Ausstellen und Aufführen
Editorial
Text: Klingbeil, Kirsten, Berlin; Landes, Josepha, Berlin
Ausstellen und Aufführen
Editorial
Text: Klingbeil, Kirsten, Berlin; Landes, Josepha, Berlin
Es ist nur die Hausnummer 2 am Place du Palais-Royal in Paris, doch dass es eine bessere Lage gegeben hätte, ist kaum vorstellbar. Die Fondation Cartier pour l’art contemporain hat hier ihr neues Domizil in einem Haussmann-Bau von 1855 bezogen, in direkter Nachbarschaft des Louvre. Hinter den denkmalgeschützten Fassaden wurde nach Plänen von Jean Nouvel umgebaut; entstanden ist eine Ausstellungslandschaft mit beweglichen Plattformen. Zu sehen sind aktuell sechshundert Werke der eigenen Sammlung.
In Wiesbaden wiederum war am Prachtboulevard der Landeshauptstadt noch ein Filetstück frei – die Wilhelmstraße 1. Nach verschiedenen Anläufen der Stadt, auf dem Grundstück zu bauen, ging es schließlich per 99-jährigem Erbpachtvertrag an die Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung. Sie hat der Stadt so nicht nur zu einem Museum für ihre Sammlung abstrakter Kun-st – dem Museum Reinhard Ernst – verholfen, sondern auch zu einem Bauwerk des japanischen Architekten Fumihiko Maki als Eingangstor zur Stadt.
Auch in Dießen am Ammersee gibt es eine neue Adresse: die des Carl-Orff-Museums. Meck Architekten haben hier für die Carl-Orff-Stiftung den einstigen Wohn- und Arbeitsort des Komponisten mit ein-em skulpturalen Anbau aus Infraleichtbeton erweitert.
Keine neue Adresse, dafür ein neues Gesicht: Seit diesem Monat ist Brigitte Franzen Direktorin des Bauhaus-Archivs. Das Interview mit Brigitte Franzen lesen Sie auf Seite 12.
Die hohe Kunst
Gute Nachrichten aus der Kulturpolitik: Das „Europäische Zentrum der Künste – HELLERAU“ erhält den Theaterpreis des Bundes – just nach Abschluss von Umbau und Sanierung des Festspielhaus-Ensembles. 1911 von Heinrich Tessenow als kulturelles Zentrum der Gartenstadt im Norden Dresdens errichtet, wurde die Anlage bald von der Geschichte überformt: zur Kaserne der NS-Polizei umgebaut, dann vom sowjetischen Militär genutzt. In den achtziger Jahren kehr-ten die Künste zurück. Nun ertüchtigten heinlewischer den Ostflügel für Proben und Aufführungen.
Auch die Darmstädter Mathildenhöhe, einst als Stätte neuer Kunst gegründet, erstrahlt nach der Modernisierung des Ausstellungsgebäudes durch schneider+schumacher in neuem Glanz. Das von Joseph Olbrich entwickelte Ensemble wird in diesem Sommer als Mitveranstaltungsort der World Design Capital Frankfurt RheinMain zeigen, ob es wieder mehr sein kann als Denkmal: ein produktiver Ort. Beide Kunststätten verbindet die Frage: Wie lässt sich das Erbe der Reformmoderne nicht nur bewahren, sondern in die Gegenwart übersetzen?







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