Zwischen Blumenkästen und Obstbäumen
Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin; Klingbeil, Kirsten, Berlin
Zwischen Blumenkästen und Obstbäumen
Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin; Klingbeil, Kirsten, Berlin
Noch herrscht Winter. Während der Bearbeitung dieser Ausgabe herrschte er sogar mit eisiger Hand in weiten Teilen des Landes. Doch werden die Tage schon wieder länger, und wenn dieses Heft in Ihrem Briefkasten liegt, ist der März nicht mehr weit – und damit auch der Frühling nah. Welchen Wert ein wohnungseigener Außenraum haben kann, wird den Städterinnen und Städtern spätestens dann wieder bewusst – es muss ja nicht gleich auf so drastische Weise geschehen wie im Frühling vor sechs Jahren mit dem ersten Corona-Lockdown. Ob sich von der damaligen Erfahrung eine direkte Linie zu den vier Projekten in diesem Heft ziehen lässt, sei dahingestellt; dass der Balkon bei ihrer Planung aber ein zen-trales gestalterisches Element gewesen ist, wird jedem Betrachtenden sofort klar. Mehr noch, die Balkone geben diesen Gebäuden erst ihr Gesicht und der Architektur das Thema: Wohnen wie im Einfamilienhaus (Toulouse), Aktualisierung der mediterranen Stadtansicht (Pescara), Perforierung und Schichtung einer städtischen Fassade (Zürich) und schließlich das Stiften von (Haus-)Gemeinschaft mittels der Überlagerung von privatem Freisitz und Laubengangerschließung (Berlin); Letzteres wohl der experimentellste Ansatz in dieser Reihe. Die Bandbreite zeigt jedenfalls ausschnitthaft, dass der Balkon viel mehr sein kann als ein zwar funktional wichtiger, aber nicht entwurfstreibender Bestandteil des städtischen Wohnungsbaus. Es gibt keinen Anlass, ihn auf die Rückseiten zu verbannen.
Auf der grünen Wiese
In den vergangenen Jahren sind im ländlichen Raum immer wieder beeindruckende Bauwerke entstanden. Dank einer sensiblen Interpretation und Weiterentwicklung des Bestehenden zu zeitgenössischen Bauten, deren Architektur nicht für Stillstand oder Nostalgie, sondern für eine behutsame Erneuerung steht, prägen sie die örtliche Identität mit neuem Blick. Bauliche Tradition in die Gegenwart zu überführen und aus der ortsbildprägenden Typologie heraus zu entwerfen, erfordert Feingefühl. Einfaches Kopieren des Bekannten mit neuem Material ist selten die Lösung; es braucht das Einbringen eigener Ideen für das Neue und auch Mut, vom Erwartbaren abzuweichen, ohne dabei den Kontext außer Acht zu lassen. Für die Stadtteilschule in Hamburg-Kirchwerder haben sich Thomas Kröger Architekten mit der Typolo-gie des Langhauses befasst und in Anlehnung daran einen Schulbau realisiert. Der Clusterschule, deren Grundrissorganisation eine gewisse Gebäudestruktur vorzugeben scheint, verleihen sie eine eigenständige Gestalt.






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