Roland liest

Am Markt des nord-brandenburgischen Perleberg soll in zwei seit langem leerstehenden Gebäuden eine neue Stadtbibliothek und -information entstehen.

Text: Stumm, Alexander, Berlin

    Die Stadt Perleberg
    Foto: Hansa Luftbild GmbH/BIG Städtebau

    Die Stadt Perleberg

    Foto: Hansa Luftbild GmbH/BIG Städtebau

    ein 2. Preis Scheidt Kas­prusch, Berlin Abb.: Architekten

    ein 2. Preis Scheidt Kas­prusch, Berlin

    Abb.: Architekten

    Die Raumstruktur des Vorderhauses wird erhalten, die Ostfassade des Saalbaus dahinter wird vorsichtig geöffnet.
    Abb.: Architekten

    Die Raumstruktur des Vorderhauses wird erhalten, die Ostfassade des Saalbaus dahinter wird vorsichtig geöffnet.

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    ein 2. Preis kleyer.koblitz.letzel.freivogel, Berlin
    Abb.: Architekten

    ein 2. Preis kleyer.koblitz.letzel.freivogel, Berlin

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    3. PreisLehrecke Witschurke, Berlin
    Abb.: Architekten

    3. PreisLehrecke Witschurke, Berlin

    Abb.: Architekten

Roland liest

Am Markt des nord-brandenburgischen Perleberg soll in zwei seit langem leerstehenden Gebäuden eine neue Stadtbibliothek und -information entstehen.

Text: Stumm, Alexander, Berlin

Das 2.000 Einwohner große Perleberg besitzt einige baukulturelle Schätze. Der mittelalterliche Statdtkern ist als Flächendenkmal des Landes Brandenburg seit 1999 Sanierungsgebiet. Hier am Großen Markt stehen mit der Kolossalstatue Roland – von ihr rührt der Beiname Rolandstadt her –, dem spätgotischen, im 19. Jahrhundert von Friedrich August Stüler erweiterten Rathaus sowie der angrenzenden St. Jacobi-Kirche überregional bedeutsame Baudenkmäler. Doch es mangelt dem Platz an urbanem Leben. Um diesem Missstand zu begegnen, lobte die Stadt den nichtoffenen, anonymen Realisierungswettbewerb „Neue Stadtbibliothek und -information Perleberg, Großer Markt 10“ aus. Die Kombination von Bibliothek, Tourismusinformation und kulturellem Zentrum möchte sowohl für Einheimische als auch für Besucher ein attraktiver Anlaufpunkt in der Stadt sein.
Das dafür vorgesehene Grundstück im Süden des Platzes ist seit 2017 im Eigentum der Stadt. Vorgabe war die Einbeziehung von zwei auf der länglichen Parzelle befindlichen denkmalgeschützten Bauten. Zum einen das dreigeschossige Wohn- und Geschäftshaus am Großen Markt 10 mit traufseitigem Satteldach aus dem 19. Jahrhundert. Zum anderen ein dahinterliegendes, zur Schuhstraße orientiertes historisches Lichtspielhaus, in dem die letzte Filmvorführung jedoch schon 1962 stattfand und das danach als Lagerhalle verwendet wurde. Beide Bauten stehen seit zehn Jahren leer. Neben ihrer Reaktivierung sahen die Wettbewerbsvorgaben zudem einen neu zu planenden Verbindungsbau vor, der zusätzliche Fläche schaffen, dem Bestand dabei aber architektonisch untergeordnet sein sollte.
Im vorderen Bereich soll künftig die Stadtinformation sowie die Stadtbibliothek Platz finden, wobei hier mit Räumen mit hoher Aufenthaltsqualität und Cafeteria zugleich ein offener Ort für die Gemeinschaft entstehen sollen. Der ehemalige Kinosaal mit Empore soll als multifunktio­naler und unabhängig vom Bibliotheksbetrieb bespielbarer Ort für kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen oder Musikaufführungen dienen. Für circa 800 Quadratmeter Nutzsfläche werden 2,4 Millionen Euro Nettobaukosten veranschlagt, die durch Mittel der Städtebauförderung finanziert werden. Die Wettbewerbsbetreuung erfolgte durch BIG Städtebau. Die Jury unter Vorsitz von Bernd Huckriede vergab zwei 2. Preise, einen 3. Preis und eine Anerkennung.
Scheidt Kasprusch (ein 2. Preis) sehen als Bindeglied zwischen den Bestandsbauten ein eingeschossiges Gebäude in Massivbauweise vor. Das Foyer mit großzügiger Deckenhöhe von 4,8 Metern wird durch mehrere Oberlichter und einen am Vorderhaus angrenzenden kleinen Innenhof natürlich belichtet. Das gewählte Material der Fassaden – geschlämmtes Mauerwerk – steht dabei auch sinnbildlich für den Übergang der feinen Putzfassade des Vorderhauses zum rauhen Ziegelbau des Saals. Die Erschließung des Saalbaus wird auf Erdgeschossniveau durch eine Öffnung der Fassade ermöglicht, wobei eine große Treppe vom Neubau direkt auf die Empore führt. Der Saal ist zudem an der Ostfassade durch gezielte Eingriffe geöffnet, um adäquate Belichtung zu gewährleisten. Vom Großen Markt wird der Umbau durch vier hohe, im Zuge des Dachausbaus geplante Gauben ablesbar, die sich in der Anordnung an den vorhandenen Fensterachsen orientieren. Während die Jury den behutsamen Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz lobend herausstellte, bemängelte sie die fehlende Trennung zwischen Vorderhaus und Zwischenbau. Eine separate Nutzung des Saales jenseits der Öffnungszeiten der Bibliothek sei so nicht möglich.
kleyer.koblitz.letzel.freivogel (ein 2. Preis) entschieden sich für einen zweistöckigen Verbindungsbau. Die Stahlbetonkonstruktion nimmt die Ziegelsteinfassade des Kinos auf, öffnet sich aber nach Osten durch große Fensterflächen. Das damit natürlich belichtete Innere mit Holzverkleidungen sorgt für eine warme Atmosphäre in den für Treffen ausgelegten Bereichen. Die zweite Etage wartet mit einem vollverglasten Lesepavillon mit abgerundeten Ecken sowie umlaufender Dachterrasse als ansprechender Rückzugsort zum Schmökern auf. Im Vorderhaus schafft eine neue, direkt an das bestehende Treppenhaus anschließende Treppenanlage einen kompakten inneren Erschließungskern.
Lehrecke Witschurke Architekten (3. Preis) schlagen für den Verbindungsbau eine Holzskelettkonstruktion vor, der ebenfalls zur Ostseite mit großen Fensterflächen ausgestattet ist. Als offener Raum trennt er die verschiedenen Nutzergruppen nicht, sondern schafft einen zusammenhängenden Bereich für alle Altersklassen.
Abelmann Vielain Pock (Anerkennung) sehen neben einem zweistöckigen Verbindungsbau mit kleinteiliger Raumgliederung und einen an die Hoffassade des Vorderhauses angebauten Aufzug vor. Die Auslagerung der Erschließung geht dabei jedoch mit einem maßgeblichen Eingriff in die äußere Erscheinung des unter Denkmalschutz stehenden Baus einher.
Die Jury empfiehlt der Stadt, beide Zweitplatzierten zur Überarbeitung und Angebotsabgabe aufzufordern.
Nichtoffener Realisierungswettbewerb
ein 2. Preis (11.750 Euro) Scheidt Kasprusch Gesellschaft von Architekten, Berlin
ein 2. Preis (11.750 Euro) kleyer.koblitz.letzel.freivogel gesellschaft von architekten, Berlin
3. Preis (5000 Euro) Lehrecke Witschurke Architekten, Berlin
Anerkennung (1500 Euro) Abelmann Vielain Pock Architekten , Berlin

Jury
Dirk Bopst, Susann Fritz, Bernd Huckriede (Vorsitz), Annett Jura, Bärbel Kannenberg, Klaus Röpke, Steffi Schulz

Auslober
Stadt Perleberg

Wettbewerbsbetreuung
BIG Städtebau, Regionalbüro Perleberg

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