Eine rosa Brille für Stadt und Architektur?

Text: Brinkmann, Ulrich, Belin; Landes, Josepha, Berlin

Eine rosa Brille für Stadt und Architektur?

Text: Brinkmann, Ulrich, Belin; Landes, Josepha, Berlin

Wenige Architekturschaffende nur dürften mit rosa Brille auf die Peripherie der Städte blicken: Vieles, was dort in den letzten fünfzig Jahren gebaut wurde, folgt anderen Regeln als dem, was man in diesen Kreisen als „gute Architektur“ und „lebenswerte Stadt“ zu verstehen geübt ist. Aber auch in weiteren Kreisen der Öffentlichkeit ist der Stadtrand selten ein Thema; viel schneller steht die Entwicklung auf winzi­-gen Arealen in den historischen Kernen zur Debatte. Trotz der Ausdehnung und der unbestreitbaren Bedeutung des Stadtrands im täglichen Leben vieler Menschen, knüpfen sich Fragen städtischer Identi­tät eher an Orte und Gebäude im Zentrum.
Wie aber verhält man sich als Architektin oder Architekt, wenn der Auftrag lautet, eine neue Wohn­anlage in einer Großsiedlung der sechziger Jahre, am Rand eines Einfamilienhausgebiets oder in der sogenannten Zwischenstadt mit ihrem diffusen Mix unterschiedlicher Bauformen und -dichten zu planen? Und wie viel Gestaltungsspielraum besteht dort überhaupt für unsere Zunft, im Spannungsfeld von Bebauungsplänen, Förderrichtlinien und Fertigbaustandards, damit etwas geraten kann, was mehr ist als bloße Unterbringung von Wohnungssuchenden, aber mehr auch als nur ein Rahmen für privates Glück – so etwas wie Stadt, wie Ort, wie Zugehörigkeit zu etwas Gemeinschaftlichem?
Im ersten Thema dieser Ausgabe stehen drei Projekte beisammen, die beispielhaft zeigen, wie sich die genannten Typologien des Stadtrands ergänzen lassen – dass es alles Berliner Beispiele sind, spielt dabei
eine untergeordnete Rolle. Der letzte Beitrag führt dann nach Hamburg, in ein innerstädtisches Quar­tier, zu einer anderen Form des Stadtrands.

Rosa

Rosa ist derzeit sehr in. Doch wofür steht das ungesättigte Rot eigentlich? Was kann die Farbe in der Architektur bezwecken? War Rosa bis in die vierziger Jahre als „kleines Rot“ mit wachsender Stärke asso­ziiert und somit – ganz klar! – eine „Jungen-Farbe“, brachte nicht zuletzt Barbie die Umdeutung als Ausdruck unbedarfter Weiblichkeit schlechthin. Wenige Farben sind derart überfrachtet mit Geschlechter­klischees. Mit dem Hinterfragen von Rollenbildern ist Rosa in all seinen Schattierungen heute ein Zeichen des „Empowerments“. Die gewonnene Salonfähigkeit ermöglicht auch zu zeigen, wie die Farbe als Gestaltungsmittel taugt. Hier stellen wir zwei Projekte vor, die ihren sanften und ihren ruppigen Pol ausloten: den zartrosa Pavillon von Studio Ossidiana auf der Floriade in Almere und das Museum Macura bei Belgrad, dem Milan Mijalkovic einen grellen Anbau hinzugefügt hat.

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