Bauwelt

MARTa


37.000 m3 Raum wurden unweit des Herforder Bahnhofs nach Gehrys Entwurf mit seinen typischen Formen umbaut. MARTa (steht für: Möbel, Art, Ambiente) will als „Museum“, „Zentrum“ und „Forum“ die verschiedenen künstlerischen Disziplinen „in einen die Sparten aufhebenden Dialog bringen“.


Text: Kuhlmann, Elmar, Minden


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    Klemens Ortmeyer, Braunschweig

    Klemens Ortmeyer, Braunschweig

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„Es geht hier nicht um eine Turnhalle, sondern um einen außergewöhnlichen Gehry-Bau, einen Bau für die Zukunft.“ Mit diesem Satz hinterließ der kaufmännische Direktor des „Kompetenzzentrums“ MARTa Ende vergangenen Jahres eine verblüffte Öffentlichkeit. War das ein ernst gemeinter Erklärungsversuch für die neuerlich um fast vier Millionen Euro gestiegenen Herstellungskosten des ostwestfälischen Kulturbaus oder für die wegen „unvorhergesehener baulicher Komplikationen“ halbjährige Verzögerung der Fertigstellung des Herforder Vorzeigeobjekts, das nun Anfang Mai schließlich eröffnet wurde? Beschämend für den Berufsstand, Gift für alle Debatten um Qualität von Architektur: Wieder einmal wird ein bedeutendes öffentliches Bauwerk in einem Atemzug mit überdehnten Bauzeiten und verdoppelten Baukosten genannt.
Frank Gehry als Entwurfsarchitekt des MARTa Herford betreffen diese Vorwürfe kaum: „Ich plane nie“, scherzte er im Rahmen einer jüngst improvisierten Diskussionsrunde vor Ort. Dort in Ostwestfalen weiß man nach einigen bereits realisierten Bauten des Kaliforniers, wie ernst man dessen Späße zu nehmen hat. Nicht minder bekannt ist die Meta-Perspektive des künstlerischen Direktors Jan Hoet. Der möchte Herford zu nichts Geringerem als zu „der größten kleinen (Kultur-)Stadt“ machen. Seine Vermutung, dass es für MARTa angesichts mangelnder Depotflächen für Sammlungen und Neueinkäufe allein „bei diesem Bau nicht bleiben“ könne, ist da folgerichtig. Das Konzept des Hauses schien überschaubar (Heft 30/03). Die drei Schwerpunkte „Museum – Zentrum – Forum“ für den Dialog zwischen Kunst und Design, Kultur und Gewerbe ließen jedenfalls keine besonderen Realisierungsschwierigkeiten erahnen, beteiligte sich neben Land, Kreis und Stadt doch auch die heimische Möbelindustrie beim Aufbau des MARTa am ehemaligen Industriestandort Herfords. Und die Architektur mit den Gehry-typisch verwundenen und gekrümmten Kubaturschachtelungen erscheint zwar wegen ihrer öffnungslosen Mauerziegelschalen unter wellenförmigen Edelstahlabdeckungen aufwendig, doch keinesfalls unkalkulierbar. Das Rückgrat der Anlage bildet ein schlichter Bestandsbau auf rechtwinkligem Grundriss, der als industriegeschichtlich ortsprägend in die Konzeption zu integrieren war und offensichtlich beruhigend auf den Entwurf des Ensembles einwirkte.
Haben am Ende die MARTa-Initiatoren aus Politik und Wirtschaft die tatsächlichen Aufwendungen frühzeitig gekannt, gar der „guten Sache“ wegen beschlossen, die Fakten in verträglichen Häppchen und peu à peu zu servieren? Wäre das Projekt, falls man die wahren Kosten offen gelegt hätte, gescheitert? Von einer durch derlei „Projektabenteuer“ gebeutelten Öffentlichkeit wird eine inhaltliche Auseinandersetzung mit Architektur und Baukultur auch künftig kaum zu erwarten sein. Im Gegenteil: Pünktlich zum Eröffnungstag kursierte in Herford ein absurder Demonstrationsaufruf: „Gegen MARTa, Hartz & Clement.“



Fakten
Architekten Gehry, Frank, Santa Monica
Adresse Goebenstraße 2–10, 32052 Herford


aus Bauwelt 22.2005

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