Abschied und Neuanfang

„Werkstück“ war das Thema der vorerst letzten Dortmunder Architekturtage, die im neu eröffneten Baukunstarchiv NRW stattfanden.

Text: Rumpf, Peter, Berlin

Christoph Mäckler trägt dieses Modell besonders gern und besitzt es mehrfach.
Foto: Christoph Mäckler Architekten

Christoph Mäckler trägt dieses Modell besonders gern und besitzt es mehrfach.

Foto: Christoph Mäckler Architekten


Abschied und Neuanfang

„Werkstück“ war das Thema der vorerst letzten Dortmunder Architekturtage, die im neu eröffneten Baukunstarchiv NRW stattfanden.

Text: Rumpf, Peter, Berlin

Diese Erfahrung kennt jeder: Neues Schuhwerk drückt. Eingelaufenes hingegen sitzt bequem, vorausgesetzt es ist aus hochwertigem Leder, perfekt genäht, klassisch geschnitten und regelmäßig gepflegt. So wie solide Architektur. Für Christoph Mäckler gleicht Bauwerk dem Schuhwerk. Bei den diesjährigen Architekturtagen zum Thema „Werkstück“ beendete er, gerade als Professor an der Dortmunder Uni ausgeschieden, die Rednerliste mit jenem Schuhvergleich – und damit seine 2005 wieder aufgenommene Veranstaltungsreihe. Er fasste noch einmal seine zutiefst überzeugte und überzeugende Lehre von einer im besten Sinne gediegenen Architektur zusammen – und verabschiedete sich damit als Leiter dieses höchst anregenden Diskussions­forums.
Mäckler hat das Format von Josef Paul Kleihues übernommen, der es 1975 als Fakultätsgründer in Dortmund ins Leben gerufen hatte. Nicht nur die Rückbesinnung auf eine in der Tradition entwickelte Architektur, eine im Lehrstuhl vertretene gemeinsame Grundhaltung und die Einladung an namhafte internationale Kollegen
zu seinen jährlichen „Dortmunder Architekturtagen“ waren damals wie heute ohne Beispiel in der Universitätslandschaft. Auch die überregionale Strahlkraft ist bei allen, die dieses Experiment von Anfang an verfolgten, in bleibender und prägender Erinnerung. Immer andere Themen im Fokus, hießen die Veranstaltungen zum Beispiel Achse und Symmetrie, Das Prinzip Reihung in der Architektur, Wohnen im Revier, Museumsbauten oder Wohnen in der Innenstadt. Teilnehmer waren natürlich die Studenten, aber von Anfang an auch interessierte Architekten und Stadtplaner.
Als Christoph Mäckler Anfang der 2000er diese erfolgreiche Reihe auf explizierten Wunsch von Josef Paul Kleihues’ wiederbelebte, folgte er der „Vorlage“, indem auch er jedes Jahr ein Thema vorgab, das unmittelbar Teil der städtischen Architektur abbildet: Das Ensemble, Das Straßenfenster, Das Dach, der Eingang, Das Sockelgeschoss – bis eben in diesem Jahr Das Werkstück.
Kleihues begann seine Dortmunder Architekturtage im Museum am Ostwall. Dort endeten sie nun auch. Aus dem ehemaligen Königlich-Preußischen Oberbergamt von 1875 ist heute ein Baukunstarchiv (Bauwelt 24.2018) geworden. 1910 war das historistische Gebäude in den Besitz der Stadt gelangt und zum Kunst- und Gewerbemuseum mutiert. Im Krieg glimpflich davongekommen, wovon heute noch die originale Glasdecke über den zentralen Innenhof zeugt, verlor es vor einigen Jahren seine Funktion als Kunstmuseum, das nun im Dortmunder „U“ beheimatet ist. Die Stadt war entschlossen, zugunsten eines kommerziellen Käufers das Haus abzureißen. Die Architekturtage waren bereits heimatlos geworden und wichen in die Zeche Zollern und in die (eiskalte) Stadtkirche St.-Petri aus. Dank des hartnäckigen wie geschickten Einsatzes von Mitveranstalter Wolfgang Sonne, auch von der TU Dortmund, gelang es, die Stadt von ihrem schändlichen Vorhaben abzubringen und das Gebäude in das Baukunstarchiv NRW zu verwandeln. Die ersten Nachlässe sind bereits eingezogen: von Joseph Paul Kleihues und Harald Deilmann – und irgendwann werden auch die Nachlässe von Christoph Mäckler folgen.
BDA-Präsident Heiner Fawick eröffnete den Reigen, indem er an die Anfänge in Dortmund erinnerte. Vittorio Magnago Lampugnani brachte als Werkstück seine Bebauung für Novatis in Basel mit, genauer: den Campus und seine materielle Oberfläche. Rob Krier zeigte sich – auch – als Bildhauer und verlangte das gleich für alle Architekten in der Ausbildung. Arno Lederer plädierte für Entschleunigung, im Stadtverkehr wie vor allem in der Planung. Und Fritz Neumeyer drehte und wendete den Begriff Werkstück in alle Richtungen, bis hin zum Stückwerk. Allen Referenten konnte man dem Wehmut über das (vielleicht auch nur vorläufige?) Ende dieses mit Fantasie und Engagement betriebenen jährlichen Zusammenkommens heraushören.
Fakten
Architekten Mäckler, Christoph, Frankfurt am Main
aus Bauwelt 25.2018
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