Bauwelt

Kulturkorridor am Huangpu River in Shanghai

Der Huangpu River ist eine Lebensader von Shanghai. Seit der Expo 2010 ist die Neugestaltung der Flussufer ein wichtiges Thema. Zuletzt entstanden mit dem „West Bund Cultural Corridor“ mehrere Museen, Galerien und Ausstellungshallen. Außerdem wurden insgesamt 45 Uferkilometer mit Fußwegen, Fahradwegen, Joggingwegen und Grünanlagen geschaffen.

Text: Adam, Hubertus, Zürich

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    Zu den neuen Einrichtun­­gen gehören auch zahlreiche Umnutzungen.
    Foto: Hunertus Adam

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    Zu den neuen Einrichtun­­gen gehören auch zahlreiche Umnutzungen.

    Foto: Hunertus Adam

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    Unten ein öffentlicher Park mit ehemaligen Öltanks, die das chinesische Atelier Deshaus 2017 zu Ausstellungshallen umgestaltete.
    Foto: Hunertus Adam

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    Unten ein öffentlicher Park mit ehemaligen Öltanks, die das chinesische Atelier Deshaus 2017 zu Ausstellungshallen umgestaltete.

    Foto: Hunertus Adam

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    Beim Long Museum West Bund integrierte das Atelier Deshaus auch einen historischen Kohleschüttbunker.
    Foto: Hunertus Adam

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    Beim Long Museum West Bund integrierte das Atelier Deshaus auch einen historischen Kohleschüttbunker.

    Foto: Hunertus Adam

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    Die kilometerlangen neuen Wege am Wasser mit Brücke von Liu Yuyang Architects.
    Foto: Hubertus Adam

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    Die kilometerlangen neuen Wege am Wasser mit Brücke von Liu Yuyang Architects.

    Foto: Hubertus Adam

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    Die Wege führen durch Grünanlagen ...
    Foto: Hubertus Adam

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    Die Wege führen durch Grünanlagen ...

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    ... und frühere Industriebauten.
    Foto: Hunertus Adam

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    ... und frühere Industriebauten.

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    Die umgenutzten Getreidesilos an der Minsheng Wharf Waterfront.
    Liu Yuyang Architects

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    Die umgenutzten Getreidesilos an der Minsheng Wharf Waterfront.

    Liu Yuyang Architects

Kulturkorridor am Huangpu River in Shanghai

Der Huangpu River ist eine Lebensader von Shanghai. Seit der Expo 2010 ist die Neugestaltung der Flussufer ein wichtiges Thema. Zuletzt entstanden mit dem „West Bund Cultural Corridor“ mehrere Museen, Galerien und Ausstellungshallen. Außerdem wurden insgesamt 45 Uferkilometer mit Fußwegen, Fahradwegen, Joggingwegen und Grünanlagen geschaffen.

Text: Adam, Hubertus, Zürich

Der Huangpu River, der sich mit seinen großen Schlingen durch das Stadtgebiet zieht und die städtischen Distrikte am Westufer von Pudong am östlichen Flussufer trennt, bildet seit jeher die Lebensader der Stadt. Spätestens seit der Expo 2010 war die Neugestaltung der Flussufer zur Herausforderung geworden. Es ging um verbesserten Hochwasserschutz, den Umgang mit den Industriebrachen und eine Neugestaltung und Umprogrammierung der flussnahen Zonen. Eine wichtige Figur in diesem Kontext war Sun Jiwei, ein an der Tongji University als Architekt ausgebildeter Politiker, der zuvor in den Satellitenstädten Qingpu und Jiading zeitgenössische Architektur gefördert hatte und nun die Idee entwickelte, den südlich der Innenstadt gelegenen Bereich um die Brache des 1917 eröffneten ersten Verkehrsflughafens, des Longhua Airports, zu einem Kunstquartier umzuwidmen. Da­raus entstand der „West Bund Cultural Corridor“ mit Museen, Galerien und Ausstellungshallen. Im Gegensatz zur Hauptstadt Beijing hatte sich Shanghai noch keineswegs als Kunstdestina­tion etabliert, und so bot das Thema auch ökono­misch und touristisch interessante Perspektiven. Einer der Coups von Sun war es, das Sammlerpaar des in Pudong betriebenen Long Museum zum Bau einer Dependance am West Bund zu bewegen und sie mit Atelier Deshaus zusammenzubringen, das im Jahr 2001 als eines der ersten privaten Architekturbüros in China gegründet worden war. Die Architekten nutzten die schon bestehende Tiefgarage eines gescheiterten Bauprojekts als Fundament und errichteten darauf ihr bislang bekanntestes Werk. Es überzeugt nicht nur durch seine Struktur pilzähnlicher Gewölbe, sondern auch die Integration einer Phalanx historischer Kohleschüttbunker. Ein Jahr nach der Eröffnung des Long Museums 2014 fand zum ersten Mal SUSAS statt, die seither alle zwei Jahre veranstaltete Shanghai Urban Space Art Season. Diese Biennale für Kunst und öffentlichen Raum besteht jeweils aus einem Hauptausstellungsort, einem Referenzgebiet und diversen Satellitenausstellungen. Thema 2015 war der Umgang mit Industriebrachen –  ein Beleg für ein nach der Tabula-Rasa-Ära sukzessive aufkeimendes Interesse am industriehistorischen Erbe. Der Beitrag von Atelier Deshaus war der Umbau des vom Abriss bedrohten Laobaidu-Kohlenbunker am Ostufer des Huangpu in einen Ausstellungsort, den seither das neu gegründete Modern Art Museum Shanghai weiternutzt.
Zwei Jahre später widmete sich Atelier Deshaus den uferbeherrschenden Getreidespeichern am Minsheng Yard einige Kilometer flussabwärts in Pudong. Mit einer gläsernen Treppenkaskade machten die Architekten das oberste Geschoss als Ausstellungsort für SUSA 2017 zugänglich. Doch die geplante weitere Umnutzung des Gebäudes unterblieb bislang ebenso wie weitere Interventionen, etwa durch OMA. Komplettiert werden hingegen konnten die Uferparks entlang des Flusses zwischen Lujiazui, dem glitzernden Hochhauszentrum von Pudong, und der Yangpu-Brücke, der nördlichen Flussquerung des inneren Rings. Wie überall an den insgesamt 45 neugestalteten Uferkilometern bildet ein Trio von Fußweg, Fahrradweg und Joggingweg die verkehrliche Erschließung. Ornamentale Pflasterungen und große, von Sitzbänken gesäumte amöbenartige Pflanztröge sind Teil der Parkgestaltung von West8, an welche sich zwischen Silos und Brücke der Abschnitt vom Büro ALYA aus Shanghai anschließt. Die Wege werden gleichsam durch die Substruktion der Verladebrücken hindurchgefädelt und winden sich in Form einer kreiselförmigen Querung über einen Hafenarm.
Das gegenüber liegende Flussufer im Stadtbezirk Yangpu war Referenzgebiet der Ausgabe SUSAS 2019. Hier begann in der kolonialen Ära die Industrialisierung der Stadt: Werften, Fabriken und Kraftwerke säumten das Flussufer. Hauptausstellungsort war ein altes Lagerhaus inmitten eines Gebiets, in dem die industrielle Entwicklung Shanghais ihren Anfang nahm. Auf dem Weg flussabwärts passiert man die einstigen Trockendocks der Shanghai Shipyards und das Wasserwerk Yangshupu, ein 1883 von einem britischen Architekten errichtetes Gebäudeensemble mit Türmen, Zinnen und orientalisierenden Spitzbogenfenstern. Weitere östlich der Schrägseilbrücke anschließende 2,7 Kilometer wurden Ende September 2019 eröffnet. Zuweilen mit einem Übermaß an gestalterischer Ambition sind hier neue Parkbereiche geschaffen und historische Hafenanlagen sowie Fabriken in Szene gesetzt worden. In diesem Uferabschnitt findet sich auch die Riverside Passage, das inzwischen neunte Projekt von Atelier Deshaus am Flussufer. Basis bildet eine lange Betonmauer, Relikt eines hier vormals bestehenden Kohlenlagers. Überdeckt wird die neu angebrachte Aussichtsgalerie von einem stählernen Pultdach, das mit filigranen Stützen auf der Mauerkrone ruht und sich nach hinten weiter absenkt, so dass es auch einer zweiten Passage auf der Rückseite Schutz gewährt. Zwei Räume mit zwei Ausblicken – auf die Spontanvegetation im Rücken der Mauer und den Fluss vor ihr sind entstanden. Es ist ihr wohl subtilstes Projekt.

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