Kristallglas und Olympische Sportanlagen

Distanz zur städtischen Po­litik und Verwaltung halten, aber dennoch öffentliche Bauaufgaben übernehmen? Das ist durchaus auch in Moskau möglich, wie das Beispiel von Bureau Praktika zeigt

Text: Heinich, Nadin, München

    Flakon - eine Fabrik für die Kreativwirtschaft im Norden von Moskau, umgebaut von Bureau Praktika

    Foto: Edik Ilyin

    Flakon - eine Fabrik für die Kreativwirtschaft im Norden von Moskau, umgebaut von Bureau Praktika

    Foto: Edik Ilyin

    Coworking-Space im Flakon
    Foto: Edik Ilyin

    Coworking-Space im Flakon

    Foto: Edik Ilyin

    Außentreppe Flakon

    Foto: Edik Ilyin

    Außentreppe Flakon

    Foto: Edik Ilyin

    Die "Magic Box" von Flakon
    Foto: Ilya Ivanov

    Die "Magic Box" von Flakon

    Foto: Ilya Ivanov

    Der 2016 eröffnete Pavillon im Park des Olympischen Dorfs
    Foto: Praktika/Grigory Guryanov

    Der 2016 eröffnete Pavillon im Park des Olympischen Dorfs

    Foto: Praktika/Grigory Guryanov

    Bureau Praktika - Grigory Guryanov, Denis Chistov
    Foto: Stepan Nesterenko

    Bureau Praktika - Grigory Guryanov, Denis Chistov

    Foto: Stepan Nesterenko

Kristallglas und Olympische Sportanlagen

Distanz zur städtischen Po­litik und Verwaltung halten, aber dennoch öffentliche Bauaufgaben übernehmen? Das ist durchaus auch in Moskau möglich, wie das Beispiel von Bureau Praktika zeigt

Text: Heinich, Nadin, München

Da, wo im Norden von Moskau früher kristallene Parfümflaschen produziert wurden, versammelt sich heute die Kreativwirtschaft: Designstudios, Werbeagenturen, Galerien, Cafés, Bars. Seit 2009 haben Bureau Praktika die ehemalige Fabrik „Khrustalny“ vom Ende des 19. Jahrhunderts – heute firmiert der ganze Komplex unter dem Namen Flakon – etappenweise umgebaut. Der Projektentwickler, der die Fabrik nach ihrer Stilllegung erwarb, wollte ursprünglich alles abreißen, um komplett neu zu bauen. Die Finanzkrise 2008 forderte jedoch ein Umdenken. In mehre­-ren Phasen ließ er den Bestand umbauen, mit jeder Teileröffnung wurde in den nächsten Bau­abschnitt investiert. Das geringe Budget zwang Bureau Praktika zu präzisen, möglichst effizienten architektonischen Eingriffen und einfachen Materialien. Für den Coworking-Space, 2011 fertiggestellt, wurden die Ziegelwände roh belassen, die Beleuchtung bleibt industriell. Wegen der hohen Decken konnte eine zweite Ebene einge­zogen werden. Dagegen ist die „Magic Box“ die wesentlich aufwändigere architektonische Inszenierung. Ein ehemaliges Lagerhaus wurde in einen öffentlichen Veranstaltungsraum verwandelt. Die Box selbst berührt die vorhandenen Außenwände nicht, kann nur über Brücken und Treppen betreten werden. Die Stützen, auf denen sie ruht, wurden mit Spiegeln verkleidet und vermitteln so den Eindruck des Schwebens. An den Seitenwänden sind eine Vielzahl von Leuchten und bewegliche Paneele aus perforiertem Stahl angebracht, die nach unten gefahren werden können. Neben dem „klassischen“ Veranstaltungsraum im Inneren der Box und der Lounge auf dem Dach entsteht so darunter, im Erdgeschoss, ein wandelbarer, für viele Ideen und Nutzungen offener Bereich.
Bureau Praktika wurde 2009 von Denis Chistov und Grigory Guryanov gegründet. Neben ihrer Expertise im Umbau ehemaliger Industrieareale liegt der zweite Schwerpunkt des Büros auf Parkarchitekturen und öffentlichem Raum. Trotz ihrer kritischen Distanz zur Macht – und damit zum Baugeschehen in Moskau – werden sie auch für öffentliche Auftraggeber tätig. In diesem Jahr eröffnete unter anderem der von ihnen gestaltete Hauptpavillon für den Park des Olympischen Dorfes im Südwesten Moskaus. Der knapp 54 Hektar große Park wurde 1980 als Erholungsort für die Athleten der Olympischen Sommerspiele errichtet, anschließend von der lokalen Bevölkerung genutzt, doch seitdem nicht mehr modernisiert. Seit 2013 untersteht der Park der Moskauer Kulturbehörde von Sergei Kapkov, die 2014 das britische Landschaftsarchitekturbüro LDA Design mit der Entwicklung eines Konzeptes für die Umgestaltung dieses und acht weiterer Moskauer Parks beauftragte. Die Bewohner der angrenzenden Nachbarschaft wünschten sich unter anderem Kinderspielplätze, Fahrradwege, einen Hochseilgarten und Tischtennisanlagen. Der Pavillon von Bureau Praktika liegt auf einer Anhöhe, von der aus man das ganze Areal überblicken kann. Elegant geschwungen, greift er die Wegeführung auf und erhebt sich sanft als eine ca. 100 Meter lange Brücke. Im verglasten Erdgeschoss befinden sich ein Café mit Terrasse und Panoramablick sowie ein Jogging Club.

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