Quadratur des Kreises

Im Wettbewerb zum Umbau der Stadtbücherei Esslingen wollten die meisten Teilnehmer Aufsehen erregen. Gewonnen hat einer der zurückhaltenderen Entwürfe, vom Büro AGN Niederberghaus.

Text: Heißenbüttel, Dietrich, Esslingen am Neckar

    1. Preis AGN Niederberghaus überzeugten die Jury mit einem „harmonisch, unauauffällig und unprätentiös“ sich am Bestand der Altstadt orientierenden Dachaufbau.
    Abb.: Architekten

    1. Preis AGN Niederberghaus überzeugten die Jury mit einem „harmonisch, unauauffällig und unprätentiös“ sich am Bestand der Altstadt orientierenden Dachaufbau.

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

    Abb.: Architekten

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    EG
    Abb.: Architekten

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    Abb.: Architekten

    OG 1
    Abb.: Architekten

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    Abb.: Architekten

    OG 2
    Abb.: Architekten

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    Abb.: Architekten

    2. Preis Wulf Architekten gingen ebenfalls den Weg, das Neue subtil einzubinden.
    Abb.: Architekten

    2. Preis Wulf Architekten gingen ebenfalls den Weg, das Neue subtil einzubinden.

    Abb.: Architekten

    3. Preis bogevischs buero verblenden einen Siebengeschosser hinter einem steilen Dach aus Holzlamellen. Obenauf gibt es eine Dachterrasse.
    Abb.: Architekten

    3. Preis bogevischs buero verblenden einen Siebengeschosser hinter einem steilen Dach aus Holzlamellen. Obenauf gibt es eine Dachterrasse.

    Abb.: Architekten

    Anerkennung Bär Stadel­mann Stöcker lieferten einen scheinbar etwas zu selbstbewussten Beitrag.
    Abb.: Architekten

    Anerkennung Bär Stadel­mann Stöcker lieferten einen scheinbar etwas zu selbstbewussten Beitrag.

    Abb.: Architekten

    Anerkennung Max Dudlers „zeichenhafter“ Bau findet bei der Jury zwar grundsätzlich Anerkennung, entbehre jedoch des feinfüh­ligen Umgangs mit dem Ort.
    Abb.: Architekten

    Anerkennung Max Dudlers „zeichenhafter“ Bau findet bei der Jury zwar grundsätzlich Anerkennung, entbehre jedoch des feinfüh­ligen Umgangs mit dem Ort.

    Abb.: Architekten

Quadratur des Kreises

Im Wettbewerb zum Umbau der Stadtbücherei Esslingen wollten die meisten Teilnehmer Aufsehen erregen. Gewonnen hat einer der zurückhaltenderen Entwürfe, vom Büro AGN Niederberghaus.

Text: Heißenbüttel, Dietrich, Esslingen am Neckar

Die Aufgabe barg einige Herausforderungen: Die Esslinger Stadtbücherei, untergebracht zwischen zwei Altstadtgassen im Bebenhäuser Pfleghof, einem Kulturdenkmal besonderer Bedeutung, soll behindertengerecht und nach allen Ansprüchen an eine moderne Stadtbücherei erneuert und erweitert werden. Wenn man so will eine Quadratur des Kreises: eine Erneuerung, die den Bestand weitestgehend intakt lässt und in den Grenzen der bestehenden Kubaturen mehr Raum schafft. Letzteres ist eigentlich nur durch eine Kom­bination von drei Maßnahmen zu erreichen: Ein benachbartes historisches Fachwerkhaus, das sich bereits im Besitz der Stadt befindet, soll integriert, der jüngste Gebäudeteil, die so genannte Nanz-Halle, aufgestockt und unterkellert werden. Allerdings soll der Entwurf auf den Maßstab der Altstadt Rücksicht nehmen, und es handelt sich um einen archäologisch verminten Bereich: An dieser Stelle befand sich unter anderem einmal eine Kapelle.
Der Wettbewerb, der Ende Januar entschieden wurde, hat eine für die Esslinger Verwaltung und den Gemeinderat nicht sehr rühmliche Vorgeschichte. Nachdem lange Zeit nichts geschehen war, zauberten sie, einen nach dem anderen, drei mögliche neue Standorte aus dem Hut, die aber allesamt nicht zu Ende gedacht waren – der erste stand nicht einmal zur Verfügung.
Und weil der zweite direkt auf scharfen Protest gestoßen war, hatte sich der Gemeinderat im Juni 2018 schließlich für die dritte Variante entschieden. Diese wiederum wäre auf die Vertreibung eines Diakonieladens und ein ungewisses Schicksal für den Pfleghof hinausgelaufen. Auch dagegen regte sich Protest. Nach einem Bürgerbegehren votierten die Esslinger schließlich – im ersten Bürgerentscheid der Stadtgeschichte – am 10. Februar 2019 mit überwältigender Mehrheit für den Verbleib am alten Standort. Oberbürgermeister Jürgen Zieger zeigte Größe oder zumindest Gespür, als er daraufhin alles daran setzte, den Beschluss zügig umzusetzen.
Im Juli lobte die Stadt zunächst einen offenen Wettbewerb aus, zu dem sie sechs Büros gezielt einlud. Nach einer Vorprüfung wurden 25 Teilnehmer für den Entscheid zugelassen, von denen 21 fristgerecht ihre Entwürfe einreichten. Eine 23-köpfige Jury unter Vorsitz von Jörg Aldinger, der vier nicht stimmberechtigte Sachverständige für Büchereien und Denkmalschutz beratend zur Seite standen, vergab nach zwei Wertungsrundgängen je einen ersten, zweiten und dritten Preis sowie zwei Anerkennungen.
Erster Eindruck nach Sichtung der fünf prämierten Entwürfe: Keiner der Architekten wollte darauf verzichten, durch aufsehenerregende Formen oder Materialien, die im Kontrast zur historischen Umgebung der Altstadt stehen, auf sich aufmerksam zu machen. Die Jury aber bevorzugte ganz eindeutig, und zu Recht, mehr Zurückhaltung. Zum Entwurf von Max Dudler, einem überdimensionierten rationalistischen Kubus mit zeichenhaften Giebel-Zacken als Bekrönung, heißt es: „Der massive architektonische Ausdruck der neuen Stadtbibliothek führt zu einem Bruch in der Maßstäblichkeit und wird stark hinterfragt.“ Es blieb bei einer Anerkennung. Auch an der Stufenpyramide von Bär Stadelmann Stöcker kritisiert die Jury die Höhenentwicklung. Besser schnitt bogewischs buero ab, das den dritten Preis erhielt. Dennoch moniert das Preisgericht auch hier, das drei Geschosse umschließende Dach wirke „etwas unproportional und das Flachdach obenauf unpassend“.
Deutlich besser fügen sich der erste und zweite Preis ins Bild des Bestands, wie ein Blick über die Dachlandschaft der Esslinger Altstadt von der „Burg“ aus erweist. Sowohl beim zweiten, Wulf Architekten aus Stuttgart, als auch beim ersten Preisträger, dem Büro AGN Niederberghaus aus Ibbenbüren, bleiben die Dächer im Rahmen der Höhe, Formen und Dimensionen ihrer Umgebung. An Wulfs Vorschlag überzeugte die Jury die „Subtilität in der Erscheinung“ und das „maßvolle Einfügen der Volumina in den bestehenden Kontext“. Bei AGN Niederberghaus lobte sie die Zurückhaltung und dass sich der Entwurf „wie selbstverständlich in die städtebauliche Körnung seines Umfeldes“ einfüge. „Lediglich die Materialität der Dachpaneele wird kontrovers im Gremium diskutiert“, heißt es einschränkend: Das Dach über dem Kutschersaal, das in der Visualisierung von allen Entwürfen am zurückhaltendsten bleibt, soll aus braunem Aluminium-Lochblech bestehen. Wulf hatten ein Kupferdach vorgesehen.
Den Ausschlag, die Erstplatzierten auch für die weitere Bearbeitung vorzuschlagen, gab schließlich, die „überraschend einfache Lösung“ der funktionalen Anordnung und räumlichen Bezüge. Dazu gehören der Erhalt des bei den Benutzern beliebten Innenhofs und der „spannende Vorschlag“, archäologische Überreste der kleinen Kapelle in den Lesesaalbereich einzubinden. Ein wenig umorientieren werden sich die Besucher aber müssen: Der Haupteingang wird in Zukunft der Barrierefreiheit halber an der Webergasse liegen. Das barocke Portal auf der anderen Seite bleibt als zweiter Zugang allerdings erhalten.
Nicht offener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb
1. Preis (59.000 Euro) AGN Niederberghaus, Ibbebüren
2. Preis (36.000 Euro) Wulf Architekten, Stuttgart
3. Preis (22.000 Euro) bogevischs buero, München
Anerkennung (14.500 Euro) Bär Stadelmann Stöcker, Stuttgart
Anerkennung (14.500 Euro) Max Dudler, Berlin
Fachpreisrichter
Jörn Aldinger (Vorsitz), Peter Cheret, Heiner Giese, Gabriele D’Inka, Stefanie Eberding, Herwig Spiegl, Irene Sperl-Schreiber, Wilfried Wallbrecht
Ausloberin
Stadt Esslingen vertreten durch den Eigenbetrieb Städtische Gebäude Esslingen
Wettbewerbsbetreuung
Kubus 360, Stuttgart

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