Alle Wege führen nach I

Josepha Landes verbrachte ihre Ferien 2020 in Großbuchstabe F und D

Text: Landes, Josepha, Berlin

Alle Wege führen nach I

Josepha Landes verbrachte ihre Ferien 2020 in Großbuchstabe F und D

Text: Landes, Josepha, Berlin

Navigations-Apps beeindrucken mich. Mal ehrlich: Noch der kleinste Waldweg ist verzeichnet in Google Maps und Co. Zwar ist nicht jeder Weg der kürzeste zum Ziel, aber selbst das wissen die Systeme. Von Berlin nach Leipzig geht es in „2 h 7“ wahlweise; oder „3 h 12“ im Modus „Autobahnen vermeiden“. Auch für Radfahrer sind die Anwendungen geeignet: „9 h“ nach Leipzig – wohl eher innerorts. Mir fehlt bislang jedoch die Halterung am Lenker. Mit Halterungen habe ich bislang so oder so keine guten Erfahrungen gemacht: Jene, die mein Handy im Auto halten soll, hat den Öffnungs-Knopf da, wo sie aufliegt. Die Konsequenz ist genau, was Sie sich vorstellen. Aber bleiben wir bei den Apps: Das Fantastische an ihnen ist auch, dass sie uns auf Wege führen, die zu nehmen wir ohne sie nie auf die Idee kämen. Und damit meine ich nicht unbedingt die eingangs erwähnten durch den Wald. Zum Beispiel bin ich letztens über Österreich nach Bayern gefahren – nicht aus Bozen, sondern von Berlin. Glücklicherweise haben alle Schrauben und Kabel am Auto gehalten, hat der Reifendruck nicht versagt, war der Tank gut gefüllt – eine Panne im ausländischen Corona-Risikogebiet Tirol hätte mir eine zweiwöchige Quarantäne einbrocken können. So hilfreich die abgenommene Navigation auch ist, einfach und beruhigend (theoretisch) an Autobahnabzweigen, entfernt sie doch verdammt stark vom cerebralen Kompass. Freunde, die mir von der A9 erzählen, genau wissen, welcher Ort auf welchen folgt, imponieren mir. Ich folge schlicht der Ansage „in 500 m Ausfahrt 101 in Richtung Großbuchstabe I nehmen“, und schwupps hat mich Tirol. „Großbuchstabe I“ ist übrigens Italien. Und die wiederholte Aufforderung mich dorthin zu begeben (obwohl ich doch eigentlich auf eine bayerische Berghütte wollte), war für Minuten sehr verlockend. Die ungeahnte Schlauheit der K. I., gepaart mit ihrer nahezu kindlichen Naivität, berührt mich. Und als ich schließlich entdeckte, dass anstelle des Navigationspfeils ein kleines rotes Auto mir wippend den Weg weisen könne, war ich gänzlich verloren, entzückt von so viel Niedlichkeit.

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