1992


Faszination durch Reflexion

Im Frühjahr 1926 als „Die Neue Sammlung“ eröffnet, feiert das Münchner Design-Museum sein 100-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum zeigen die vier Museen in der Pinakothek der Moderne unter dem Titel „Reflexion“ eine gemeinsam kuratierte Schau.

Text: Stock, Wolfgang Jean, München

Diese Ausstellung ist bereits die zweite ihrer Art. Im vergangenen Jahr hatten die Sammlung Moderne Kunst, das Design-Museum, die Staatliche Graphische Sammlung und das Architekturmuseum der TU München unter dem Motto „Vier Museen – eine Moderne“ ausgewählte Schätze aus ihren Depots versammelt. Damit erfüllte die 2002 eröffnete Pinakothek endlich das seinerzeitige Versprechen, dass ihre vier Abteilungen produktiv zusammenwirken. Dieser Start erwies sich als gute Idee: Einerseits wurden erstmals die inneren Zusammenhänge der vier Sammlungen vor Augen geführt, andererseits ihre reichen Bestände für die Öffentlichkeit mobilisiert. 2025 begleitete die vielseitige Schau ein materialreicher und großzügig illustrierter, noch dazu preiswerter Katalogbuch.
Eine solche hilfreiche Vertiefung bleibt dem Publikum bei der aktuellen Ausstellung leider versagt. Die fehlende Publikation wird vom Design-Museum lakonisch damit begründet, dass man es „einfach nicht geschafft“ habe. Das ist besonders schade, weil auch einführende Wandtexte fehlen – und das in einer Schau, die unter dem Oberbegriff Reflexion ein breites Spektrum von Objekten zeigt, die auf den ersten Blick disparat wirken: von Zeugnissen für die Faszination von Licht über Spiegel-Exponate bis hin zu visuellen Dokumenten für Transparenz und Transluzenz. So kommt es an etlichen Stellen auf die Vorstellungskraft des Publikums an, den roten Faden zu erkennen, was durch getrennt belegte Orte der Ausstellung, zwei große Säle im Erdgeschoss und eine Galerie in der Rotunde, nicht leichter wird.
Attraktiv ist die Ausstellungsarchitektur von Martin Kinzlmaier, der die beiden Säle jeweils in eine weiße und eine schwarze Hälfte aufteilt sowie einen Saal durch eine Spiegelwand scheinbar verdoppelt. Auf und vor diesem kontrastreichen Hintergrund reihen sich die Preziosen aus den verschiedenen Sammlungen in einer lebhaften Mischung. Zu sehen sind etwa Fotografien von David Hockney, Lee Friedlander und Albert Renger-Patzsch, Kunstwerke von Joseph Beuys, Wolf Vostell und Rupprecht Geiger, außerdem zahlreiche Designobjekte von technischen Geräten bis hin zum Schmuck, darunter auch Kuriosa wie eine farbig blinkende Tischleuchte von Jeff Koons. Derart modisches Design wäre unter den legendären Direktoren Hans Eckstein und Wend Fischer nicht erworben worden – zu deren Zeiten galt noch Klasse statt Masse.
Umsichtig kuratiert wurde der Beitrag des Architekturmuseums von Irene Meissner, der Leiterin seines Archivs (Bauwelt 1.2025). Die insgesamt 26 Exponate sind anschauliche Beispiele dafür, dass Licht, Spiegelung und Transparenz in der Architektur gezielt eingesetzt werden, „um Räume zu formen, Grenzen aufzuheben und Gebäude mit ihrer Umgebung zu verbinden.“ Durch ein Modell wird der 1854 eröffnete Mün-chner Glaspalast großartig in Szene gesetzt – auch wegen seiner Vorfertigung eine Revolution im Bauwesen, damals der modernste Bau in ganz Deutschland. Für die Rolle von Glas in der neueren Architektur steht unter anderem ein Modell des Glashauses von Benthem & Crouwel in den Niederlanden, bei dem Glas als konstruktives, tragendes Material zum Einsatz kam. Aus der umfangreichen Fotosammlung des Museums sind mehrere Bilder von Klaus Kinold zu sehen, darunter farbige Innenaufnahmen der Antoniuskirche von Karl Moser in Basel und in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche von Egon Eiermann in Berlin. In beiden Sakralbauten wird die Lichtmetaphorik der Gotik modern interpretiert.
Das Architekturmuseum ist nicht zuletzt dafür zu loben, dass es angesichts des fehlenden Katalogs erläuternde Texte zu seiner Auswahl ins Internet gestellt hat, einsehbar auf seiner Webseite unter der Rubrik Pressebereich.

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