Sechs Siedlungen der Berliner Moderne

Entwicklung und Erfahrungen in der UNESCO-Welterbestätte

Text: Homann, Shirin, Berlin


Sechs Siedlungen der Berliner Moderne

Entwicklung und Erfahrungen in der UNESCO-Welterbestätte

Text: Homann, Shirin, Berlin

Der jüngst vom Landesdenkmalamt Berlin herausgegebene Band „Sechs Siedlungen der Ber­liner Moderne. Entwicklungen und Erfahrungen in der UNESCO-Welterbestätte“ rekapituliert den Umgang mit den sechs zwischen 1913 und 1934 erbauten Siedlungen seit ihrer Auszeichnung als Weltkulturerbe im Jahr 2008. Die Publikation ist Rückschau und Nachschlagewerk zugleich. Etwas unklarer ist, welche Leserschaft adressiert wird, denn auf eine Kurzdarstellung der grundsätzlichen Siedlungseckdaten, die das Landesdenkmal vorbildlich digital zur Verfügung stellt, wurde verzichtet.
Kernstück des Bildbands sind Erfahrungs- undPflegeberichte über die Gartenstadt Falkenberg, die Siedlung Schillerpark, die Großsiedlung Britz, die Wohnstadt Carl Legien, die Weiße Stadt und die Großsiedlung Siemensstadt. Deren inhaltliche Spannweite reicht von der Restaurierung der Gartenanlagen über den Denkmalerhalt aus Sicht einer Genossenschaft bis hin zu Anpassungen von Müllstandorten. Besondere Relevanz haben drei Beiträge zur energetischen Sanierung, in denen u.a. die Taut’schen Flachdachkonstruktionen mit Holzbalkendecken, Holzschalung und bituminierter Pappe besprochen werden, was ahnen lässt, dass man an Begriffen wie „erhöhter Heizbedarf“ und „Feuchteschäden“ nicht herumkommt.
Dementsprechend wird eine denkmalgerechte Dachaußendämmung für ein Reihenendhaus vorgestellt, die aufgrund ihrer im Traufbereich verjüngten Keildämmung die Gestaltsprache der Architek­-tur geschickt bewahrt. Ferner gibt es einen präzisen Beitrag über die energetische Ertüchtigung der Großsiedlung Siemensstadt, dessen Fokus auf der behutsamen bauphysikalischen Verbesserung der Bestandsbauteile, wie den Fenstern, liegt. Angesichts der Klimakrise und der Größe der Siedlungen ist davon auszugehen, dass das Landesdenkmalamt dieser Thematik schon jetzt mehr als drei Beiträge von nur einem Architekurbüro widmen würde, denn innovative Heiztechniken, klimapositive Baumaterialien oder kreislaufwirtschaftliche Entsorgungsprozesse sind in dieser Publikation noch kein Thema. Will auch der Denkmalschutz an der Lösung des die gesammte Menschheit betreffenden Problems mitarbeiten, ist eine engere Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen und ein intensiverer Austausch der involvierten Behörden unerlässlich. Zumal anderen Welterbestätten z.B. die Nutzung erneuerbarer Energien längst nicht mehr fremd ist, wie die Sanierung der Gebläsehalle der Völklinger Hütte aus dem Jahre 2009 belegt.
Eine Stärke der Publikation sind die einführenden, grundsätzlicheren Texte, wie der Auftaktbeitrag „Wohnen mitten am Rand“, der sich mit dem Berliner Siedlungsmosaik auseinandersetzt. Auch der Beitrag über die Architekturfarbigkeit dieses Weltkulturerbes sei erwähnt, denn in ihm werden die Leserinnen und Leser sensiblisiert, wie Farbe und Putzoberflächen typisierte Siedlungsarchitektur individualisieren und wie spannend historische Farbherstellung sein kann. Allerdings wird auch Forschungsbedarf bezüglich der Farbigkeit der Wohnräume angemeldet, was sich in der Bebilderung der Publikation spiegelt.
Zuletzt sei ein Beitrag über Denkmalpflegepläne erwähnt, der eindrücklich schildert, wie Einvernehmen und Kommunikation zwischen Bewohnern und Behörden gestaltet werden können und welche Rolle Entbürokratisierung spielt. Es ist wohl der mutigste Beitrag der Publikation, denn es wird explizit gesagt, dass denkmalpflegerischem Engagement keine Grenzen gesetzt sind und Erweiterungen des bisherigen Spektrums durch barrierefreie und altersgemäße Umbaumöglichkeiten sowie ineinander greifende Maßnahmen von Denkmal- und Umweltschutz nötig werden.
Fakten
Autor / Herausgeber Landesdenkmalamt Berlin (Hrsg.)
Verlag Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 2021
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aus Bauwelt 13.2022
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