Baustelle Park Sanssouci

Die Römischen Bäder werden ab 2023 saniert – eine Ausstellung gibt Einblicke in die denkmalpflegerischen Herausfor­derungen

Text: Hamm, Oliver G., Berlin

Verfall, der die Nachahmung der Antike noch authentischer wirken lässt. Blick auf den tanzenden Faun und die Fassade des Innenhofs.
Foto: Leo Seidel

Verfall, der die Nachahmung der Antike noch authentischer wirken lässt. Blick auf den tanzenden Faun und die Fassade des Innenhofs.

Foto: Leo Seidel


Baustelle Park Sanssouci

Die Römischen Bäder werden ab 2023 saniert – eine Ausstellung gibt Einblicke in die denkmalpflegerischen Herausfor­derungen

Text: Hamm, Oliver G., Berlin

Der Garten im Haupthof der Römischen Bäder am südlichen Rand von Park Sanssouci blühte in diesem Frühjahr in Violett und Rosa. Das pittoreske Potsdamer Bauensemble indes präsentiert sich – noch – in einem beklagenswerten Zustand: Putz bröckelt von den Fassaden, an vielen Stellen ist das tragende Mauerwerk sichtbar, Wände und Fußböden sind durch klimatische und statische Einwirkungen beschädigt. Doch Abhilfe naht, denn ab 2023 sollen die Römischen Bäder saniert und teilrestauriert werden.
Nach einem ersten Sonderinvestitionsprogramm von 2008 bis 2018 mit einem Volumen von 165 Millionen Euro haben der Bund und die Länder Brandenburg und Berlin für ein Folgeprogramm 400 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um damit bis 2030 insgesamt 26 Sanierungsprojekte unter der Obhut der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) in Potsdam, Berlin und Caputh, aber auch den Neubau des zentralen Skulpturendepots nahe dem Potsdamer Hauptbahnhof (nach Plänen von Staab Architekten) zu realisieren. Neben den Berliner Schlössern Charlottenburg, Schönhausen und Pfaueninsel sowie dem Logierhaus Caputh, dessen Gesamtsanierung bereits abgeschlossen ist, stehen in Potsdam unter anderem das Orangerieschloss und jeweils gleich mehrere Bauwerke im Park Sanssouci und im Neuen Garten auf der Renovierungsliste.
Eines der bedeutendsten Einzelprojekte ist die bevorstehende Sanierung der Römischen Bäder, des Pendants von Schloss Charlottenhof. Nach Ideenskizzen des damaligen Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. von Karl Friedrich Schinkel und Ludwig Persius entworfen, entstand das Ensemble ab 1829: Zunächst das Hofgärtnerhaus und das Gehilfenhaus mit gemeinsam eingefasster großer Laube sowie ein Pavillon mit Pfeilerportikus und – auf der Rückseite – zwei Ädikulen, bis 1839 dann auch die Arkadenhalle mit den angrenzenden sogenannten Thermen (in denen jedoch nie gebadet wurde) als Kopie eines pompejanischen Hofhauses, deren Wandmalereien 1850 vollendet wurden.
Die gesamten, mehrfach veränderten Römischen Bäder bedürfen dringend einer Grundinstandsetzung sowohl der Gebäudehüllen und der Innenräume als auch der Gartenanlagen. Bevor im kommenden Jahr die Baumaßnahmen beginnen werden, ist das Ensemble noch bis Ende Oktober für das Publikum geöffnet. Eine sich weitgehend auf illustrierte Texttafeln mit Bezug zu einzelnen Sanierungsaspekten beschränkende Ausstellung widmet sich den Themen Denkmalpflege und Zukunft des Welterbes Römische Bäder. Sie wird durch einzelne Skulpturen und Möbel ergänzt, die nach Abschluss der Bauarbeiten zum Teil als Original und zum Teil als Kopie vor Ort verbleiben werden. Das Sanierungskonzept der SPSG und des Potsdamer Architekturbüros Kühn-von Kaehne und Lange sieht die Wiederherstellung des ursprünglichen optischen Zusammenhangs der Römischen Bäder mit Schloss Charlottenhof, der Fasanerie und der Meierei als idealisierte Imitation einer italienischen Landidylle vor. So soll etwa das Gärtnerhaus wieder seinen ursprünglichen hellen Ocker-Farbton und zudem eine rötliche Ziegeldeckung nach römischem Vorbild (Tegula Imbrex) erhalten. Im Detail sollen Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte am gesamten Bauensemble erhalten bleiben. Verlorengegangene Bauteile werden nicht ersetzt, und auch der ehemalige Bauerngarten jenseits des Parkgrabens soll nicht rekonstruiert werden. Der Fokus der Arbeiten liegt auf dem Substanzerhalt und einer angemessenen Temperierung der Räume unter Einsatz von möglichst wenig Technik.
Die Ausstellung gewährt an 15 Stationen Einblicke in die Denkmalpflegearbeit der SPSG, in den konkreten Sanierungsbedarf der Römischen Bäder und sogar in einzelne, seit Jahren nicht mehr zugängliche Räume, etwa in den Pavillon: Dieser musste bereits 1991–93 eine umfangreiche Restaurierung mit Hausschwammsanierung über sich ergehen lassen. Nach einer erneuten Sanierung wird er wieder durch 12 (von ursprünglich 17) Gemälde, Teile des originalen Kamins sowie fast alle Möbelstücke aus der Zeit des Kronprinzen, darunter ein quadratisches Kanapee nach einem Entwurf von Schinkel (derzeit im Gärtnerhaus ausgestellt), bestückt werden. Besucher können sich aber heute schon einen Eindruck des „Rohbaus“ mit seinen kobaltblauen Wänden verschaffen.
Herzstück der Römischen Bäder sind die Thermen. Um die stark geschädigten Wandmalereien des Atriums und des anschließenden Impluviums künftig besser vor Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsschwankungen schützen zu können, wird das in den 1980er Jahren eingebaute Glasdach, welches das Regenwasser in das darunterliegende Becken ableitet, durch ein nach außen entwässerndes dichtes Glasdach ersetzt, wodurch das Außenklima und das – durch eine kleine Lüftungsanlage unterstützte – Raumklima voneinander entkoppelt werden können. Die Marmorfußböden im Atrium und in anderen Räumen, die aufgrund von Unterspülungen abgesackt sind, werden zwischenzeitlich eingelagert und nach dem Anfertigen einer stabilen Bodenplatte, die mittels Mikrobohrpfählen im Erdreich verankert werden soll, wieder eingebaut werden.
Im Calidarium wird ein bereits 1992 entnommenes Fliesengemälde zwar ebenfalls wieder eingebracht werden; um künftige Abnutzungsschäden zu vermeiden, soll dieser Raum künftig aber nicht mehr betretbar, sondern nur vom Impluvium aus einsehbar sein. Dafür wird das ursprünglich nach pompejanischen Vorbildern mit Rasen und rankendem Efeu gestaltete, später vereinfachte Viridarium nach der Wiederherstellung der originalen Hofgestaltung erstmals wieder für Besucher freigegeben werden. Ob auch eine Außenkolonnade am Parkgraben wieder zugänglich gemacht werden kann, ist noch nicht entschieden; dazu müsste eine dezente Absturzsicherung zwischen den Säulen angebracht werden.
Die aktuelle Ausstellung bietet Besuchern die Gelegenheit, der SPSG und den Planern gewissermaßen „über die Schulter zu gucken“ und das Bauensemble Römische Bäder ein letztes Mal vor der rund vierjährigen Schließung zu besichtigen. Nach Abschluss der Bauarbeiten soll es ab Sommer 2026 wieder öffentlich zugänglich sein.

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