Klebstoff der Gesellschaft

Alexander Stumm macht sich Gedanken über die Sorgen der vorvorletzten Generation

Text: Stumm, Alexander, Berlin

Alexander Stumm macht sich Gedanken über die Sorgen der vorvorletzten Generation

Alexander Stumm macht sich Gedanken über die Sorgen der vorvorletzten Generation


Klebstoff der Gesellschaft

Alexander Stumm macht sich Gedanken über die Sorgen der vorvorletzten Generation

Text: Stumm, Alexander, Berlin

Die Klimakrise fordert traurigerweise inzwischen auch Fahrradfahrerinnen. Indirekte Todesursache war in einem medial begleiteten Berliner Fall jüngst der Zusammenprall mit einem Betonmischer; die etwas direktere Ursache war das Transportgut – Zement verursacht bekanntlich acht Prozent der globalen CO2-Emissionen. Als direkte Tatverdächtige waren jedoch schnell Aktivistinnen der „Letzten Generation“ ausgemacht, die sich zum Zeitpunkt des Unfalls auf der Stadtautobahn festgeklebt hatten, sodass eine (potenzielle) Rettung im Stau steckte. Wie lassen sich solche Opfer zukünftig vermeiden? Mein Vorschlag: Autobahnen dermaßen vergrößern, dass eine Blockade unmöglich wird. (Sogenannte „Haussmann-Methode“). Unterdessen beginnt die Letzte Generation, sich medienwirksam an Bilderrahmen zu kleben. Also Vorschlag: Größere Museen bauen! (Proteste in den Tiefen des Ausstellungshauses kriegt dann niemand mehr mit.)

Eine ehemalige Kulturstaatsministerin Monika G., die anonym bleiben möchte, fand eine tiefsinnigere Begründung: „Damit Berlin auch einen Herzog & de Meuron bekommt“. Dazu gehört, dass der Entwurf entgegen der Wettbewerbsausschreibung ein zusätzliches Tiefgeschoss erhält, weshalb nun – Grundwasser – die Baukosten erwartbarerweise ins Unermessliche steigen. („Elbphilharmonie? Könnt ihr haben!“) Trotz Baubeginn forderte Tobias Timm in der Zeit letztens nochmal den Stopp. Der Kritik über die immensen Energiekosten des Kastens sollen derweil kosmetisch ein paar Solaranlagen auf dem Dach entgegenwirken – bevor 2023 ein weiterer Wumms verkünden wird, die verbleibenden Atomkraftwerke auf unbestimmte Zeit weiterlaufen zu lassen und per Machtwort alle Mahner zum Schweigen bringt. Dass der Fahrer des genannten Betonmischers nach dem Unfall von einem Messerstecher attackiert wurde, könnte man als typische Berliner Selbstjustiz abtun. Dass letzterer dank der Auswertung der hochauflösenden Kameras eines zufällig vorbeifahrenden Teslas gefasst werden konnte, gibt aber doch zu denken. Künftig müssen wohl auch Starchitects besser aufpassen, bei welchen Schandtaten sie beobachtet werden.

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