Bauwelt

Strahlen für Sichtbarkeit

Der Wunsch eigener Räume für die Muslimische Aka­demie Heidelberg konkretisierte sich auf der IBA. Das Zentrum für Begegnung, Diskurs und Bildung ist ein Pionierprojekt von großer Dringlichkeit.

Text: Kraft, Caroline, Berlin

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    1. Preis Baurmann.dürr und BHM Planungsgesellschaft orientieren sich an den vorhandenen Stadtkanten.Innen plant das Team eine Erschließungstreppe, die durch ihre Offenheit zum Kommunikationsraum wird.
    Abb.: Verfasser

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    1. Preis Baurmann.dürr und BHM Planungsgesellschaft orientieren sich an den vorhandenen Stadtkanten.Innen plant das Team eine Erschließungstreppe, die durch ihre Offenheit zum Kommunikationsraum wird.

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    2. Preis Studio Yonder und Peyker Landschaftsarchitektur durchbrechen die Fassade immer wieder mit mehrgeschossigen Wintergärten. So gelingt ein starker Sichtbezug nach außen.
    Abb.: Verfasser

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    2. Preis Studio Yonder und Peyker Landschaftsarchitektur durchbrechen die Fassade immer wieder mit mehrgeschossigen Wintergärten. So gelingt ein starker Sichtbezug nach außen.

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    ein 4. Preis Acme und Spacehub hüllen ihre Akademie über dem Erdgeschoss in eine rote, perforierte Metallmembran. Loggien und Lichthöfe lassen die Fassade stellenweise schillernd anmuten. Übernachtunsbereich, Kern- und Resonanzraum sind blockweise angeordnet.
    Abb.: Verfasser

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    ein 4. Preis Acme und Spacehub hüllen ihre Akademie über dem Erdgeschoss in eine rote, perforierte Metallmembran. Loggien und Lichthöfe lassen die Fassade stellenweise schillernd anmuten. Übernachtunsbereich, Kern- und Resonanzraum sind blockweise angeordnet.

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    ein 4. Preis MGF Architekten mit Wiedemann + Schweizer Landschaftsarchitektur lagern dem Restaurant eine von der Promenade aus selbstverständlich zu erreichende Terrasse vor.
    Abb.: Verfasser

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    ein 4. Preis MGF Architekten mit Wiedemann + Schweizer Landschaftsarchitektur lagern dem Restaurant eine von der Promenade aus selbstverständlich zu erreichende Terrasse vor.

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Strahlen für Sichtbarkeit

Der Wunsch eigener Räume für die Muslimische Aka­demie Heidelberg konkretisierte sich auf der IBA. Das Zentrum für Begegnung, Diskurs und Bildung ist ein Pionierprojekt von großer Dringlichkeit.

Text: Kraft, Caroline, Berlin

„Wir bauen keine Moschee, sondern ein Bildungshaus“. Die Differenzierung ist wichtig. Yasemin Soylu, Geschäftsführerin der Muslimischen Akademie Heidelberg (MAHD), betont die alternative Struktur, die das Bauvorhaben verkörpert. Es geht nicht um religiöse Bildung, vielmehr soll die Akademie durch Teilhabe und Begegnung der gesellschaftlichen Polarisierung entgegenwirken, die der Islam in Deutschland oft auslöst. Die Gründungsmitglieder möchten mit der MAHD besonders ihren Willen der Dienstleistung für die Gesamtgesellschaft nach außen tragen, etwa mit Workshops gegen Antisemitismus für Jugendliche und Lehrkräfte. Dafür gibt es in Heidelberg noch keine eigenen Räume. Nirgendwo in Europa existieren inhaltlich ähnliche Strukturen in mus­limischer Trägerschaft. Heidelberg hat Modellcharakter.
Im Rahmen der IBA gründete sich „Teilseiend“. Die Initiative muslimischer Menschen aus Heidelberg trägt das Projekt aktuell gemeinsam mit dem Verein für politische Bildung „Mosaik Deutschland“. An der Auslobung beteiligt, formulierte Teilseiend die manchmal schwer zu ver­einenden Vorstellungen für das Projekt präzise. Zwar soll die MAHD ihre muslimische Identität transportieren, aber nicht klischeehafter Gestaltung verfallen. Der Baukörper muss gleichzeitig der internen und der öffentlichen Kommunika­tion dienen, Rückzug ermöglichen, unaufdringlich und doch von Ausdauerkraft sein – eine „sowohl-als-auch-Architektur“. Von innen nach außen soll das Volumen durchlässiger werden und sich der Stadtgemeinschaft stückweise öffnen. Im „Kernbereich“ sitzen ein interdisziplinäres Team und die Verwaltung. Öffentlich nutzbare Zonen dienen Information und Austausch, aber auch Rückzug und Beratung. Der „Resonanzraum“ zieht sich wie eine perforierte Membran um den Kernbereich. Hier findet Diskurs statt, Einmischung und Vermischung. Dieser Zone ordnet die Auslobung beispielsweise das Foyer, eine auch öffentlich nutzbare Kantine (halal und bio) und die Veranstaltungsräume zu. Es soll außerdem dreißig Übernachtungszimmer geben. Referentinnen und Seminarteilnehmer kommen hier unter, auch wenn sie weit anreisen.
Die Akademie strebt nationale wie internationale Reichweite an. Ihre Außenwirkung ist dafür essenziell. Das kleine, spitz zulaufende Wettbewerbsareal liegt gut angebunden am Rand der größten geplanten Passivhaus-Siedlung der Welt, der Heidelberger Bahnstadt. Es übernimmt die Rolle eines Quartiereingangs, was den Anspruch an den Freiraum erhöht. In der Nähe des Planungsgebiets befinden sich Baumarkt, Studierendenwohnheim und diverse Kultureinrichtungen, direkt an das Gelände schließt eine viel genutzte Promenade in Richtung Innenstadt an, die vier Meter höher als die nördlich verlaufende Straße liegt.
Den vorgeschalteten städtebaulichen Ideenwettbewerb wie auch den Realisierungsteil gewannen baurmann.dürr Architekten und BHM Planungsgesellschaft. Ihren Vorschlag für die MAHD, „Strahlen für Sichtbarkeit“, bewertet das Preisgericht als „zurückhaltend aufregend“. Der abgetreppte Baukörper in Massivholzbauweise formuliert mit seinem gläsernen Sockel die gewünschte einladende Geste. Die Fassade der hervorspringenden oberen Geschosse reagiert mit variierender Transparenz vorgehängter Keramikelemente auf ihren Innenraum. Mehrere Loggien und eine Dachterrasse sorgen zusätzlich für einen starken Außenraumbezug.
Studio Yonder aus Stuttgart konnten gemeinsam mit Peyker Landschaftsarchitektur den zweiten Platz erreichen. Ähnlich den Erstplatzierten schlagen sie einen transluzenten Sockel und in den Obergeschossen eine in ihrer Durchlässigkeit changierende Fassade vor. Die im Gussglas integrierten PV-Elemente kritisiert die Jury als für diese Bauaufgabe zu technisch. Der terrassierte Holzhybridbau weist auf drei Ebenen Dachterrassen auf, was die Jury überzeugt. Generell lobt sie die Raumanordnung, vermisst allerdings stellenweise die Leichtigkeit im Grundriss. Die Bastions-ähnliche Außenwirkung des Baukörpers empfindet die Jury als zu stark.
Einen vierten Preis erhielten Acme und Spacehub, die mit einem gewölbeartigen Sockelgeschoss und bogenförmigen Stützen dessen Transparenz auf die Spitze treiben. Die Jury bewertet die dargestellte Durchsicht als unrealistisch und kritisiert das Tragwerk als weder überzeugend noch wirtschaftlich, würdigt aber das Signal der Offenheit des Erdgeschosses.
Durch die gute Platzierung von Einschnitten gelingt MGF Architekten und Wiedemann + Schweizer Landschaftsarchitektur die Auflockerung ihrer sonst strengen Kubatur. Die subtile Verwendung von Ornamentik in der Ziegelaußenhülle lobt das Preisgericht, wenn auch die vorgegebene Assoziation mit einem Gebetsteppich nicht erkennbar sei. Generell sei außerdem das Gebäudevolumen so groß, dass die Jury seine Wirtschaftlichkeit bezweifelt.
Noch stellt die MAHD beispielsweise im Interkulturellen Zentrum Heidelberg aus – die Wanderausstellung „Wir sind Hanau“ ist ab dem 26. Februar zu sehen. In hoffentlich naher Zukunft ist die Akademie nicht mehr zu Gast, sondern lädt ein.
Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem freiraumplanerischen Ideenteil
1.Preis (27.750 Euro) baurmann.dürr Architekten, Karlsruhe; BHM Planungsgesellschaft, Bruchsal
2.Preis (27.750 Euro) Studio Yonder – Architektur und Design, Stuttgart; Peyker Landschaftsarchitektur, Schönaich
ein 4.Preis (27.750 Euro) Acme, Berlin/London mit Spacehub, London
ein 4.Preis (27.750 Euro) MGF Architekten mit Wiedemann + Schweizer Landschaftsarchitektur, beide Stuttgart
Ausloberin
Muslimische Akademie Heidelberg i. G. Teilseiend e.V., in Kooperation mit der Stadt und IBA Heidelberg
Fachpreisgericht
Jürgen Odszuck, Michael Braum, Johannes Böttger, Carl Zillich, Jochem Schneider
Verfahrensbetreuung
Bäumle Architekten I Stadtplaner, Darmstadt

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