Aus Baden, Württemberg, Sachsen und Südfrankreich

Text: Redecke, Sebastian, Berlin; Landes, Josepha, Berlin

Aus Baden, Württemberg, Sachsen und Südfrankreich

Text: Redecke, Sebastian, Berlin; Landes, Josepha, Berlin

Der Schwarzwald ist zuweilen verschlafen, traditionell und altmodisch. So das Klischee. Eine gewisse, ziemlich strenge Interpretation des charakteristischen Schwarzwaldhauses haben Allmann Sattler Wappner nach gewonnenem Wettbewerb 2014 versucht. Sie sanierten und ergänzten ein Golfhotel aus den 1970er Jahren bei Donaueschingen. Die Fassa­-den erhielten Lochblechelemente, die sich an die Holzverkleidungen anlehnen. Das aus der Ferne betrach­-tet fast geheimnisvolle Ensemble in einem wunderbaren Landschaftsraum besteht für die Architekten aus „transluzent wirkenden, Identität stiftenden Bauten“.
Weiter nördlich im Schwarzwald liegt in der Nähe von Baiersbronn die Passhöhe Ruhestein. Dort wurde Mitte Oktober ein Besucher- und Informationszentrum des 2014 gegründeten Nationalparks Schwarzwald an den Bauherrn übergeben. Die Architekten, BDA-Präsidentin Susanne Wartzeck und ihr Mann Jörg Sturm, wählten ein mutiges Leitbild, mit dem sie den im selben Jahr ausgelobten offenen Wettbewerb gewannen: keine Schwarzwaldhäuser, sondern die Struktur eines heimischen Urwalds, dessen wesent­liches Kennzeichen das Totholz ist. Ihre Gebäude­riegel zwischen hohem Baumbestand sind entsprechend gestapelt wie übereinanderliegende Stämme. Zwei der acht Riegel bleiben am Boden und erläutern in ihren Räumen den Wurzelbereich des Waldes und das Totholz. Ganz anders der „Baumstamm“ als freitragender Steg. Er führt hinauf zu einem schrägen, 34 Meter hohen Turm. Der Skywalk bis zu den Baumwipfeln gewährt den Blick ins Tal. Insgesamt eine ungewöhnliche, aber auch gezwungen wirkende Architektur, die die Besucher des Nationalparks anlocken wird, wenn sie im kommenden Frühjahr eröffnet.

Gelassen umgeplant

Planung braucht Vorlauf, soweit nicht ungewöhnlich. In diesem Jahr gibt es jedoch einen Haken, wenn es um terminierte Festlichkeiten für Richtfeste, Eröffnungen oder, in einigen Fällen, um die Planungsgründe selbst geht. Denn auch die Planung temporärer Bauten braucht Vorlauf. So waren die Vorbereitungen für die alle zwei Jahre irgendwo in Europa stattfindende Manifesta und für die alle paar Jahre in Sachsen veranstaltete Landesausstellung (SLA) in vollem Gang, als sich im Frühjahr ankündigte, dass Corona beide Unternehmungen auf wackelige Füßen stellen würde. Dass sie dennoch durchführbar sind, beweisen die Manifesta in Marseille und die SLA in Zwickau. In beiden Fällen haben die Veranstalter gemeinsam mit den von ihnen engagierten Architekturbüros, MVRDVin Marseille und AFF/GEORGI in Zwickau, den Umständen gemäß relativ vorlauffrei umgeplant.

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