Verlagshaus am Lohsepark

Der Hamburger Verlag Gruner + Jahr ist eines der größten europäischen Medienunternehmen. In einem Wettbewerb wurde im Herbst über den neuen Hauptsitz in der Hafencity entschieden. Neben einem Verlagshaus soll auch ein Wohnblock gebaut werden.

Text: Landes, Josepha, Berlin

    1. Preis Gewerbe Caruso St Johns ruhig gestalteten Block würdigte die Jury wegen seiner zeitlosen Fassade und der großen Flexibilität in den Innenräumen.
    Abb.: Architekten

    1. Preis Gewerbe Caruso St Johns ruhig gestalteten Block würdigte die Jury wegen seiner zeitlosen Fassade und der großen Flexibilität in den Innenräumen.

    Abb.: Architekten

    Drei weitere Preise Gewerbe 3XN stapeln vier jeweils leicht bewegte Bänder. Im Erdgeschoss lüften sie die Fassade übereck zum Lohsepark und zur Stadt.
    Abb.: Architekten

    Drei weitere Preise Gewerbe 3XN stapeln vier jeweils leicht bewegte Bänder. Im Erdgeschoss lüften sie die Fassade übereck zum Lohsepark und zur Stadt.

    Abb.: Architekten

    OʼDonnell + Tuomey verpflichten sich der Tra­dition des Hamburger Backstein-Expressionismus. Das Gebäude war der Jury zu massiv.
    Abb.: Architekten

    OʼDonnell + Tuomey verpflichten sich der Tra­dition des Hamburger Backstein-Expressionismus. Das Gebäude war der Jury zu massiv.

    Abb.: Architekten

    ROBERTNEUN sehen zu jeder Seite eine thema­tische Terrasse oder ein Atrium vor. Bedenken der Jury bezogen sich hauptsächlich auf funktionale Aspekte.
    Abb.: Architekten

    ROBERTNEUN sehen zu jeder Seite eine thema­tische Terrasse oder ein Atrium vor. Bedenken der Jury bezogen sich hauptsächlich auf funktionale Aspekte.

    Abb.: Architekten

    1. Preis Wohnen Baumschlager Eberle konnten gestalterisch und kon­-zeptuell punkten. Die Jury fordert jedoch die Über­arbeitung der rückwärtig zur Bahn gelegenen Laubengangerschließung und der Grundrisse.
    Abb.: Architekten

    1. Preis Wohnen Baumschlager Eberle konnten gestalterisch und kon­-zeptuell punkten. Die Jury fordert jedoch die Über­arbeitung der rückwärtig zur Bahn gelegenen Laubengangerschließung und der Grundrisse.

    Abb.: Architekten

    2. Preis WohnenBLK2 schirmen das Blockinnere durch einem hohen Riegel von der Bahnlinie ab. An den offenen Ecken entstehen sehr enge Wohnsituationen.
    Abb.: Architekten

    2. Preis WohnenBLK2 schirmen das Blockinnere durch einem hohen Riegel von der Bahnlinie ab. An den offenen Ecken entstehen sehr enge Wohnsituationen.

    Abb.: Architekten

    3. Preis Wohnen KBNK wählen einen hellen Ziegel, was der Belichtung zugute kommt. Der Turm im Sü­den schien der Jury städtebaulich sinnvoll.
    Abb.: Architekten

    3. Preis Wohnen KBNK wählen einen hellen Ziegel, was der Belichtung zugute kommt. Der Turm im Sü­den schien der Jury städtebaulich sinnvoll.

    Abb.: Architekten

Verlagshaus am Lohsepark

Der Hamburger Verlag Gruner + Jahr ist eines der größten europäischen Medienunternehmen. In einem Wettbewerb wurde im Herbst über den neuen Hauptsitz in der Hafencity entschieden. Neben einem Verlagshaus soll auch ein Wohnblock gebaut werden.

Text: Landes, Josepha, Berlin

Der Verlag Gruner + Jahr ist ein Hamburger Traditionsunternehmen. Zeichnete sich dazumal Hanseatische Größe im Flaggschiff einer Reederei ab, so postuliert auch „G + J“ seine Bedeutsamkeit für die Stadt mittels nautischer Formsprache. Einem Dampfer gleich liegt der von Steidle + Partner und Kiessler + Partner entworfene Hauptsitz des Verlags seit 1990 am hafennahen Baumwall – ausgestattet mit Bullaugen und Relings (Bauwelt 16.1991). Von der Hafenpromenade und der Hochbahntrasse, die von der Innenstadt über die Landungsbrücken nach St. Pauli führt, ist das Gebäude unübersehbar. Doch der Verlag verlässt diesen Dampfer bald. Ab 2021 soll ein Neubau im Nordosten der Hafencity sein Domizil sein. Der Entwurf dafür stammt vom Londoner Büro Caruso St John, das Ende September als Gewinner aus einem zweiteiligen Wettbewerb hervorgegangen ist, den G + J und der Projektentwickler HIH ausgelobt hatten. Dieser Wettbewerb war zweiteilig: Im Norden des Baufelds am Lohsepark sollen Büroflächen, im Süden ein Wohnblock entstehen. Für die Wohnnutzung wurde der Entwurf von Baumschlager Eberle aus Berlin prämiert.
Der Ausbau der innenstadtnahen Hafengebiete zum Stadtviertel Hafencity wurde 1997 im Rahmen von Umstrukturierung des Hafenbetriebs vom Hamburger Senat beschlossen. Die IBA Hamburg 2007 bis 2013 (Bauwelt 12.2013) und diverse Projekte, darunter der Bau der Elbphilharmonie von Herzog & de Meuron (Bauwelt 2.2017), die Ansiedlung von Wohnen, Büros und Hochschulen in Bestands- und Neubauten sowie die Umgestaltung der Außenräume durch Miralles Tagliabue rückten das Viertel immer wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit. So gesehen, scheint der Ausbau der Hafencity spätestens seit der Eröffnung der Philharmonie im Januar 2017 abgeschlossen. Dabei sind die Entwicklungen weder in der Hafencity selbst noch in den angrenzenden Arealen auch nur im Entferntesten abgeschlossen.
Das Baufeld des G + J-Neubaus samt dem angrenzenden Wohnbaublock liegt an der Schnittstelle zwischen den ersten Leuchtturmprojekten – etwa Henning Larsens Spiegel-Gebäude auf der benachbarten Ericusspitze, in Sichtbeziehung zur Bahntrasse und den Deichtorhallen – und den Entwicklungsstandorten weiter östlich, in den Quartieren Oberhafen, Baakenhafen und an den Elbbrücken. In letzterem soll bis 2025, als Eingangsgeste in die Stadt, der von Chipperfield entworfene „Elbtower“ entstehen.
Anders als der gegenwärtige G + J -Sitz, der in Zukunft von der Stadt als Bürofläche verwaltet wird, soll das neue Gebäude dezent Teil der Umgebung werden. Nach Meinung der Jury gelingt dies Caruso St Johns am überzeugendsten. Der Standort „Am Lohsepark“ ist ein Quartier, das grob in drei Streifen gegliedert ist. Auf dem westlichen Streifen werden in Ergänzung eines einzelnen, instandgesetzten Speichers drei in ihrer Kubatur diesem nachempfundene Blockrand-Bauten errichtet. Darin befinden sich zur Zeit schon Büros, ein Museum, Wohnungen und zwei Kitas. Zudem ist ein Dokumentationszentrum nach Plänen von Wandel Lorch aus Frankfurt geplant, das die KZ-Gedenkstätte „Hannoverscher Bahnhof“, die den mittleren Streifen des Quartiers, den Lohsepark, durchschneidet, ergänzen soll. Jenes Mahnmal, ausgebildet als Einschnitt in die Topographie, erinnert an die Deportationen des „Dritten Reichs“. Es begrenzt auch das Baufeld von G + J, das auf dem östlichen Streifen des Quartiers liegt. Südlich davon wird der Schulcampus Hafencity entstehen. Im Westen des Areals verläuft eine stark frequentierte Bahntrasse – G + J baut zwischen Gegenpolen: ruhigem Park und lauter Eisenbahn.
Mit der Entscheidung für den Entwurf von Caruso St John setzt der Verlag ein klar konservatives Statement. Das Gebäude ist unprätentiös, gestalterisch stringent und entbehrt der Anknüpfung an lokale Bautradition nicht. Die interne Organisation verlässt sich auch vorerst auf kleinteilige Büros, wenngleich die Konstruktion große Flexibilität zulässt. Für die Fassade wählten die Architekten eine akribische Rasterung. Über einem Schaufenster-Erdgeschoss setzen sie auf Lisenen in G + J-Konzern-Grün. Breite und Tiefe dieser Sprossen variieren über drei Höhenniveaus. Die Jury erkannte in diesem Umgang mit der Fassade Detailaffinität und Raffinesse, gleichwohl Neutralität, was wiederum auch kritische Anmerkungen zur Folge hatte. Neben Flexibilität, die eine solch zurückhaltende Gestaltung biete, könne sie dazu führen, dass es den Nutzern an Identifikationsmöglichkeiten mangele. Den Zuschlag gab es trotzdem, denn die Typologie „Kontorhaus“ haben die Londoner Architekten im Sinne der Auslober interpretiert.
Auch die Preisträger O’Donnell Tuomey aus Dublin zogen diese Referenz heran. Ihr Vorschlag aus rotem Backstein ist in Grundriss und Erdgeschoss expressiv, in die Fassaden der oberen Etagen stanzen sie jedoch eine beinahe archaische Lochfassade. Den oberen Abschluss bilden großformatige, schwer aufstehende Panoramafenster. Die Anleihe an das nahe Chilehaus ist unverkennbar. Für den Geschmack der Jury war dieser Beitrag jedoch zu selbstständig.
Die beiden Vorschläge mit der Tendenz, Arbeitswelten so offen wie nur möglich zu gestalten, stammen von 3XN aus Kopenhagen und dem Berliner Büro ROBERTNEUN. Beide verwies die Jury jeweils mit dem Verweis auf Flächendefizite und technische Bedenken auf die Plätze.
Die Wohnbebauung auf dem südlichen Baufeld soll, dem von Baumschlager Eberle unterbreiteten Vorschlag folgend, als mäandernde Backstein-Großform ausgebildet werden. Ausschlaggebend für den Zuschlag war die weitgehend gleichwertige Behandlung aller darin enthaltenen Wohnungen sowie die differenzierte Rhythmisierung der Fassade durch perforierte, offene, geschlossene und verspringende Flächen. Einige Wohnungen sind als städtisch geförderter Mietwohnungsbau, andere als Eigentumswohnungen angelegt. Im Gewinnervorschlag haben sie alle einen Bezug zum Park und liegen größtenteils vor dem Lärm der nahen Bahnlinie geschützt.

Nicht öffentlicher Realisierungswettbewerb
Gewerbe (13 Teilnehmer)
1. Preis
Caruso St John, London
weitere Preisträger 3XN, Kopenhagen; OʼDonnell + Tuomey, Dublin; ROBERTNEUN, Berlin
Wohnen (7 Teilnehmer)
1. Preis
Baumschlager Eberle, Berlin
2. Preis BLK2 Böge Lindner K2, Hamburg
3. Preis KBNK, Hamburg
Fachpreisrichter
Franz-Josef Höing, Claudia Meixner, Much Untertrifaller, Louis Becker, Reiner Nagel, Christiane Thalgott (Vorsitz)
Auslober
Gruner + Jahr, Hamburg; HIH Projektentwickler, Hamburg
Fakten
Architekten Caruso St John, London; 3XN, Kopenhagen; OʼDonnell + Tuomey, Dublin; ROBERTNEUN, Berlin; Baumschlager Eberle, Berlin; BLK2 Böge Lindner K2, Hamburg; KBNK, Hamburg

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