„Nach außen leuchtet der Solitär“

Bauhaus-Museum und-Bauhaus Archiv

Text: Weckherlin, Gernot, Berlin

Simulation: Architekten

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„Nach außen leuchtet der Solitär“

Bauhaus-Museum und-Bauhaus Archiv

Text: Weckherlin, Gernot, Berlin

Ein Zwischenstandsbericht über die geplanten Erweiterungsbauten für das Bauhaus-Museum in Weimar und das Bauhaus-Archiv in Berlin zeigt: Es geht voran, wird dadurch aber nicht einfacher.
In fünf Jahren wird das Bauhaus hundert Jahre alt, ein Ereignis von „nationaler und weltweiter Strahlkraft“ (Koalitionsvertrag 2013, Seite 92). Dass dabei jene Archive und Museen, die dieses Ereignis durch ihre wissenschaftliche Archiv- und Sammlungsarbeit überhaupt erst möglich machen, schon seit Jahrzehnten über Raumnot und haarsträubende konservatorische Bedingungen klagen, war zwar in der Kulturpolitik bekannt. Gleichwohl wurden diese Arbeits-, Forschungs- und Ausstellungsbedingungen jahrelang sowohl am Gründungsort des Bauhauses in Weimar als auch im Berliner Bauhaus-Archiv stillschweigend als Normalzustand in Kauf genommen. Nun aber scheint sich das Blatt zu wenden. In allen drei deutschen Städten, in denen das historische Bauhaus einst Station gemacht hatte, stehen ambitionierte Planungen an, die durch die aktuellen Finanzierungszusagen der Großen Koalition für einen angemessenen baulichen Rahmen zum Jubiläum sorgen sollen.
Platz drei in Weimar
Bisher zeigt sich allerdings, dass die Vorarbeiten unterschiedlich weit gediehen sind. Am konkretesten sind sie derzeit in Weimar. Die dort ansässige Klassik Stiftung hatte bereits im Jahr 2011 einen Wettbewerb für den Neubau ausgelobt, für den nicht weniger als 536 Bewerbungen eintrafen (Bauwelt 14.2012). Dem vorausgegangen war eine kontroverse und langwierige Standortsuche, und in der ersten Stufe des Wettbewerbsverfahrens ließ sich auch kein klarer Favorit finden. Nach der Überarbeitungsphase wurde der zunächst drittplatzierte Beitrag von Heike Hanada und Benedict Tonon zur Realisierung bestimmt. Der ausgewählte und nach wie vor umstrittene Standort in der Nachbarschaft zu der kleinteiligen Altstadt, der Weimarhalle, dem Weimarhallenpark und im Schatten des monumentalen NS-Gauforums ist mittlerweile planungsrechtlich gesichert.
Die Arbeiten an der erforderlichen Straßenverlegung sollen noch in diesem Jahr beginnen und damit dem Ziel einer besseren Verbindung von Park, Gauforum, Museum und Weimarhalle näherkommen. Das Ergebnis der Entwurfsüberarbeitung zeigt heute einen kompakten, blockhaften Solitärbau mit optimiertem Raumprogramm, der mit einer vorgelagerten Fassadenschicht aus horizontalen, satinierten und hinterleuchteten Glasstreifen gleichzeitig unscharf und doppeldeutig wirken will. Prosaischer formuliert – der geplante Bau ist und bleibt im Grunde ein Kompromiss aus anspruchsvollen städtebaulichen Planungszielen und den Forderungen der finanzierenden Klassik Stiftung Weimar nach einem, wie es ihr Präsident Hellmut Seemann formulierte, „günstig strukturierten“ Entwurf. Das Ziel, das städtebauliche Problem Gauforum letztlich in Gänze durch eine kluge Ergänzung zu „lösen“, blieb bislang ein Versuch der Auflösung von unvereinbaren, noch heute sichtbaren Widersprüchen. Eine spannende Frage steht zudem im Weimarer Raum, die Frage, wie es gelingen wird, den 2008 aus einem Sonderprogramm des Bundes für die Stiftung verbindlich gesetzten Kostenrahmen von rund 22 Millionen Euro für den Neubau einzuhalten.
Eine jüngst freigegebene Internetseite der Weimarer Stadtverwaltung und der Stiftung zum Museumsprojekt vermeldete dazu lapidar, dass dies Aufgabe eines „zeitgemäßen, professionellen Projektmanagements“ sei. Die Kosten für die Freimachung des Baufelds – eine nach NS-Planungen aufgeschüttete Talsenke – wurden bereits im städtischen Haushalt eingeplant. Und was wird in diesem Museum nach seiner Fertigstellung im Jahr 2018 gezeigt werden? Hellmut Seemann jedenfalls ist überzeugt davon, dass es mit der geplanten Vorstellung des Museumskonzepts Anfang 2015 gelingen wird, das Museum als Lernort für Fragen nach der Relevanz des Bauhauses heute neu zu denken und damit die Musealisierung des Phänomens Bauhaus zu vermeiden.
Später Neustart in Berlin
In Berlin hingegen, das mit dem Bauhaus-Archiv die weltweit größte Sammlung zur Bauhaus-Geschichte zu bieten hat, drängeln sich jährlich über 100.000 Besucher auf nur 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Bereits im Jahr 2005 hatte es ein Wettbewerbsverfahren gegeben, das heute als historisches Dokument der Verzögerungspolitik des Berliner Senats bezeichnet werden kann (Bauwelt 1–2.2006). Angesichts der finanziell knappen Lage des Landes Berlin wurde damals der Versuch unternommen, mit einem Teilverkauf des Grundstücks (gegenüber der CDU-Zentrale gelegen) und einem PPP-Modell die Finanzierung eines Erweiterungsbaus zu ermöglichen. Glücklicherweise, muss man heute sagen, fanden sich für den wolkig gerenderten Solitärbau, ein Vorschlag des erstplatzierten Bü­ros SANAA aus Tokio, keine Investoren, die bereit waren, den Kaufpreis von 3,3 Millionen Euro aufzubringen. Es wäre die Hälfte einer schöngerechneten Baukosten-Summe für die 2000 Quadratmeter große Museumserweiterung gewesen.
Inzwischen hat das Land Berlin im Haushalt 2014/15 immerhin die Hälfte der heute veranschlagten 44 Millionen Euro Sanierungs- und Neubaukosten gesichert. Doch noch fehlt die endgültige Finanzzusage des Bundes, sie wird aber wohl nicht mehr gekippt werden, nachdem die großkoalitionäre Verhandlungsrunde der Kulturarbeitsgruppe unter Leitung von Klaus Wowereit im November 2013 im Bauhaus-Archiv tagte. Jedenfalls kann die Institution mit dem erneuten Wettbewerb für ei­nen Erweiterungsbau mit nun ca. 2300 Quadratmetern Ausstellungsfläche auf dem eigenen Grundstück beginnen. Es könnte über Jahre hinweg das einzige Kultur-Neubauvorhaben des Landes Berlin bleiben, da die Zentral- und Landesbibliothek auf dem Tempelhofer Feld nicht gebaut werden wird.

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