Hallen und Stadtentwicklung

Editorial

Text: Friedrich, Jan, Berlin; Brinkmann, Ulrich, Berlin

Hallen und Stadtentwicklung

Editorial

Text: Friedrich, Jan, Berlin; Brinkmann, Ulrich, Berlin

Als 2008 feststand, dass der Berliner Blumengroßmarkt die Südliche Friedrichstadt verlassen wird, schlug eine Initiative aus Kuratoren, Künstlern und Politikern vor, die Markthalle von 1965 (Architekt: Bruno Grimmek) künftig als Kunsthalle zu nutzen. Der Senat hatte andere Pläne: Das gegenüber gelegene Jüdische Museum sollte sie bekommen, um dorthin sein Archiv, die Bibliothek und Seminarräume auslagern zu können. Daniel Libeskind baute die Halle zur Akademie des Jüdischen Museum um (Bauwelt 16.2013).
Das übrige Großmarktareal plante man zu verkaufen. Und zwar, wie es zu dieser Zeit in Berlin üblich war – und vielfach kritisiert wurde –, an den Höchstbietenden. Der Kunsthallen-Initiative aber gelang es, sich mit der Idee eines Kunst- und Kreativquartiers (wenn auch ohne Kunsthalle) doch noch Gehör zu verschaffen. So wurde 2010 Berlins erstes Konzeptverfahren durchgeführt, bei dem nicht nur die Höhe der Gebote, sondern auch die Nutzungskonzepte für die Vergabe eine Rolle spielten. Tatsächlich kamen drei Projekte zum Zuge, die nicht große Investoren, sondern Berliner Architekturbüros angestoßen hat­-ten. Es wurde 2014, bis die Projektgemeinschaften endgültig den Zuschlag erhielten. Zwischenzeitlich war mit der genossenschaftlichen Tageszeitung Taz, die ein neues Haus für Verlag und Redaktion bauen woll­te, ein weiterer Mitstreiter hinzugekommen.
Zehn Jahre hat es gedauert, bis das „Kunst- und Kreativquartier Südliche Friedrichstadt“ Realität wurde. Dass sich das lange Verfahren für die Stadt mehr als gelohnt hat, zeigt schon ein Blick auf die Nutzungen, die dort zu finden sind: Künstlerateliers, Werkstätten, Projekträume, Zeitungsredaktionen, Berufsbildungszentrum, Geschäfte, Gastronomie, Apartmenthotel, Genossenschaftswohnungen, Eigentumswohnungen. Wie es heute rund um die ehemalige Markthalle aussähe, wenn die Grundstücke an meistbietende Investoren verkauft worden wären, weiß jeder.
Die parzellierte Sheddachhalle
2004 wurden zu Füßen des Hildesheimer Stadtteils Moritzberg die Gummiwerke „Phoenix“ geschlossen. Bis auf das denkmalgeschützte Verwaltungsgebäude, einen Schornstein und die Paschenhalle aus den fünf­ziger Jahren wurden die Hinterlassenschaften beseitigt; es entstanden ein neuer Quartiersplatz, Gewerbeflächen und Wohnungen. Die Umnutzung der besagten Halle – sie trägt ihren Namen nach dem damaligen Werksdirektor Ludwig Paschen – ist insofern interessant, als hier eine kleinteilige, parzellierte und gemischte Nutzung umgesetzt wurde – für kleinere Städte ein gangbarer Weg, mit dem großen baulichen Maßstab der industriellen Produktion umzugehen.

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