Dossier

Bürogebäude in
Frankfurt am Main

Ortner & Ortner Baukunst | Berlin

Der traditionell wirkende rote Klinker der Fassade wurde in drei verschiedenen Farbnuancen und einem speziellen Pressverfahren entwickelt

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Ein monolithischer Stadtbaustein in Rot

  • Autorin: Brita Köhler
  • Fotos: Frank Peterschröder | Stefan Müller

Das Bürogebäude Starcom in Frankfurt am Main von Ortner & Ortner zeugt vom skulpturalen Ansatz der Architekten und dem sensiblen Umgang mit dem Material Klinker. Es markiert einen der ersten Bausteine im noch jungen Stadtquartier.

Die Geschichte des Architekturbüros reicht zurück bis 1970. Laurids Ortner, Manfred Ortner und Günter Zamp Kelp arbeiteten damals als Künstlergemeinschaft Haus-Rucker-Co. Seit 1987 agiert Ortner & Ortner als Architekturbüro an Standorten in Deutschland, Österreich und Russland.

Den ersten Schritt auf ein nahezu leer stehendes Areal zu setzen, ist für Architekten eine Herausforderung. Ortner & Ortner legten trotz der zunächst simplen funktionalen Anforderungen eines Bürogebäudes Wert auf ein eigenständiges, skulptural anmutendes Gebäudevolumen, das im Dialog zur Umgebung steht. Wie bei anderen Projekten, etwa der Kunst- und Veranstaltungshalle in Wien oder dem Landesarchiv Nordrhein-Westfalen in Duisburg, streben sie eine Klinkerhaut wie aus einem Guss an, die den Baukörper zu einem monolithischen Volumen werden lässt – scheinbar ohne Fugen und überstehende Kanten. Feine, reliefartige Details erzeugen ein spannendes Licht- und Schattenspiel auf der Fassade.

Im Osten der Stadt Frankfurt entwickelt sich das Schwedler- Carré auf einem ehemaligen Güterbahnhofgelände in den letzten Jahren vom industriell geprägten Viertel zu einem lebendigen Büro- und Dienstleistungsstandort. Besonders Agenturen siedeln sich hier an. Motor der neuen Stadtkultur rund um den Ostbahnhof ist auch der in unmittelbarer Nachbarschaft entstehende Neubau der Europäischen Zentralbank, dessen Doppelturm schon im Rohbau einen neuen städtebaulichen Akzent setzt. Der Lückenschluss in Richtung Bahnhofsgelände geschieht Stück für Stück, noch stehen die ersten Gebäude des Schwedler-Carrés etwas verloren auf den ehemaligen Gleisfeldern. Doch dort, wo jetzt noch Parkplätze und Brachflächen vorherrschen, wird in den kommenden Jahren Neues entstehen.

Der rote Klinker wird zum Teil bis in den Eingangsbereich des Gebäudes gezogen.

Der rote Klinker wird zum Teil bis in den Eingangsbereich des Gebäudes gezogen.

Der Masterplan für das 40.000 Quadratmeter große „Stadtwerk“-Areal, an dem vor einigen Jahren die Ortner & Ortner Baukunst, Christoph Mäckler Architekten, Landes & Partner, KSP Engel und Zimmermann sowie Allmann Sattler Wappner gemeinsam gearbeitet haben, scheiterte in seiner Weiterentwicklung zunächst an den unterschiedlichen Interessen der beiden Hauptinvestoren. Die hier bauenden Architekten sind aber zuversichtlich, dass die kommenden Bebauungsmodule weiterhin der städtebaulichen Ursprungsidee folgen werden. Ein Gefüge aus Plätzen, Gassen und Straßen soll die einzelnen Bebauungsbereiche gleichzeitig markieren und verbinden. Der Nutzungsmix aus Gewerbe-Lofts, Büroräumen und Gastronomie soll eine architektonische Einheit bilden und vielfältige Bausteine und Fassadenbilder ermöglichen.

Das Büro- und Geschäftshaus Starcom von Ortner & Ortner – benannt nach dem Hauptnutzer – fügt sich in das städtebauliche Ensemble dreier benachbarter Bürohäuser ein und bildet mit einem vorgelagerten Quartiersplatz das Zentrum. Nach außen zeigt sich das siebengeschossige Gebäudevolumen streng geometrisch und kantig. An der nördlichen Gebäudeseite erfährt es einen vertikalen, zweifach verspringenden Einschnitt der Fassade – der einzige Punkt, an dem die würfelartige Kubatur aufgebrochen wird. Hier wird der Baukörper besonders plastisch und tritt in Dialog mit seinem Nachbargebäude, das sich in U-Form öffnet und einen kleinen Hof ausbildet. Während die Fassade von Starcom im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss noch bündig mit der Straßenkante abschließt, verspringt sie jeweils im zweiten und vierten Obergeschoss nach innen. Durch den Rücksprung entstehen Terrassen, die den jeweiligen Büros zugeordnet sind. Im obersten Geschoss werden nach Südwesten und Nordosten gewandt großzügige Freibereiche geschaffen, die eine Überhöhung durch das darüber liegende Dach erhalten. Sie bilden den Abschluss im kubischen Gesamtbild und strecken das Gebäude optisch in die Höhe.

Auch im Grundriss sind die Architekten der kantigen und viereckigen Formensprache der Fassade treu geblieben.

Auch im Grundriss sind die Architekten der kantigen und viereckigen Formensprache der Fassade treu geblieben.

Die klar gerasterte Lochfassade kennzeichnet den Baukörper. An den Längsseiten gliedert sie das Gebäude vertikal in fünf Achsen, an den Stirnseiten in vier. Die Ausführung mit einem klassischen Ziegel zitiert einerseits die benachbarten Klinkergebäude des ehemaligen Industrie- und Hafenviertels. Andererseits positioniert sich der Baukörper mit dem leuchtenden Rot seines Klinkers ganz eigenständig in der Mitte des neu entstehenden Quartiers. Für die Fassade konnten in Zusammenarbeit mit dem Hersteller im DF-Format drei verschiedene, individuelle Rottöne entwickelt werden. Der Wunsch nach einem Monolith in Rot – einer aus Stein gemeißelten Skulptur – war Initial des Farbexperiments. Dass die Fugen in ebenfalls rotem Mörtel ausgeführt wurden, verstärkt die kraftvolle und warme Ausstrahlung. Die Oberfläche des rustikalen Verblenders ist rau, sie hat Struktur, die Rottöne des Klinkers changieren – ein glatter Naturstein hätte dieses Gebäude sicher zu streng erscheinen lassen. Ein schönes Detail: Die Klinkerfassade wurde im Eingangsbereich nach innen gezogen, was den Eindruck eines monolithischen Baukörpers suggeriert. Tatsächlich steckt eine Stahlbeton-Konstruktion hinter dem Verblendklinker. Die tragende Skelettkonstruktion wurde im Obergeschoss unterseitig mit Verblendfertigteilen bekleidet. Darauf wurde konventionell gemauert. Den oberen Abschluss bildet ein ebenfalls als Fertigteil ausgeführter Fries. Charakteristisches Element der Fassaden sind die reliefartig behandelten Fensterbrüstungen – die Fensterbank liegt etwas hinter der Fassadenebene, der untere Abschluss der Brüstung springt hingegen leicht hervor. Die Flächen zwischen diesen Fertigteilen wurden ebenfalls konventionell vermauert. Die Fensteröffnungen bilden sich gegenüber der Außenkante der Fassade als zurückliegende Lochfenster mit anthrazitfarbenen Rahmen ab.

Der kleine, vorgelagerte Platz gibt dem Gebäude einen repräsentativen Auftritt – sein dezent gehaltener heller Pflasterbelag unterstreicht die Strahlkraft der ziegelroten Fassade. Ursprünglich war zum Platz hin eine Ladenfläche mit großen Schaufenstern vorgesehen, jetzt ist eine weitere Agentur eingezogen und nutzt den Bereich als großzügiges, kommunikatives Entrée. An den zentralen Erschließungskern der Büroetagen docken Nebenräume und Versorgungseinheiten an. Die Grundrissstruktur ist offen gehalten und ermöglicht verschiedene Szenarien. Zu den Büros in den Obergeschossen gelangt man über den seitlichen Eingang, dessen auskragende Überdachung ebenfalls mit einer Ziegelschicht überzogen wurde. So wird jedes bauliche Element Teil des monolithischen Gesamtvolumens.

Die Materialwahl war neben der Absicht, sich von der vorhanden Nachbarbebauung abzusetzen, geprägt durch den Wunsch, einen roten Monotlithen auszuformulieren. Der zuletzt entstandene Baustein wiederrum spricht eine ähnliche Sprache wie der Ortner-Bau und mischt Putzflächen mit einem dunklen Klinker. Wie wird sich das Spiel mit der Materialität im wachsenden Viertel weiterentwickeln?

Der rote Klinkerbau sticht aus seiner Umgebung als Zentrum des Quartierplatzes hervor.

Der rote Klinkerbau sticht aus seiner Umgebung als Zentrum des Quartierplatzes hervor.

Projektdaten Bürogebäude Starcom

Ort:Frankfurt am Main
Bauherr: Schwedler-Carré GmbH & Co. KG
Architekt: Ortner & Ortner Baukunst
Grundfläche: 725 m²
Büro: 4.000 m²
Gastro/Gewerbe: 650 m²
Anzahl Geschosse: 7
Bauzeit: 2009 – 2010
Jahresprimärenergiebedarf: Qp 234,97 kWh/m²a
Baukosten: € 6,0 Mio.

Röben Handstrich-Verblender

Basis::Rotbrennender Lauenburger Ton.
Brennführung: Hellrot-bunt (1.085 °C), rotblau-bunt (1.095 °C), und kohle-rot (1.110 °C).
Oberfläche: Spezielles Nass-Pressverfahren durch stumpfkantige Stahlrahmen ergeben eine besonders detailreiche, rauhe Struktur.
Resultat:Eindrucksvolles, fein nuanciertes Wechselspiel der Rottöne.

Architekten

Ortner & Ortner Baukunst | Berlin
www.ortner.at

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