Weg mit dem Auto

Kaye Geipel überlegt gerade, ob es gerecht ist, wenn einige ihr Auto behalten, während andere darauf verzichten müssen.

Text: Geipel, Kaye, Berlin

Kaye Geipel überlegt gerade, ob es gerecht ist, wenn einige ihr Auto behalten, während andere darauf verzichten müssen.

Kaye Geipel überlegt gerade, ob es gerecht ist, wenn einige ihr Auto behalten, während andere darauf verzichten müssen.


Weg mit dem Auto

Kaye Geipel überlegt gerade, ob es gerecht ist, wenn einige ihr Auto behalten, während andere darauf verzichten müssen.

Text: Geipel, Kaye, Berlin

Raus mit dem Auto aus den Quartieren! Sofort! Und rein in die Quartiere mit allen Funktionen, die für das Leben der Menschen notwendig sind: fußläufige Arbeitstelle (ersatzweise Homeoffice), Kinderbetreuung und Schule um die Ecke, Fahrradwerkstatt im Hof, Feinkostladen in der nächsten Straße. Jedem seine persönliche städtische Enklave! Leben in der Stadt, fast wie zu alten Zeiten auf dem Dorf.
Kaum ein Begriff macht in Corona Zeiten so viel Furore wie die 15-Minuten-Stadt. Sie scheint der entscheidende Schlüssel zu sein wie es mit der Stadt wieder vorwärts geht. Ganz nebenbei wird dann auch der öffentliche Nahverkehr, die Virenschleuder par excellence, ein Stück weit überflüssig. Viele Wege fallen einfach weg. Das populäre Konzept hat Konsequenzen: mit einem Schlag wird auch die städtische Verkehrsplanung aktiv, sie zeigt dem Auto in vielen Städten die rote Karte. Parkplätze werden reduziert, Fahrspuren werden umgewidmet, vornehmlich für Fahrradfahrer. Ein äußerst produktiver, chaotischer Wille zur schnellen Veränderung wird sichtbar, den man den deutschen Kommunen nie zugetraut hätte.
So weit so gut? Eine Recherche, die die Journalistin Teresa Bücker kürzlich in der Süddeutschen veröffentlicht hat, weist auf die Kehrseite des radikalen Umsteuerns in der Alltagspraxis hin: Sie ist ungerecht und bevorzugt diejenigen, die über die nötigen Mittel verfügen und in gut gepflegten Innenstadtquartieren leben. Darüber hinaus ist sie sexistisch. Weit hergeholt? Das Argument klingt überzeugend. Der Weg der Männer zur Arbeit und zurück ist meist eindimensional und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu machen. Sie könnten auf das Auto ohne weiteres verzichten. Ganz anders sieht es bei den „komplexen Wegeketten aus“, die vor allem Frauen zurücklegen, wenn sie neben der Arbeit die Kinder in Kita und zum Sport bringen + schließlich noch im Supermarkt den Großeinkauf machen. Was daraus folgt? Dass der Weg zur nachhaltigen und autofreien Stadt vom falschen Ende her aufgezäumt wird, wenn er nicht von den Verhaltensweisen der Stadtbewohner her gedacht wird.

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