Bauwelt

Archiv auf Böcken

In Frankfurt am Main legt das Deutsche Architekturmuseum sein Archiv offen

Text: Mausbach, Therese, Berlin

Archiv auf Böcken

In Frankfurt am Main legt das Deutsche Architekturmuseum sein Archiv offen

Text: Mausbach, Therese, Berlin

Das Protokoll zur Gründungssitzung der Freunde des Deutschen Architekturmuseums (DAM) liest sich wie ein namhaft besetztes Kammerspiel der Postmoderne: „Herr Professor Klotz gibt eine kurze Einführung in die Situation und die Gründe für die Bildung einer Gesellschaft der Freunde des Deutschen Architekturmuseums. [...] Als Modell für die hier zu bildende führt er die Gesellschaft zur Förderung des Museums of Modern Art in New York an. Es folgt eine kurze Diskussion über die Aufgaben einer solchen Gesellschaft.“
An jenem Märzabend 1985 im frisch bezogenen DAM am Schaumainkai versammelten sich die Architekten Max Bächer, Helge Bofinger, Johannes Peter Hölzinger, Oswald Matthias Ungers, Ante Josip von Kostelac, Frei Otto und die Museumsvertretung Heinrich Klotz, Hans-Peter Schwarz, Volker Fischer mit dem Kulturdezernenten der Stadt Hillmar Hofmann. Ein Jurist und eine Protokollführerin komplettierten die glanzvolle Mannschaft, um rechtmäßig über die Zukunft der Museumssammlung zu entscheiden.
Die aktuelle Schau „Out of Storage – Die Erwerbungen der Freunde des DAM im Fokus“ zeigt nicht allein die Originalunterlagen zur Gründung seines kanonischen Kennerkreises, sie legt nach 40 Jahren Sammlungsarbeit ihre gesamte Ernte offen. Zum Schutze der 130 Archivalien sind die aussichtsreichen Fenster im vierten Obergeschoss abgedunkelt. Auch hier können viele Namen bestaunt werden, darunter Bruce Goff, Hans Poelzig, Hans Scharoun, Margarete Schütte-Lihotzky. Die auf blankem Weiß an der Wand oder auf aufgebockten Tischplatten nüchtern präsentierten Stücke laden zu anekdotischen Geschichten ein, die einen Erzähler brauchen. Denn die Bandbreite an Entwürfen, Modellen und Fotografien sind laut des langen Titels zwar Erwerbungen, aber doch viel mehr. Es sind auch aufmerksame Rettungen wie beim Mies-Schüler Conrad Roland (Bauwelt 23.2020). Durch die Erfindung von Seilnetzen für Spielplätze hatte sich Roland auf Hawaii niederlassen können. Seine spindeldürren Modelle und visionären Zeichnungen lagerten Jahrzehnte in Kisten, die das DAM aufspürte und nach Frankfurt holte.
Während noch zur goldenen Anfangszeit der Freundeskreis die Fühler nach den USA ausstreckte, so blickt heute das DAM unverblümt auf das, was jetzt ist. Videointerviews mit zehn Architekturarchiven aus der ganzen Welt lassen erkennen, dass das Hong Konger M+ und das Korean Museum of Urbanism and Architecture radikaler und digitaler sammeln als andernorts. Die Videos sind auch auf Youtube, die echten Werke nur vor Ort.

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