Sortierter E-Stadtmüll

Beatrix Flagner hat keinen Führerschein und fuhr das erste mal selber mit einem motorisierten Verkehrsmittel

Text: Flagner, Beatrix, Berlin

Beatrix Flagner hat keinen Führerschein und fuhr das erste mal selber mit einem motorisierten Verkehrsmittel

Beatrix Flagner hat keinen Führerschein und fuhr das erste mal selber mit einem motorisierten Verkehrsmittel


Sortierter E-Stadtmüll

Beatrix Flagner hat keinen Führerschein und fuhr das erste mal selber mit einem motorisierten Verkehrsmittel

Text: Flagner, Beatrix, Berlin

Öffnet man Google, tippt den Begriff „E-Scooter“ ins Eingabefeld, klickt auf „News“ und startet die Suche, dann ploppen, wie erwar­tet, die negativen Schlagzeilen auf: „38-Jähriger nach Sturz schwer verletzt“, „Wie Köln die E-Scooter zähmt“, „Rot-Grün fordern strengere Regeln in Hamburg“, „Erneut tödlicher Unfall in Italien“. Seit zwei Jahren bestimmen sie den öffentlichen Raum von Großstädten. In Skandinavien und auch in den ersten deutschen Städten wird diskutiert, ihre Anzahl drastisch zu reduzieren. Es scheint nur wenige Fans zu geben. Für die meisten sind E-Scooter einfach nur Stadtmüll. Auch ich war unverrückbar, wie ich glaubte, dieser Meinung: Sie sind immer deplatziert geparkt, werden in Flüssen und Gebüschen entsorgt. Es gibt zu viele leichtsinnige Fahrer. Sie stellen eine Gefahr für Fußgängerinnen, aber vor allem für Sehbehinderte oder Rollstuhlfahrer dar. Und ihr nutzen für das Klima ist fraglich.
In diesem Sommer stand ich dann als Touristin in einer 500.000 Einwohner zählenden europäischen Hauptstadt das erste Mal auf einem solchen Gefährt, und ich muss gestehen: Um einen unbekannten Ort zu entdecken, ist der Elektro-Roller ein außerordentlich praktisches Fortbewegungsmittel. Ich rollte durch Stadtrandquartiere und Stadtentwicklungsgebiete, die mit öffent­lichen Verkehrsmitteln nur kompliziert zu erreichen gewesen wären. Ich besichtigte an einem Nachmittag zahlreiche der raren Gebäude einer bestimmten Epoche, die über das gesamte Stadtgebiet verstreut sind. Anders als mit einem Leihfahrrad blieb ich flexibel. Und ich lernte, mich im perfekten Tempo in der Stadt zu orientieren.
Als ich zurück in Berlin war, half mir mein Exkurs in die E-Scooter-Fahrgemeinde, mich auch hier mit dem kontroversen Verkehrsmittel zu arrangieren. Und letzten Endes gibt es dann ja auch immer noch ein noch viel umweltschädlicheres Verkehrsmittel, das um ein vielfaches risikoreicher ist und sehr viel mehr öffentlichen Raum einnimmt. Dessen Anzahl und Präsenz in den Innenstädten müsste viel dringender verringert werden – auch um Platz zum Abstellen von E-Scootern zu schaffen.

0 Kommentare


Ihr Kommentar







loading
x
loading

21.2021

Das aktuelle Heft

Bauwelt Newsletter

Immer Freitags: das Wichtigste der Woche. Dazu: aktuelle Jobangebote, Auslobungen und Termine.