Klaus Kinold

1939–2021

Text: Stock, Wolfgang Jean, München

    Foto: Jan Thorn Prikker

    Foto: Jan Thorn Prikker

Klaus Kinold

1939–2021

Text: Stock, Wolfgang Jean, München

Bis zuletzt hat Klaus Kinold an seinen Projekten gearbeitet: an Ausstellungen für Duisburg, Innsbruck und München, vor allem an seiner Fotobuchreihe im Hirmer Verlag. Dort ist im letzten Jahr ein Band zu zwei Schlüsselwerken von Mies van der Rohe erschienen, dem Barcelona-Pavillon und der Villa Tugendhat, und für dieses Frühjahr kündigt der Verlag einen Rückblick auf Herman Hertzbergers Strukturalismus an. Auch die früheren Bände dieser Reihe, die unter anderem Carlo Scarpa und Rudolf Schwarz gewidmet sind, konnte Kinold aus seinem opulenten Archiv bestreiten. Mit den selbst gestalteten Büchern zog der Architekturfotograf ein Resümee seiner jahrzehntelangen Tätigkeit.
Dass große Fotografen wie Albert Renger-Patzsch, Werner Mantz und Walker Evans zu seinen Vorbildern zählten, spürt man auf Anhieb, wenn man einen seiner schönen Ausstellungskataloge durchblättert. Wie seine Vorgänger bevorzugte Klaus Kinold das klassische Schwarz-Weiß, wie diese fühlte er sich einer poetischen Sachlichkeit verpflichtet. Kinold, der nicht nur in ganz Europa als Auftragsfotograf gearbeitet, sondern außerdem internationale Fachzeitschriften für Architektur herausgegeben hat, erwarb sich rasch den Ruf als einer der bedeutenden Vertreter seines Metiers.
Von den meisten Kollegen unterschied ihn aber eines: Kinold war selber Architekt. 1939 in Essen geboren, diplomierte er an der Karlsruher Hochschule bei Egon Eiermann, jenem Meister des Stahlbaus, der seine Studenten zu Klarheit und Präzision führen wollte. Kinold ließ sich führen und kultivierte folgerichtig als lichtbildnerischer Autodidakt seine Haltung einer schnörkellosen Architekturfotografie. So begehrt und berühmt Kinold damit schließlich auch wurde, dass sein Schaffen zum Genre der Sachaufnahme zählt und nicht zur Gesellschaftsreportage leuchtete manchen nicht ein. Personen als belebender Faktor im Bild? Solches „Menscheln“ lehnte Kinold entschieden ab. Ihm ging es um die Kraft der Architektur, deren Qualität und um Bauwerke mit einem humanen Maßstab. Solche Gebäude benötigten keine Personen als Staffage, sagte er, weil man sich ihre Nutzer hinzudenke. Gelegentlich zeigen seine Aufnahmen aber auch Menschen, und zwar dann, wenn die Umstände dies so ergaben.
„Ich will Architektur zeigen, wie sie ist“: Wer Klaus Kinold näher kannte, weiß, wie ernst er seine Selbstverpflichtung nahm: „Architekturfotografie erfüllt eine Aufgabe – das Erklären von Architektur und das Offenlegen von Zusammenhängen. Sie soll das Gebäude zeigen, wie es sich dem Betrachter in der Realität jederzeit darstellt. Der einzigartige Moment, das einmalige Licht, der artistisch riskante Blickpunkt sind hier gerade nicht die Voraussetzung für ein gelungenes Bild. Sie verzerren die architektonische Aussage und gängeln den Betrachter.“
Kinold hat nicht alle Aufträge angenommen, die ihm angeboten wurden, und auch die Orte seiner Ausstellungen hat er nach ihrem Renommee und ihrer räumlichen Qualität ausgewählt. Ein Höhepunkt war 2009 die große Ausstellung des Architekturmuseums in der Münchner Pinakothek der Moderne, die ihm Winfried Nerdinger eingerichtet hatte. Dort konnte Klaus Kinold die ganze Spannweite seiner Architekturfotografie zeigen. Neben Bildern der Bauten von Altmeistern der Moderne wie Jože Plečnik, Le Corbusier und Louis Kahn waren Leistungen der neueren europäischen Architektur zu sehen, darunter etliche Sakralbauten. Hinzu kamen suggestiv wirkende Panoramabilder von Landschaften und Orten, die Kinold ohne Auftrag geschaffen hat. Den Abschluss bildeten die fotografischen Früchte von Exkursionen der TU München, die Kinold begleitet hatte. Weil diese in den späten 1980er Jahren auch in die DDR sowie nach Moskau und Leningrad führten, waren die dortigen „Reisebilder“ längst Zeugnisse einer versunkenen Welt.
„Der Architekt photographiert Architektur“ lautete der Titel der Münchner Schau. Er umriss präzis die Haltung von Kinold, der keine Standpunkte, sondern „Seh-Orte“ wählte: Entscheidend war das Auge des Architekten. In besonderer Weise steht Kinold, dessen Werk jetzt durch eine schwere Erkrankung beendet wurde, mit einigen anderen an der Spitze des zeitgenössischen Architekturbildes: mit Gabriele Basilico, Heinrich Helfenstein, Sigrid Neubert und Margherita Spiluttini. Wie Kinold zu seinen Aufnahmen kam, auch das erfährt man in dem schönen Band zu seiner Architekturfotografie, den Wolfgang Pehnt in der Edition Axel Menges publiziert hat. Der Fotohistoriker Michael Koetzle wiederum hebt im Rückblick auf Kinolds Schaffen hervor, dass er so konsequent wie kein anderer Fotograf „mit der Kamera durch das Leben gegangen“ sei. In München, wo er seit 1972 lebte und arbeitete, ist Klaus Kinold am 20. März im Alter von 81 Jahren gestorben.

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