120 Kleinplastiken

Die Valentiny Foundation im luxemburgischen Remerschen zeigt Skulpturen von Rob Krier und Tapisserien seiner Ehefrau Roswitha Grützke.

Text: Völker, Hannah, Berlin

    Die Skulpturen von Rob Krier sind in einem Regal mitten im Raum untergebracht. Ergänzt werden sie nicht nur durch die gewebten Bilder von Roswitha Grützke, sondern auch von den ab­strakten, in rot gehaltenen Architekturmodellen von François Valentiny.
    Foto: Charel Hermes, Valentiny Foundation

    Die Skulpturen von Rob Krier sind in einem Regal mitten im Raum untergebracht. Ergänzt werden sie nicht nur durch die gewebten Bilder von Roswitha Grützke, sondern auch von den ab­strakten, in rot gehaltenen Architekturmodellen von François Valentiny.

    Foto: Charel Hermes, Valentiny Foundation

    In einem weiteren Aus­stellungsraum hängen die Tapisserien von Roswitha Grützke, die zum Teil Bau­skulpturen von Rob Krier zeigen.
    Foto: Charel Hermes, Valentiny Foundation

    In einem weiteren Aus­stellungsraum hängen die Tapisserien von Roswitha Grützke, die zum Teil Bau­skulpturen von Rob Krier zeigen.

    Foto: Charel Hermes, Valentiny Foundation

120 Kleinplastiken

Die Valentiny Foundation im luxemburgischen Remerschen zeigt Skulpturen von Rob Krier und Tapisserien seiner Ehefrau Roswitha Grützke.

Text: Völker, Hannah, Berlin

In einem Winzerdorf zwischen Deutschland und Frankreich am Dreiländereck gelegen, befindet sich im luxemburgischen Remerschen die 2014 errichtete Valentiny Foundation. Hier in seinem Geburtsort will der Architekt François Valentiny den Tourismus in der Region stärken und den Architekturdiskurs anregen. In der eigens gegründete Stiftung bewahrt er sein umfangreiches künstlerisches Œuvre – Skizzenbücher, Gemälde, Modelle, Plastiken und Abgüsse. Seminar- und Vortragsräume runden das Ausstellungskonzept ab.
Quasi in der Nachbarschaft, nur rund 30 Kilometer von Remerschen entfernt, wuchsen in Grevenmacher die Architekten und Stadtplaner Rob und Léon Krier auf. Trotzdem lernten sich Valentiny und Rob Krier mehr zufällig kennen, und zwar in Wien in den 1970er Jahren, als Krier zu dieser Zeit an der Technischen Hochschule lehrte und Valentiny an der Hochschule für angewandte Kunst studierte. Heute verbindet beide trotz völlig verschiedener Grundpositionen nicht nur die gemeinsame Herkunft und die langjährige Freundschaft, sondern auch das Selbstverständnis als (Bau-)Künstler.
Nur die wenigsten kennen Krier, der schon in frühester Jugend von der Bildhauerei fasziniert war, als Skulpteur. Dabei versah er viele seiner Bauwerke mit eigenem Figurenprogramm. Unter den insgesamt 120 ausgestellten Kleinplastiken in der Valentiny Foundation findet der Kenner einige dieser Bauplastiken als Vorarbeiten wieder. Zumeist monochrom aus weißem Terracotta modelliert, manche in Bronze gegossen, stilistisch zwischen klassisch-antikem Ideal und fragmentiert-abstrahierter Körperauffassung changierend, bildet der Mensch den Ausgangspunkt. Manche Körper sind dabei nach Michelangelo geformt, zeigen Menschenbilder aus der Capella Sistina, andere lassen sich mit Rodin vergleichen. Die Oberflächengestaltung variiert von fein poliert, glatt wie Marmor, bis hin zu einer groben Haptik, wie von behauenem Stein.
Dicht gestellt, wie in einem Setzkasten angeordnet, bilden Kriers Figuren das Zentrum der Ausstellung. Sie wirken wie Studien, zeigen Stimmungen, Körperhaltungen, Interaktionen, Symbiosen und Gegensätze. Vielfalt scheint das zentrale Thema zu sein. Ein Gedanke, der an Kriers Position im Städtebau der Nachkriegszeit erinnert, wo er sich für eben jene Vielfalt und eine individuelle Stadtkultur einsetzte. Ein Credo – in seinem Buch Stadtraum in Theorie und Praxis ausgeführt –, dem etwa sein städtebaulicher Plan für die südliche Friedrichstadt in Berlin zugrunde liegt. Die Blockbebauung (1977–1980), die hier noch vor der Internationalen Bauausstellung 1984 realisiert wurde, sollte mittels individualisierter Ausarbeitungen der einzelnen Gebäudeabschnitte sowie der umliegenden Plätze Orte der Identifikation schaffen. Kriers großer Torbau in der Ritterstraße, Signet des entstandenen Quartiers, wurde dabei mit einer monumentalen Bauplastik ergänzt. In der Ausstellung ist sie als kleine Bronzefigur zu sehen.
Architektur und Städtebau bleiben auch in den großformatigen, aufwendig gefertigten Tapisserien von Roswitha Grützke präsent. Motivisch rückt sie Treppen, Fenster, Türfluchten oder auch Arbeiten von Krier, ihrem Mann, in den Blickpunkt. Vier der großen Webbilder zeigen etwa die monumentalen Bauplastiken, die er für den Neubau des Obersten Gerichts in der Cité Judiciaire (2003–2008) in Luxemburg anfertigte. Seine Bauskulptur, durch Grützke ins Zweidimensionale transferiert, nimmt wiederum Bezug auf die darunter ausgestellten Architekturmodelle Valentinys, als solle damit die stets aktuelle Frage nach der Bedeutung von Kunst am Bau visualisiert werden.
Insgesamt wirft die Ausstellung mehr Fragen auf, als dass sie Antworten gibt. An die Stelle eines eindeutigen Konzepts tritt heterogene Vielschichtigkeit, die um die Schlagwortkonstella­tion Mensch – Architektur – Umwelt kreist. Passend dazu sind die Exponate der Sonderausstellung umgeben von den Werken der Dauerausstellung: Die Arbeiten von Krier und Grützke fügen sich zwischen jene von Valentiny, die wiederum mit Objekten ehemaliger Weggefährten wie etwa von Wilhelm Holzbauer, Gustav Peichl, Walter Pichler und Josef Zenzmaier ergänzt sind. So bietet sich dem Besucher ein lockeres Intermezzo zwischen Gattungen, Inhalten und Materialien, das zum Diskurs anregt.

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