Ewiges und Alltägliches
Text: Friedrich, Jan, Berlin; Brinkmann, Ulrich, Berlin
Ewiges und Alltägliches
Text: Friedrich, Jan, Berlin; Brinkmann, Ulrich, Berlin
Es gibt diese Bauvorhaben, die wir in der Redaktion über Jahre im Blick behalten, weil sie „eigentlich“ längst fertig sein müssten – und dann doch immer wieder vertagt werden. Der Neubau des Ägyptischen Museums im Kairoer Stadtbezirk Gizeh war fraglos eins dieser ewigen Projekte. Auf mehr als einem Bauwelt-Schreibtisch klebte irgendwo ein kleiner Zettel mit „Grand Egyptian Museum“ oder kurz „GEM“: als Erinnerung, regelmäßig an kundiger Stelle nachzufragen, ob der kommunizierte Eröffnungstermin diesmal unumstößlich sei – oder ob er sich wieder verschiebt. Um ein paar Monate? Um noch ein Jahr? Als es im vergangenen November dann so weit war, fühlten wir uns trotzdem fast überrumpelt. Echt jetzt? Wirklich fertig? Definitiv eröffnet?
Wie lange Planung und Bau des Museums tatsächlich gedauert haben, wird greifbarer, wenn man sich vergegenwärtigt, dass der Wettbewerb schon 2002 ausgelobt und damals – vielleicht etwas übereilt – auch bereits der Grundstein im Wüstensand vergraben wurde: von Hosni Mubarak, dem jahrzehntelang autokratisch regierenden Präsidenten. In der Zwischenzeit erlebte Ägypten 2011 den Arabischen Frühling, erstmals und bislang einmalig freie Wahlen und schließlich 2013 den Militärputsch: Abd al-Fattah al-Sisi ist seither Präsident – und war nun Regisseur einer pompösen Eröffnungsinszenierung, die dazu angetan war, seine Herrschaft in die jahrtausendelange ägyptische Geschichtserzählung einzuschreiben.
Demokratische Orte
Öffentliche Orte, Treffpunkte für zufällige Begegnungen sind in vielen seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland (und auch in anderen Ländern) entstandenen Siedlungen Mangelware. Mit etwas Glück gibt es allenfalls ein kleines Einkaufs- und Dienstleistungszentrum für den täglichen Bedarf. Das Augus-tinviertel in Ingolstadt, in den fünfziger Jahren entstanden, und die Stadterweiterung Pasewalk-Ost, ab den Sechzigern realisiert, können sich nun über zwei Neubauten freuen, die diese Lücke zumindest ansatzweise schließen. Ihre Angebote und ihre Architektur sind zudem ambitioniert genug, um über die unmit-telbare Nachbarschaft hinaus zu strahlen und Aufmerksamkeit auf diese Stadtgebiete zu lenken – vielleicht entstehen so weitere Ideen für ihre Fortentwicklung. Ganz anders dagegen der neue Treffpunkt für die Bürgerinnen und Bürger im italienischen Arzignano: Dort wurde ein ungenutztes Erdgeschoss direkt an der Piazza des Städtchens bei Vicenza zum Anlaufpunkt für alle.






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