Von Kisten und Kommoden

Was Matthias Stuchtey aus gekauften IKEA-Möbeln und gefundenem Sperrmüll macht, zeigt die aktuelle Ausstellung „Stabile Lage“ im Haus der IG-Metall in Berlin

Text: Kellermann, Sascha

    Blick auf den "Fliegenden Bau" und die Wandinstallation "Vorübergehende Aufklärung"
    © IG Metall

    Blick auf den "Fliegenden Bau" und die Wandinstallation "Vorübergehende Aufklärung"

    © IG Metall

    Blick auf den "Fliegenden Bau", die Wandinstallation "Vorübergehende Aufklärung" und die Skulpturenserie "MALM"
    © IG Metall

    Blick auf den "Fliegenden Bau", die Wandinstallation "Vorübergehende Aufklärung" und die Skulpturenserie "MALM"

    © IG Metall

    "Vorübergehende Aufklärung" aus Restbauten zweiter Ordnung
    © IG Metall

    "Vorübergehende Aufklärung" aus Restbauten zweiter Ordnung

    © IG Metall

Von Kisten und Kommoden

Was Matthias Stuchtey aus gekauften IKEA-Möbeln und gefundenem Sperrmüll macht, zeigt die aktuelle Ausstellung „Stabile Lage“ im Haus der IG-Metall in Berlin

Text: Kellermann, Sascha

Der schwedische Einrichtungsdiscounter IKEA führt in seinem Sortiment die sogenannte MALM-Serie. Das sind Schlafzimmermöbel in schlichtem Design. Die sind nicht teuer und können von leichter Hand aufgebaut werden. Und wenn die feinen Möbelstücke dann einmal stehen, kann man die Stichsäge oder den Stechbeitel herausholen und anfangen, das Ganze wieder zu zerstückeln. So jedenfalls geht Matthias Stuchtey in seiner aktuellen Ausstellung „Stabile Lage“ im Mendelsohn-Bau der IG Metall in Berlin vor. Mit chirurgischem Blick seziert er die zuvor aufgebauten Möbelstücke, kehrt ihr Inneres nach Außen und flickt die amputierten Einzelteile zu einem neuen Kunstobjekt wieder zusammen. Dass die Ausstellungsstücke dabei nicht in Beliebigkeit abdriften, verdanken sie grundlegenden Gestaltungsprinzipien wie Raster, Modul und rechtem Winkel. Und so besitzen sie durchaus auch architektonische Qualitäten.
Wer sich darauf einlassen möchte, kann in den Ausstellungsstücken genug Projektionsfläche für eigene Interpretationen finden. Die kunsthistorischer Lesart, neoplastizistischer Malerei in dreidimensionale Objekte zu transformieren, scheint ebenso legitim wie eine Fokussierung auf die narrative Qualitäten der Arbeiten, wenn beispielsweise Obstkisten und Türbeschläge wiedererkannt werden oder abgegriffene Restbestände eines Aufklebers, die Worte "Romeo und Julia" lesen lassen. Das kann man ein bisschen aufgeblasen oder unnötig finden. Bei Matthias Stuchtey wirkt es aber eher gelassen und entspannt, da allen Objekten eine gewisse Nonchalance und ein ordentliches Maß an ironischem Augenzwinkern gemein sind. Hier wird alles verwendet und recycelt. Die Oberflächen bleiben unbehandelt. Zwischen gekauften Möbelstücken und zufällig gefundenem Sperrmüll als Arbeitsmaterial wird nicht unterschieden. Der Verschnitt der einen Arbeit findet sich als kleiner Bestandteil in einer neuen Komposition wieder. So scheint es einen inneren Zusammenhang zwischen den verschiedenen Arbeiten zu geben. Und nur das Sägemehl landet letztendlich doch in der Tonne...
Die Ausstellung ist noch bis zum 1. November im Ausstellungsraum der IG Metall, Alte Jakobstraße 149, zu sehen.


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