Verzettelt

Potsdamer Tagung zur digitalen Stadt

Text: Schultz, Brigitte, Berlin

Foto: MIT sense City Lab

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Verzettelt

Potsdamer Tagung zur digitalen Stadt

Text: Schultz, Brigitte, Berlin

Die Besucher der Tagung „Stadt der Ströme“ waren Mitte Juli mit hohen Erwartungen nach Potsdam gereist, hatte man ihnen doch ein dreitägiges, interdisziplinäres Forum für die „digitale Stadt in analogen Räumen“ versprochen; ein Thema, bei dem die Diskussion noch ziemlich am Anfang steht, das aber beständig an Relevanz gewinnt.
Der Start war durchaus fulminant: Till Nagel, Michael Migurski, Christian Derix und Jason Dykes, die Vortragenden des ersten Vormittags, brannten ein grafisches Feuerwerk ab. Ihre Beispiele der Auswertungs- und Visualisierungsmöglichkeiten für die immer größer werdenden Datenberge, die wir alle tagtäglich durch Magnetkarten-, Computer- und Handynutzung hinterlassen, hätten alleine Diskussionsstoff für mehrere Tage geboten. Aber die Organisatoren vom Innovationskolleg der Fachhochschule Potsdam hatten sich mehr vorgenommen. Neben Datenanalyse und -visualisierung standen Themenblöcke zur Veränderung der Alltags- und Beteiligungskultur, der Funktion städtischer Einrichtungen und Interventionen im Stadtraum auf dem Programm.

Wie man diese „sozialen“ Themen interdisziplinär diskutieren kann, zeigte Fabian Kessl. Der So­-zial­wissenschaftler stellte dem oft behaupteten Verlust der räumlichen Bindung in der „Netzwerkgesellschaft“ die zunehmende Ortsbezogenheit und zeitliche Begrenzung von Projekten bei der sozialen Arbeit gegenüber. Von ihm hätte sich mancher Redner eine Scheibe abschneiden sollen – über sein Fach zu referieren, ohne das Thema der Veranstaltung zu streifen, ist weder interdisziplinär noch bereichernd, sondern verschwendet schlicht die Zeit der Zuhörer. In diesem Sinne wäre auch für das vermutlich nicht geringe Honorar des Stars Saskia Sassen besser eine handvoll unbekannterer Forscher eingeladen worden, die wirklich etwas zum Thema hätten beitragen können. Wichtige Entwicklungen wie der Umgang mit „erweiterter Realität“ in der Stadt oder die weltweiten Smart-City-Initiativen fehlten komplett. So blieb die Veranstaltung weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Auch bei der digitalen Kommunikation besteht noch Optimierungsbedarf: Bei Redaktionsschluss, sechs Wochen nach der Tagung, waren die mitgefilmten Vorträge noch nicht online.

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