Architekt einer sozialen Moderne

Die Berliner Akademie der Künste präsentiert das Lebenswerk von Otto Bartning, das weit mehr umfasst als Stern-, Stahl- und Notkirchen

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin

    Da trafen sie sich: Otto Bartning diskutiert die Richtung des Berliner Neuaufbaus mit anderen Mitwirkenden der Interbau
    Foto: Marie Agnes Gräfin zu Dohna

    Da trafen sie sich: Otto Bartning diskutiert die Richtung des Berliner Neuaufbaus mit anderen Mitwirkenden der Interbau

    Foto: Marie Agnes Gräfin zu Dohna

Architekt einer sozialen Moderne

Die Berliner Akademie der Künste präsentiert das Lebenswerk von Otto Bartning, das weit mehr umfasst als Stern-, Stahl- und Notkirchen

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin

60 Jahre ist es jetzt her, dass im Berliner Hansaviertel die „Interbau“ eröffnete, jene architektonisch-urbanistische Dauerausstellung im Maßstab 1:1, die bis heute Zeugnis ablegt von den damals herrschenden Vorstellungen der „Stadt von morgen“. Wenn nun genau dort, und zwar in Düttmanns 1960 erbauter Akademie der Künste am Hanseatenweg, am Abend des 30. März die große Retrospektive zum Schaffen Otto Bartnings (1883–1959) eröffnet, wird eine nicht geringe Zahl der Besucher über die nahegelegene Bartningallee zur Vernissage gelangt sein.
Die im Zuge der Bauausstellung neu trassierte Straße, mit der die eins-tige, in gerader Linie geführte Brückenallee in Richtung Hansaplatz umgebogen wurde, trägt nicht ohne Grund den Namen des Architekten – auch wenn dieser gar nicht mit der Planung eines Gebäudes der Interbau beauftragt war. Warum die Widmung trotzdem angemessen ist: Auf Bartning geht die grundsätzliche Gliederung des neu aufgebauten Hansaviertels zurück, auch wenn sich der Lageplan im Zuge der Realisierung noch änderte. Heute ist diese Urheberschaft nur noch wenig präsent, aber das ist nicht der einzige, ein wenig im Dunkel liegende Part dieses Architektenlebens, der im Rahmen dieser Ausstellung thematisiert wird.
Möglich wurde diese neue Ausleuchtung durch die grundlegende Auswertung seines an der TU Darmstadt aufbewahrten Nachlasses durch Sandra Wagner-Conzelmann – und erst die Freigabe des Materials durch die Universität ermöglicht nun seine umfangreiche Präsentation in Form von Zeichnungen, Modellen, Fotografien, Briefen und Buchmanuskripten, was seine vielschichtige Tätigkeit als Entwerfer, Lehrer, Preisrichter, Berater und Schriftsteller deutlich werden lässt. Von Berlin wandert die Schau in Bartnings Geburtsstadt Karlsruhe und nach Darmstadt, wo er die letzten Lebensjahre verbrachte.

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