Lützschenas Stolz

Der brach gefallene Stammsitz der Sternburg-Brauerei im Leipziger Nordwesten soll zu einem gemischten Wohngebiet entwickelt werden.

Text: Landes, Josepha, Berlin

    1. Preis Schulz und Schulz, Bayer Uhrig und Franz Reschke liefern den Juroren zufolge hohe städtebau­liche Vielfalt, sie platzieren die Kita im Südosten des Geländes und gestehen ihr viel Freifläche zu.
    Abb.: Architekten

    1. Preis Schulz und Schulz, Bayer Uhrig und Franz Reschke liefern den Juroren zufolge hohe städtebau­liche Vielfalt, sie platzieren die Kita im Südosten des Geländes und gestehen ihr viel Freifläche zu.

    Abb.: Architekten

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    ein 2.Preis Octagon arbeiteten die Freiflächen „de­tailliert und qualitätsvoll“ aus, so das Urteil der Jury. Die Anordnung der Kita an der kleinen Straße im Westen sei jedoch problematisch, da diese in Hol- und Bringzeiten durch die Au­tos der Eltern zu verstopfen drohe.
    Abb.: Architekten

    ein 2.Preis Octagon arbeiteten die Freiflächen „de­tailliert und qualitätsvoll“ aus, so das Urteil der Jury. Die Anordnung der Kita an der kleinen Straße im Westen sei jedoch problematisch, da diese in Hol- und Bringzeiten durch die Au­tos der Eltern zu verstopfen drohe.

    Abb.: Architekten

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    Abb.: Architekten

    ein 2. Preis Querfeld Eins integrieren die Bestandsbauten in neue Blöcke. Die Jury erkannte eine „sehr
    urbane Grundaussage“, die lage diskussionswürdig“ fand.
    Abb.: Architekten

    ein 2. Preis Querfeld Eins integrieren die Bestandsbauten in neue Blöcke. Die Jury erkannte eine „sehr
    urbane Grundaussage“, die lage diskussionswürdig“ fand.

    Abb.: Architekten

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Lützschenas Stolz

Der brach gefallene Stammsitz der Sternburg-Brauerei im Leipziger Nordwesten soll zu einem gemischten Wohngebiet entwickelt werden.

Text: Landes, Josepha, Berlin

Auf halbem Weg zwischen Leipziger Zentrum und dem Flughafen Leipzig-Halle stehen die Ruinen eines Traditionsbetriebs: Von 1836 bis 1991 wurde in der Sternburg-Brauerei im Zentrum der Ortschaft Lützschena Bier gebraut. In der DDR-Zeit war die Brauerei der Hauptarbeitgeber der Gemeinde. Der heutige Slogan „Merke dir – Sternburg Bier“ sowie der einprägsame rote Kronkorken mit weißem Stern stehen jedoch für eine Marke, die mit diesem Standort kaum mehr etwas zu tun hat. Nachdem 1991 die Dortmunder Brau und Brunnen AG Sternburg aufgekauft hat­-te, verlagerte sie die Produktion in den Leipziger Osten nach Reudnitz. Dort befindet sich die Brau­erei, die mittlerweile Teil der Radeberger-Gruppe ist, seitdem. Das Gelände in Lützsche­na wechselte einige Male den Besitzer. 2017 erwarb es die Leipziger Immobilienfirma Hildebrand & Partner, deren Tochtergesellschaft „Alte Sternburgbrauerei“ die Entwicklung nun vorantreibt.
Auf dem rund 51.000 Quadratmeter großen Areal verbleiben, wenngleich in ruinösem Zustand, einige denkmalgeschützte Relikte der Biermacherei, darunter ein Uhrenturm, Abfüllhallen und ein altes Sudhaus. Diese sollen in das geplante Quartier integriert werden. Die Absicht, das ehemalige Industriegebiet in ein städtisches Wohnviertel umzuwandeln, ergibt sich auch aus dem starken Wachstum der Stadt Leipzig, das bislang jedoch periphere Lagen wenig beeinflusst hat. Lützschena-Strameln weist seit der Eingemeindung 1999 eine relativ stabile Einwohnerzahl von 4000 auf. Die nun geplante Erweiterung um 36.000 Quadratmeter Wohnfläche wird die Bürgerschaft deutlich verändern. Daher beinhalte­te die Zielsetzung für den von der Stadt durchgeführten, zweistufigen Konzeptionsprozess, neben Büro- und Einzelhandelsflächen, auch die Schaffung einer Kindertagesstätte.
Eingeladen zum Verfahren der Städtebaulichen Mehrfachbeauftragung waren fünf Planungs-Teams aus der Region, die in einer ersten Phase im Dezember letzten Jahres jeweils Leitbilder einer möglichen Entwicklung erstellt und diese dann in einer zweiten bis Mitte Februar ausgearbeitet haben. Den Zuschlag vergab die Jury un­ter Vorsitz der Dresdner Städtebauprofessorin Mensing-de Jong an die Arbeitsgemeinschaft Schulz und Schulz Architekten, Bayer Uhrig Architekten und Franz Reschke Landschaftsarchitektur. Ihr Vorschlag unter dem Leitbild „Zum Wohl“ bemüht sich um Verzahnung des Areals mit der Umgebung und Verdichtung im Inneren. Dazu ordnen sie an den Quartierskanten schmale, funk­tionale Grünflächen an und setzen zur inneren Restrukturierung auf größtenteils viergeschos­sige Blockgruppen. Die Bestandsbauten gliedern sie ein, indem sie gemeinschaftliche Nutzungen darin vorsehen beziehungsweise indem sie die ehemaligen Abfüllhallen aufstocken und als markantes, mischgenutztes Band im Zentrum des neuen Quartiers herausheben. In der weiteren Bearbeitung soll zwar die zum Teil massige Erscheinung der Blöcke, vor allem im Norden, überdacht werden, die prinzipielle Varianz von Höhen und Typologien jedoch sahen die Preisrichter wohlwollend. Der Gewinner versucht mit klaren Kanten und wiederkehrenden Großformen ein ruhiges Pendant zur zerpflückten Nachbarschaft zu platzieren.
Die Zweitplatzierten, das Architekturkollektiv Octagon, gehen die Angelegenheit dekonstruk­tivistisch an und räumen die Mitte des Geländes um den erhaltenswerten Bestand frei. Dreh- und Angelpunkt ihrer Vorstellung des neuen Stadtwerdens ist eine Quartiersgarage als Ort des nachbarschaftlichen Miteinanders. Entlang des Ran­des bestücken sie das Viertel mit Zeilenbauten und Villen für Wohn- und Alltagsfunktionen. Zur südlich gelegenen Einfallstraße nach Leipzig schließen sie mit einem Nahversorgungszentrum ab, entlang der westlichen dörflichen Erschließung mit der Kindertagesstätte. Den an sich vielversprechenden Ansatz, durch repetitive Formen auch aus Unterschiedlichkeit und unter Rückgriff auf vorgefundene Kleinteiligkeit ein Ganzes entstehen zu lassen konterkariert die Anordnung von Sozialwohnungen in „Blocks“ und freiem Wohnungsmarkt in Parkvillen.
Auch durch diese Einschätzung positionieren sich Stadt und Entwickler dahingehend, dass das Wohnquartier „Alte Brauerei“ zu einem ausgeglichenen und für die gesamte Stadtgesellschaft gewinnbringenden Projekt gereichen soll. Die entsprechende Hoffnung wird die Ausarbeitung begleiten.
Ihre Beurteilung der Beiträge durch die Jury spiegelt einen ambitionierten Blick auf die Stadtentwicklung. Die platzierten Entwürfe zeugen jeweils von feinfühligem Verständnis für die Situation. Gleichwohl verdeutlichen sie die Schwierigkeit, am Stadtrand Stellung zu beziehen zu Dichte, Höhe und Typologie. Wie städtisch kann und sollte ein kleinteiliges Randgebiet werden? Wie viel Abwechslung verträgt ein Quartier in sich und in Bezug auf seine Nachbarschaft? Wie bereichern sich Alt und Neu gegenseitig? Es sind grundsätzliche Fragen des Städtebaus, die auf dem Sternburg-Areal zutage treten.
Städtebauliche Mehrfachbeauftragung
1. Preis (13.000 Euro) ARGE Schulz und Schulz Architekten, Leipzig, Bayer Uhrig Architekten, Kaiserslautern, Franz Reschke Landschaftsarchitektur, Berlin
2.Preis
(8000 Euro) Octagon Architekturkollektiv, Leipzig
2.Preis (8000 Euro) Querfeld Eins Landschaft | Städtebau | Architektur, Dresden
4.Preis (6500 Euro) Studio Wessendorf, Berlin
4. Preis (6500 Euro) Zech‘s Architekturbüro, Leipzig
Stimmberechtigte Juroren
Angela Mensing-de Jong (Vorsitz), Angela Bezzenberger, Dorothee Dubrau, Steffen Hildebrand, Heiko Leisten, Stefan Rettich, Siegfried Schlegel
Auslober
Stadt Leipzig in Kooperation mit Alte Sternburgbrauerei

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