Der Raumbildner

Nikolaus Bienefeld in der Bonner Gesellschaft für Kunst und Gestaltung

Text: Winterhager, Uta, Bonn

    Seit 1996 führt Nikolaus Bienefeld ein Architekturbüro. Für die Ausstellung in Köln veränderte er nicht nur den Raum, sondern zeigt seine geometrisch-abstrakte Malereien und Möbel.
    Foto: Andreas Denk

    Seit 1996 führt Nikolaus Bienefeld ein Architekturbüro. Für die Ausstellung in Köln veränderte er nicht nur den Raum, sondern zeigt seine geometrisch-abstrakte Malereien und Möbel.

    Foto: Andreas Denk

Der Raumbildner

Nikolaus Bienefeld in der Bonner Gesellschaft für Kunst und Gestaltung

Text: Winterhager, Uta, Bonn

Eine schmale, gerade Treppe führt direkt hinter der Eingangstür in den großen Ausstellungsraum der Bonner Gesellschaft für Kunst und Gestaltung (gkg). Grau ist der Boden, weiß geputzt sind die Wände. Zwei Fenster, eine Wandscheibe, eine Lichtdecke. Ein guter Ausstellungsraum, wie viele. Und dennoch war Nikolaus Bienefeld unzufrieden. Er wollte mehr, doch das musste er selbst erst schaffen. „Eine Herausforderung“, sagt er bei einem Treffen in der Rauminstallation, die den Titel „Raum, Farbe, Bild und Möbel“ trägt – genau das, was dort zu sehen ist. Und all das kann Bienefeld, der Schreiner gelernt hatte, Kunst studierte und durch das Machen zum Architekten geworden ist. Die Einladung der gkg und ihr schwieriger einfacher Raum boten ihm nun die Möglichkeit, alle seine Fähigkeiten und Produkte zu einen. Ein Experiment auch für ihn, der sich mit allen seinen Werken, ob er nun malt oder baut, unweigerlich an der Schnittstelle von Kunst und Architektur bewegt.
Acht Tage hat er vor Ort gearbeitet, um den Raum zu überarbeiten. Der 61-jährige Künstler wirkt immer noch ein wenig erschöpft, zeigt sich aber durchaus bereit, das Wie zu erläutern. Er hat Farbe angerührt, mit Schiefermehl erzeugte er einen Ton, der dem changierenden Dunkelgrau des Linoleumbodens entspricht. Mit einem Flächenstreicher, einem gewaltigen Pinsel, der mit beiden Händen bewegt wird, trug er sie auf Teile der Wandflächen auf. Fünf oder sechs, durch ihre Transparenz ablesbare Schichten verdichten sich und laufen aus. Ihre Form ist entstanden, nicht entworfen. So fielen die zunächst sechs Stellen zu drei zusammen, schlossen an den Boden an, laufen hoch an der Decke aus. Die tiefe Fuge zwischen Wand und Fußleiste stopfte er mit Toilettenpapier aus, schloss sie in die flächige Malerei mit ein, damit an dieser Stelle kein Bruch entsteht. Wusste er, wann er fertig war? Er zögert, aber ja, er hatte doch deutlich gemerkt, wann es zu viel zu werden drohte, wollte nichts Fertiges. Und dann ist da doch plötzlich Fertiges: Diesen manipulierten Raum, der nun bewegt erscheint und in der Bewegung plötzlich Tiefe erzeugt, möblierte er mit Stühlen, Hockern und Tischchen – Möbelstücke aus Holz oder Stahl, entworfen und gebaut in allen Dekaden seines Schaffens. Sie sind sorgsam positioniert, immer in Wandnähe. Umso mehr erstaunt, wie unerwartet die Perspektiven sind, die sie den Sitzenden eröffnen. Schräg blickt man durch den Raum, sieht, wie die geometrisch-abstrakten Malereien, die großen und kleinen, monochromen oder mehrfarbigen Serien Abstand zu der Wand halten. Andreas Denk, seit 2015 Vorstandsmitglied der gkg und wie Bienefeld Professor an der TH Köln, sieht Raum sogar zwischen den Farbschichten, Mikroräume nennt er das, der Künstler selbst widerspricht ihm nicht.
Was tut man nun mit und in einem Raum, der so viel anbietet. Sitzen und Schauen ist eine Möglichkeit, besser noch ist das Laufen und Schauen. Was man von dem Besuch mitnimmt, sind sicher Gedanken über das Potential von Farbe und Farbigem, Ruhe und Besonnenheit und die Freiheit des Betrachtens. Manchmal vergisst man das, aber Nikolaus Bienefeld hat hier mit leisen Tönen ganz stark daran erinnert.

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