Über die Villen von Blasewitz

Eine Kombination aus Gotik, Renaissance und Jugendstil: Mit seiner Architektur prägte der Architekt Karl-Emil Scherz die Stadt Dresden

Text: Scheffler, Tanja, Dresden

    Aufnahme der Villa Schmitz, 1902 ...
    Abb.: LfDS, Foto: Wolfgang Junius

    Aufnahme der Villa Schmitz, 1902 ...

    Abb.: LfDS, Foto: Wolfgang Junius

    ... und perspektivische Ansicht der Eingangshalle der Villa Rothmundt, 1897, beide in Blasewitz.
    Abb.: LfDS, Foto: Wolfgang Junius

    ... und perspektivische Ansicht der Eingangshalle der Villa Rothmundt, 1897, beide in Blasewitz.

    Abb.: LfDS, Foto: Wolfgang Junius

Über die Villen von Blasewitz

Eine Kombination aus Gotik, Renaissance und Jugendstil: Mit seiner Architektur prägte der Architekt Karl-Emil Scherz die Stadt Dresden

Text: Scheffler, Tanja, Dresden

In der aktuellen Ausstellung des Landesamts für Denkmalpflege Sachsen im Ständehaus in Dresden wird eine große Bandbreite der vom Dresdner Architekten Karl Emil Scherz (1860−1945) entworfenen Bauten, mit bereits von der Darstellungsweise her beeindruckenden Original-Zeichnungen und historischen Fotoaufnahmen, vorgestellt. Er beeinflusste mit seinen repräsentativen Villen, den Wohn- und Geschäftshäusern an Schiller- und Körnerplatz, der Rathauserweiterung und der Heilig-Geist-Kirche den strukturellen Wandel des auf der linken Elbseite im Osten der Dresdner Altstadt gelegenen Villenvororts Blasewitz und seiner Umgebung in der Zeit um 1900.
Karl Emil Scherz eröffnete nach einer umfangreichen Ausbildung unter anderem an der Kunstakademie in Dresden und der Techni­schen Hochschule in Charlottenburg 1889 in Blasewitz ein Büro für Architektur. Er gehörte zu den Vertretern des Historismus und führte bis 1921 mehr als 100 Projekte aus. Die meisten von Scherz’ Villenbauten werden – wie die Villa Rothermundt in der Mendelssohnallee (1896) − durch Empfangshalle, Prachttreppe, Salons, Terrassen, mehrere repräsentative Wohn- und Gesellschaftsräume, sowie durch die Beziehung zum manchmal fast schon parkartigen Garten geprägt. In vielen Fällen ist die innere Gebäudestruktur bereits am äußeren Erschei­nungsbild ablesbar. Dabei kümmerte sich Scherz häufig – zusammen mit den Handwerkern – auch um die konkreten Details der Innenausstattung, bis hin zum Mobiliar.
Im Zuge der Errichtung der neuen, später „Blaues Wunder“ genannten Elbbrücke (1893) zwischen Blasewitz und Loschwitz wurde Scherz von den beiden Gemeinden mit der Neugestaltung der alten Dorfkerne beauftragt. Dabei entstanden unter der Mitwirkung weiterer Architekten am Schillerplatz und am Körner­platz zwei fast schon großstädtisch anmutende, auf die Brücke ausgerichtete Platzanlagen mit nach zeitgenössischen archi­tektonischen Gestaltungsvorstellungen (einer Kombination aus Gotik, Renaissance und dem aufkommenden Jugendstil) präzise aufeinander abgestimmten Gebäudeensembles. Eine große Bedeutung für Scherz’ Schaffen haben auch seine durchweg über Wettbewerbe akquirierten, im neo-gotischen Stil ausgeführten Sakralbauten wie die Heilig-Geist-Kirche (1893) in Blasewitz, die Himmelfahrtskirche (1901) in Dresden-Leuben und die nach der Kriegszerstörung abgerissene, an Sainte-Chapelle in Paris erinnernde Kapelle des Ehrlichschen Gestift (1907). Er baute aber auch mehrere Sakralbauten um, darunter die Dresdner Kreuzkirche.
Die Ausstellung präsentiert neben Scherz’ eigenen Zeichnungen und vielen zeitgenössischen Fotoaufnahmen auch sein jahrzehntelanges Wirken als Blasewitzer Ortschronist. Denn seine mittlerweile zu den wissenschaftlichen Sammlungen des Landesamtes für Denkmalpflege gehörende „Ortsgeschichtliche Sammlung“ ist im Zuge der Diskussion um das Blasewitzer Ortsbild ein wichtiger Schatz. Die davon ausgestellten Dokumente, Zeichnungen und anderen künstlerischen Darstellungen lassen die wechselvolle Blasewitzer Geschichte wieder lebendig werden. Denn das an der alten Furt nach Loschwitz gelegene Dorf entwickelte sich erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem vornehmen Vorort.
Dieser 1921 eingemeindete Stadtteil ist dank der Elbwiesen und des Waldparks bis heute ein beliebtes Wohnviertel. Viele der historischen Gebäude wurden nach der Wende mit großem Aufwand instand gesetzt. Ab den 2000er Jahren ging jedoch zum Entsetzen der alteingesessenen Bewohner, Denkmalpfleger und Heimatkundler eine Welle von Abrissen einzelner, das Ortsbild prägender Altbauten und die darauf folgende übermäßige Nachverdichtung mit deutlich anspruchsloser zeitgenössischer Bauträgerarchitektur durch das Viertel. Das versucht die Stadt Dresden mittlerweile mithilfe von mehreren Erhaltungssatzungen einzudämmen.

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