Bauwelt

Eine letzte Reise ins Grand Hotel Parr

Das Neue Museum Nürnberg gelingt mit der Retrospektive „Grand Hotel Parr“ ein atmosphärischer Tiefgang ins fotografische Werk von Martin Parr

Text: Drewes, Frank F., Berlin

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Eine letzte Reise ins Grand Hotel Parr

Das Neue Museum Nürnberg gelingt mit der Retrospektive „Grand Hotel Parr“ ein atmosphärischer Tiefgang ins fotografische Werk von Martin Parr

Text: Drewes, Frank F., Berlin

Seit der Erfindung der digitalen Fotografie sind Fotoalben so antiquiert wie Telefone mit Wählscheiben. Von jedem Event oder Urlaub lassen sich heute mit wenigen Klicks Fotobücher erstellen, die nach verschiedenen Layoutvorlagen mal mehr und mal weniger professionell aussehen. Letztendlich sind es digital gedruckte Fotoalben, die sich deutlich vom hochwertigen Kunstfotobuch unterscheiden. Der weltweit renommierte Fotograf Martin Parr (*1952 in Epsom, UK) erstellte sein erstes Fotobuch mit dem Titel Bad Weather bereits 1982, behielt aber bewusst in seinen folgenden weit über 200 Fotobüchern den Look des Fotoalbums bei. Für den Laien mag der einzige Unterschied zwischen Parrs Buchpublikationen und dem eigenen Desktop-Publishing-Exemplar die ISBN sein.
Parr spielt bewusst mit der „Alltagsästhetik“ und trivialen Themen, parodiert die Gesellschaft in ihren Konsumexzessen und dem oft vulgären Gebaren von Touristen in überlaufenen und heruntergekommenen Seebädern, an Pommesbuden und auf Volksfesten. Die anfänglich zum Teil unter formalästhetischen Aspekten komponierten Bilder wichen zusehends den krassen, schreiend bunten und übervollen Motiven der jüngeren Jahre. Darauf wurde auch die Modewelt aufmerksam, die ihn mit surreal überreizten Werbekampagnen beauftragte, wodurch er eine weitere Zielgruppe erreichte. Speziell aber seine britischen Landsleute und ihre Verhaltensmuster reizten Martin Parr. Aber als enthusiastischer Weltreisender fing er bald Trivialitäten und Obskures rund um den Globus ein.
Mit der Schau „Grand Hotel Parr“ zeigt derzeit das Neue Museum in Nürnberg nahezu 250 seiner Buchprojekte in einem Setting, das passender und aufwändiger nicht sein könnte. Im Ambiente eines britischen Strandhotels können seine Fotobücher vor Ort im großen Saal des Museums studiert werden. Zwischen dunkelbraunen Wänden in Echtholzoptik wandelt man auf rotem Velourteppich durch acht Raumzonen, die den Augen keine Ruhepause gönnen. Schon beim Titel der Ausstellung, spätestens aber beim Betreten, fühlt man sich in die Welt von Wes Anderson und sein Grand Budapest Hotel versetzt. Nach dem Eintreten steht man vor dem Rezeptionstresen und wird automatisch in die große Lobby gezogen, wo ein Kofferwagen, ein überdimensioniertes Blumenbouquet und ein weißer Flügel authentisches Flair verbreiten. Apropos Koffer: Mit Parrs Fotomotiven bedruckte Hartschalenkoffer bevölkern die gesamte Ausstellung, wie auch Handtücher und Liegestühle, die mit seinen schrillen Zeitdokumenten bedruckt sind. In der Lobby laden verschiedene Sitzgruppen zum Niederlassen und Blättern ein. Auf den Tischen steht jeweils ein Book Menu, das die zum Anschauen gestapelten Fotobücher zuweist.
Von der Lobby kann man wahlweise in die Bar, den Billard Room, die Fashion Boutique oder einen Souvenir Shop gehen. Daran wiederum schließen ein Reading Room, ein Dining Room und der mit Kunstrasen und Plastikmobiliar ausgestattete Seaside View an. Neben der schieren Flut von Parrs ausgelegten Fotobüchern hängen ausgewählte und populäre Motive auch an den Wänden, aber bewusst als adäquate Partner der Requisiten und nicht als museal überhöhte Kunstwerke. Nahbarkeit und Déjà-vu stehen im Vordergrund, was auch den enormen Publikumszuspruch erklärt. Das Grand Hotel Parr ermuntert zum Flanieren und Chillen, Blättern und Stöbern – in jedem Fall aber zu einem ausgedehnten Aufenthalt. Martin Parr, der zur Eröffnung noch in Nürnberg war, ist am Nikolaustag in Bristol verstorben. Somit ist diese Ausstellung, die in Kooperation mit The PhotoBookMuseum in Köln entstand, die bisher größte Präsentation seiner Fotobücher und Retrospektive zugleich. Eine große Anzahl von Postkarten im Nachkriegsurlaubslook im Souvenir Shop ist ein Hinweis auf seine Sammelleidenschaft, die so ausufernd war wie die Fülle auf seinen Fotografien.


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