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Schwarzer Rolli, Hornbrille

Plädoyer für einen Wandel in der Planungskultur

Text: Bruun Yde, Marie, Berlin

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Schwarzer Rolli, Hornbrille

Plädoyer für einen Wandel in der Planungskultur

Text: Bruun Yde, Marie, Berlin

Sexismus und Rassismus sind unsexy. Diskriminierung aufgrund von Geschlecht und Hautfarbe wird laut Karin Hartmann – und einer Studie dazu – in der Architektur so hart ausgeübt, dass niemand Lust hat, darüber zu sprechen. Es gibt aber Hoffnung: Die Stimmen der Benachteiligungskritik werden lauter, gerechtes Sprechen wird kultureller Konsens. Während die Genderfrage auf der gesellschaftlichen Agenda hochrückt, hakt es jedoch beim Thema „racial diver­sity“. Gerade in der Architektur hängen wir an Mies, Koolhaas und Co. beziehungsweise am westlichen, maskulinen Kanon fest, beobach­tet Hartmann. Bildet die gebaute Stadt, die immer noch überwiegend von weißen Männern entworfen wird, deshalb auch nicht die Diversität der Gesellschaft ab?
Das sehr gut recherchierte Buch präsentiert einen Überblick derverschiedenen Gaps aufgrund des Geschlechts oder der ethnischen Zugehörigkeit sowie eine Übersicht der Initiativen in der Architektur, diesen zu mindern, mit Fokus auf Deutschland und Blick ins Ausland. Dabei bewegt es sich durch Arbeitskultur, Care-Arbeit, Planung, Gestaltung und Fachdiskurs, alles was Chancengleichheit betrifft, und zeigt auf, wie omnipräsent das Thema ist. Was brauchen wir? Rekanonisierung! Kollektive Autorenschaft! Statt 24/7-Kitas: Väter in Teilzeit! Und inklusives Design, das auf dem unterschiedlichen Verhalten – beispielsweise vonJungen und Mädchen im öffentlichen Raum – reagiert.
Ein wesentlicher Gegen-die-Klischees-Bestandteil des Vorhabens ist die Sprache von Karin Hartmann. Hilfreich sind die Bezeichnungen der Mechanismen, wie etwa Silencing oder das Not-all-Men-Argument, mit denen dem Diskurs zur Intersektionalität Relevanz abgesprochen wird. Vor allem gelingt es Hartmann an wichtigen Stellen, ein neues Vokabular zu finden und so der ermüdenden pseudo-Gleichstellungsrhetorik entgegenzuwirken und diese freizustellen. Lange war der Jargon zu Genderthemen von einem Status quo-affirmativen, paternalistischen Ton geprägt – „Männer sind selbstbewusster als Frauen“, „Frauen stoßen an die gläserne Decke“ – womit politische und kulturelle Fragen auf persönliches Scheitern geschoben wurden. Hartmann dreht das um und schreibt solidarisch, dass Frauen sie selbst bleiben sollen, dass ihre eigenen Fähigkeiten produktiver sind als das Mannsein zu versuchen. „Mit ihrem Ausstieg sorgen sie gut für sich selbst“, meint sie zur Diffamierung am Arbeitsplatz und Exklusion vom Diskurs, wertet den traditionell passiv betrachteten Exit als aktive Handlung um und beschreibt ihn als transformativen Teil des gegenwärtigen Wandels. Mehr davon.
Fakten
Autor / Herausgeber Karin Hartmann
Verlag Jovis Verlag, Berlin 2022
Zum Verlag
aus Bauwelt 26.2022
Artikel als pdf

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