Gender and the City

Karin Hartmann war auf Geschenksuche in der Bauecke einer Spielzeugabteilung

Text: Hartmann, Karin, Bonn

Karin Hartmann war auf Geschenksuche in der Bauecke einer Spielzeugabteilung

Karin Hartmann war auf Geschenksuche in der Bauecke einer Spielzeugabteilung


Gender and the City

Karin Hartmann war auf Geschenksuche in der Bauecke einer Spielzeugabteilung

Text: Hartmann, Karin, Bonn

Letztens musste ich ein Geschenk für die Tochter von Freunden kaufen, ein 6-jähriges Mädchen. Ihr Wunsch: Irgendetwas zum Bauen (nein, die Eltern sind keine Architekten). Also rein in die Spielzeugabteilung des nächsten Warenhauses. Mich erwartet die Ponyhof-Traumhaus-Auswahl mit Glitzer in Lilapink und die in Camouflagetönen gehaltene Marsmission-Ich-Rette-Die-Welt-Monstertruck-Ecke für Jungs. Natürlich ist das nur ein Beispiel, und die Mädchenseite der Spielzeugabteilung ist insgesamt rosa – nicht nur in der Bauecke. Ein erstes noch ungerichtetes Interesse wird mit dieser Auswahl nicht bedient. Und das, obwohl die meisten Eltern, die ich kenne, darauf Wert legen, ihre Kinder nicht stereotypisch nach Geschlecht zu erziehen, aber der Markt will scheinbar Anderes.
In der Architektenbranche sind Frauen in Führungspositionen immer noch unterrepräsentiert, obwohl sie 53 Prozent der Studenten bilden. Sie machen auch die besseren Schulabschlüsse. Doch wenn es darum geht, Vorträge zu halten, ihr Business nach außen zu vertreten oder Artikel darüber zu schreiben, konzentrieren sie sich lieber auf die Schwarzbrotarbeit mit weniger Rampenlicht, machen die Finanzen oder kümmern sich ums Personal, sprich, sie kümmern sich darum, dass der Laden läuft. Auch ein Stereotyp? Leider nicht.
Es fehlt insgesamt eine baukulturelle Bildung, die die Heranwachsenden von Anfang an mit unserer gebauten Umwelt in Kontakt bringt, ihnen vermittelt, dass sie mitgestalten können. Und diese Bildung sollte Mädchen wie Jungen adressieren. Vielleicht haben wir dann irgendwann Städte, die von Frauen und Männern gleichermaßen gebaut und gestaltet werden. Ich glaube nicht, dass sie besser sein werden, aber sie werden anders sein. Und dieses „anders“ würde mich schon interessieren.
Und das Geburtstagskind? Ich habe ihr doch lieber einen Gutschein geschenkt, für einen Nachmittag Modellbauen mit einer „echten“ Architektin – und echten Materialien.

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