Bauwelt

Annäherung an eine faszinierende Stadt

Text: Friedrich, Jan, Berlin

Annäherung an eine faszinierende Stadt

Text: Friedrich, Jan, Berlin

Nicht immer ist es später möglich, exakt nachvollzuziehen, wie, wo und wann die Idee zu einem Bauwelt-Thema entstanden ist. Im Fall der Ausgabe, die Sie in Händen halten, erinnere ich mich genau. Im Mai 2022 traf ich die libanesische Architektin und Geografin Hala Younes auf der Konferenz Architecture Matters in München. Sie hielt einen beeindruckenden Vortrag über Beirut. Über das Leben und Arbeiten in einer Stadt, in der mit dem Zusammenbruch der Banken im Jahr 2019, spätestens aber nach der verheerenden Explosion im Hafen im August 2020 überdeutlich sichtbar wurde: Der Staat und seine Institutionen haben sich komplett aus der Verantwortung gestohlen. Was die Hauptstadt des Libanon, wenn man so will, zu einem Beispiel von Deregulierung allerhöchsten Grades macht. Zu einem Beispiel, das genauer anzuschauen sich lohnen würde – nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass hierzulande immer wieder die Verordnung von Deregulierung als Medizin gegen „Stillstand“ gefordert wird. Mit Nadin Heinich, Veranstal-terin von Architecture Matters, regelmäßig Autorin für uns und Gastredakteurin dieser Ausgabe, und Hala Younes verabredeten wir noch am Abend der Konferenz, die Idee einer Beirut-Bauwelt zu verfolgen.
Es hat fast zwei Jahre gedauert, bis aus der Absicht ein Magazin wurde, und die Ausgabe erscheint nun zu einer Zeit, da man angesichts der Lage im Nahen Osten nur hoffen kann, der Libanon möge nicht am Rande der nächsten großen Katastrophe stehen.
Dazwischen liegen Besuche von Nadin Heinich in Beirut und zahllose Diskussionen darüber, wie man ein solches Stadtporträt angehen solle. Wir konnten den renommierten Fotojournalisten Sergey Ponomarev, der in den letzten Jahren u.a. für die New York Times, Paris Match und den Spiegel aus den Krisen-gebieten dieser Welt berichtet hat und 2016 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, für eine Mitarbeit gewinnen. Nun klärte sich schnell, wie wir die Ausgabe aufbauen würden: Wir würden eine Reihe von Orten in Beirut heraussuchen, anhand derer sich ganz unterschiedliche Facetten der Stadt zu einem Bild zusammensetzen ließen. Im September 2023 ist Ponomarev in den Libanon gefahren, um zu fotografieren, in Schwarz-Weiß, wie er es selbst vorgeschlagen hat. Nadin Heinich hat zu jedem der Orte kleine Erzählungen geschrieben, außerdem eine Reihe von Interviews geführt.
Fotografie spielt in der Bauwelt stets eine große Rolle, in diesem Heft eine noch etwas größere als sonst. Deshalb haben wir den Fotografen ausnahmsweise das ganze Titelblatt kapern lassen. Am 16. Mai, bei der nächsten Ausgabe von Architecture Matters in München mit dem Titel „Crisis vs. Crisis“, stellen wir das Heft zusammen mit Sergey Ponomarew vor.

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