Auf der richtigen Welle
Die Retrospektive im Marta Herford blickt in „Mindset Los Angeles – Frank Gehry und die Cool School“ blickt auf das frühe Umfeld des späteren Weltstars.
Text: Frank F. Drewes
Auf der richtigen Welle
Die Retrospektive im Marta Herford blickt in „Mindset Los Angeles – Frank Gehry und die Cool School“ blickt auf das frühe Umfeld des späteren Weltstars.
Text: Frank F. Drewes
Ein erstes Treffen und Gespräch mit Frank Gehry ergab sich 1989 während eines Auslandssemesters in Kalifornien zufällig in einem Fast Food Restaurant in Los Angeles, wo sich der frischgebackene Pritzkerpreisträger und seine Söhne Alejandro und Samuel am Nachbartisch mit Burgern stärkten. Die Gehry Residence (1978) in Santa Monica war Pflichtprogramm für alle Studierenden und einer der Gründe, die postmoderne Dunstglocke der deutschen Architekturfakultäten für ein Auslandssemester mit California Crazy zu tauschen. In dem Jahr hatte Gehry gerade die Hürde vom Local Hero zum Weltstar genommen und mit dem Vitra Design Museum in Weil am Rhein sein erstes internationales Projekt in Europa vollendet. Ein zweites und letztes Treffen war geplant und fand genau 30 Jahre später in Berlin statt, wo der gereifte Weltstar der Architektur seinen 90. Geburtstag mit einem Konzert im von ihm geplanten Pierre Boulez Saal beging. Dort wurde der wohl bekannteste Architekt der Welt, gekürt mit allen Preisen und einem Gastauftritt bei den Simpsons, von Ai Weiwei an der Tür begrüßt, was seine innige Verbindung zur Kunstwelt perfekt symbolisierte.
Die erste posthume Ausstellung über Frank Gehry findet nun passenderweise in einem Gehry Bau statt, dem Marta in Herford, das sein Logo zum zehnjährigen Bestehen 2015 von MARTa in Marta geändert hat. Die drei Bereiche Möbel (M), Kunst (ART) und Ambiente / Architektur (a) werden mit Mindset Los Angeles vollumfänglich bedient. Die Ausstellung fokussiert sich auf Gehrys enge Verbindung zur Kunstszene und speziell der kalifornischen Avantgarde der 50er und 60er Jahre, die als Cool School mit Künstlern wie Ed Ruscha, Edward Kienholz oder Larry Bell weltweites Aufsehen erregte. Der experimentelle Einsatz von Materialien und der Bruch mit konventionellen Konstruktionen und Mustern war die Schnittstelle zwischen Architektur und Kunst und keiner hat sie auf breiter Front radikaler umgesetzt als der Kanadier Frank O. Gehry, der 1929 in Toronto als Frank Owen Goldberg geboren wurde. Zeitlebens blieb ihm der architektonische Mainstream fremd, was ihn zum geistigen Bruder des zweiten bekanntesten amerikanischen Architekten macht – Frank Lloyd Wright. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie beide ihr wohl wichtigstes Gebäude für die Guggenheim Collection entworfen haben.
Neben rund 150 Kunstwerken der amerikanischen Nachkriegsavantgarde aus L.A., aber auch darüber hinaus bis zur East Coast, zeigt das Marta eine Vielzahl von frühen Skizzen Frank Gehrys, sowie sieben Projekte anhand von Modellen und Fotos, die aus dem Fundus von Gehry Partners und dem Getty Research Institute stammen, an das Gehry sein Archiv noch zu Lebzeiten übertragen hat. Die Ausstellungsarchitektur von Benjamin Koziol (Künstlerische Leitung von Direktorin Kathleen Rahn und Kuratorin Ann Kristin Kreisel) huldigt dem rechten Winkel und arbeitet mit Präsentationswänden aus teilverkleideter Holzständerbauweise, wie sie beide für den frühen Frank Gehry und seine südkalifornischen Projekte typisch waren. Ein Frühwerk Gehrys, das Danziger Studio and Residence (1965) ist eine minimalistische Komposition von Kuben und Rechten Winkeln, noch meilenweit von den dekonstruktivistischen Collagen der 80er Jahre entfernt. Gleichwohl sah sich Gehry selbst nie als Dekonstruktivisten, denn das war ein Siegel, das ihm Philip Johnson mit seiner Ausstellung Deconstructivist Architecture 1989 im MoMA aufgedrückt hat. Gemini G.E.L. in West Hollywood und seine eigene Santa Monica Residence sind radikale Um- und Anbauten, die sich nicht mehr vom Rechten Winkel leiten lassen, aber noch weit von seinen späteren, komplett entfesselten Free Form Projekten (Experience Music Project in Seattle, Guggenheim Bilbao, Walt Disney Concert Hall in L.A.) entfernt sind.
In Deutschland ist Gehry für seine Um- und Anbauten (Marta, DZ-Bank und Pierre Boulez Saal in Berlin) so bekannt wie für seine skulpturalen Großprojekte (Vitra Design Museum in Weil am Rhein, Gehry (ÜSTRA) Tower in Hannover und der Neue Zollhof im MedienHafen Düsseldorf). Das Marta präsentiert neben den frühen Architekturen auch seine Easy Edges Möbelserie, die aus Wellpappe besteht und noch heute produziert wird. Mindset Los Angeles – Frank Gehry und die Cool School zeigt eine regionale Strömung, die weltweites Aufsehen erregte und sowohl in Produktion als auch im Marketing noch gänzlich mit analogen Mitteln arbeiten musste, was sicherlich einer der Gründe für die authentische Ausstrahlung ist.
Mindset Los Angeles. Frank Gehry und die Cool School
Marta Herford
Goebenstraße 2-10
32052 Herford
Bis 10. Januar 2027
Marta Herford
Goebenstraße 2-10
32052 Herford
Bis 10. Januar 2027






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