Bauwelt

Gar nicht festgefahren

Text: Landes, Josepha, Berlin; Brinkmann, Ulrich, Berlin

Gar nicht festgefahren

Text: Landes, Josepha, Berlin; Brinkmann, Ulrich, Berlin

Einfamilienhäuser sind rar im Bauwelt-Repertoire. Das hat Prinzip, denn: Wenn auch weiterhin viele davon träumen, vom eigenen Garten umgeben, den Nachbarn entrückt zu leben – zumindest neu bauen muss dafür keiner. Der Zensus von 2022 listete, dass fast die Hälfte der deutschen Wohngebäude freistehende Einfamilienhäuser sind. Dieser Bestand ist relevant. Einerseits gilt es, neue Konzepte zu entwickeln, wie die Gebäude für aktuelle Lebensrealitäten umgenutzt und neu konzipiert werden können: Ausgelegt für die traditionelle Familienkonstellation Mutter-Vater-Kind(er), sind sie heute oft von Emptynestern bewohnt und ihre räumlichen Potenziale verschenkt, während Singles, Alleinerziehende oder Patch-Work-Familien keinen passenden Wohnraum finden. Andererseits lässt seine vermeintliche Individualität das Eigenheim vorzüglich Geschichten erzählen; Zeit- und Familiengeschichte greifen bei kaum einem anderen Bautypus derart unmittelbar ineinander. Einfamilienhäuser umzubauen, setzt also eine intensive Auseinandersetzung mit Gesellschafts- und Architekturtheorie voraus.
Dass es dabei nicht unbedingt bierernst zugehen muss, zeigen die im Folgenden versammelten Projekte. Offenbar ist gerade das scheinbar profane Familiendomizil hervorragend geeignet, einen Ausdruck für die Verzahnung von Vergangenheit und Gegenwart zu erproben. Die private Bauherrschaft ermöglicht bisweilen den etwas freieren Umgang mit Normen. Zudem können repräsentative, jedoch nicht einmalige Relikte – sofern kein Denkmalschutz zu beachten ist –in diesem Rahmen kreativer behandelt werden, als handele es sich um allgemeingültigere Bauten.
Die Einfamilienhäuser dieser Ausgabe haben wir unter dem Schlagwort „Villa“ zusammengeführt, da es sich durchaus um außergewöhnlich Häuser handelt. Wir denken, sie können beispielhaft stehen dafür, dass die Deutungshoheit im Hier und Jetzt liegt. In den gestalterischen Lösungen, die die Architekturbüros entwickelt haben, ahnen wir Ansätze, die sich auf andere Bauaufgaben übertragen ließen. Nicht zuletzt subsummieren wir hier „Folgeaufträge“ – denn alle drei Teams erhielten in den vergangenen Jahren einen Bauwelt-Preis für ihr „Erstes Haus“.

Von wegen Abstellgleis

In der Ära der autogerechten Stadt hatte die Tram schlechte Karten: Wer kein Auto hatte, sollte gefälligst in dunklen Untergrundtunneln unterwegs sein, sodass oben Platz für Fahrspuren und Parkplätze war. Außerhalb von Berlin ist diese Epoche inzwischen als Irrweg erkannt, und so wird wieder munter in die Tramnetze investiert – auch in Zürich und Bern.

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