Der große Gleichmacher

Boris Schade-Bünsow sieht das dunkle Zeitalter der virtuellen Räume anbrechen: Virtual is coming!

Text: Schade-Bünsow, Boris, Berlin

Boris Schade-Bünsow sieht das dunkle Zeitalter der virtuellen Räume anbrechen: Virtual is coming!

Boris Schade-Bünsow sieht das dunkle Zeitalter der virtuellen Räume anbrechen: Virtual is coming!


Der große Gleichmacher

Boris Schade-Bünsow sieht das dunkle Zeitalter der virtuellen Räume anbrechen: Virtual is coming!

Text: Schade-Bünsow, Boris, Berlin

In den zurückliegenden Wochen und Monaten veränderte sich die Art und Weise unserer Arbeit radikal. Internationale Konferenzen, Summits, offizielle Besprechungen, interne Meetings und sogar kurze, informelle Treffen auf dem Flur verlagerten sich in virtuelle Räume. Dort, wo früher eine kurze Nachricht ausreichte, werden heute Zoom, Teams, Hangouts, Skype, Jitsi oder GoToMeeting bemüht. Telefongespräche, also ein fernmündlicher Austausch ohne die gleichzeitige Übermittlung des eigenen Abbilds inklusive des heimischen Sujets, sind Schnee von gestern.
Die Arbeit hat ihren realen Ort verloren, praktisch sämtliche Interaktion findet nun im virtuellen Raum statt. Dazu gibt es das papierlose Büro on top und gratis dazu. Diese Vision aus den späten 90er Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts, damals auf der Cebit proklamiert, wird nun endlich Wirklichkeit. Denn niemand möchte gerne in seinem Homeoffice, zu Hause auf dem Küchentisch, im Schlafzimmer oder unter dem Hochbett des eigenen Nachwuchses Papierstapel erzeugen, diese lochen, abheften und dann in Leitz-Ordnern lagern. So ist die Arbeit heute virtuell und dematerialisiert. Aber stimmt das überhaupt?
Schließlich materialisiert sich der unendlich große virtuelle Raum auf einem ziemlich kleinen Laptop oder einem Bildschirm, der immer die gleiche analoge Anmutung hat. Er materialisiert sich auch häufig an immer dem gleichen Ort in der Wohnung, der Küche, dem Schlafzimmer oder der freigeräumten Ecke am Wohnzimmertisch. Und so bekommt jede internationale Konferenz, jeder Summit, jede offizielle Besprechung, jedes interne Meeting und sogar das kurze, informelle Treffen via Zoom, Teams, Hangouts, Skype, Jitsi oder GoToMeeting denselben gleichermaßen gültigen realen Raum. In diesem findet alles statt – ungeachtet seiner Bedeutung, seiner Dauer, seiner Wertigkeit. Der virtuelle Raum ist ein Gleichmacher, ein Kompressor, der die schwachen Signale verstärkt und die starken Signale abschwächt. So wird in diesem virtuellen Raum alles gleichermaßen gültig. Und in der Erinnerung alles gleichgültig.

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