Die Stadt baut, was sie ausgräbt
Im Gespräch: Micha Kretschmann, Earthbound
Text: Elina Kimbar
Die Stadt baut, was sie ausgräbt
Im Gespräch: Micha Kretschmann, Earthbound
Text: Elina Kimbar
Earthbound erstellt mit Aushub der Region Berlin-Brandenburg tragende, ungebrannte Lehmsteine und bringt so das Material wieder auf die Baustelle, statt es zu entsorgen. Wie entstand die Idee, nach dem Architekturstudium in die Baustoffproduktion zu gehen?
Die Bauwende beginnt beim Material. Christian Gäth und ich beschäftigten uns schon im Studium und später bei Bauhaus Erde mit Lehmbaustoffen. Wir haben gemerkt, dass das Thema Aushub als Ausgangsmaterial für Lehmbau in Deutschland und insbesondere in der Region Berlin-Brandenburg noch kaum bearbeitet wird. Um Lehm aus der Nische zu bringen, ist es jedoch essenziell, eine skalierbare, nachhaltige Ressourcenstrategie zu fahren. Einen Abfall als Rohstoff zu begreifen ist ein optimaler Startpunkt dafür. Nach einer Weile des Forschens hat es uns in die Praxis getrieben. Zusammen mit David Janotta, unserem Co-Gründer, sehen wir aushubbasierte Lehmbaustoffe als ein wirkungsvolles Medium, um an der Transfomation der Bauwelt mitzuwirken.
Im Mai haben Sie Ihre Produktionsstätte eröffnet. Was geschieht dort mit dem Aushub?
Zunächst wird der Boden ausgebreitet und luftgetrocknet. Danach wird er in unserer Mühle auf eine geeignete Korngrößenverteilung gebracht. Anschließend wird dem Boden im Mischer etwas Wasser hinzufügt, um die Tonminerale – das Bindemittel im Lehm – zu aktivieren. Dann ruht der Boden etwa einen Tag, bevor wir ihn in einer Formpresse mit etwa zehn Tonnen Druck zu Lehmsteinen verpressen. Die Steine brauchen ungefähr vier Wochen zum vollständigen Trocknen an der Luft. Keine hydraulischen Bindemittel, kein Brennen, keine Zusatzstoffe.
Aushub ist nicht gleich Aushub. Wie wird aus Böden mit verschiedenen Eigenschaften ein verlässlicher Baustoff?
Wir verwenden lehmigen Aushub mit einem Tonanteil zwischen 10 und 20 Prozent. Jeder Boden ist anders und unser Prozess ist auf diese Unterschiede abgestimmt. Über variables Bodenbrechen, das Einstellen eines optimierten Wassergehalts und einen angepassten Pressdruck erreichen wir eine gleichbleibende Produktqualität. Dabei ist es wichtig, dass die Böden nicht kontaminiert sind. Das ermitteln wir auf Grundlage von Bodengutachten. Zusätzlich überprüfen wir das jedoch erneut durch regelmäßige Stichproben.
Inwieweit lässt sich das Verfahren skalieren?
Die Rahmenbedingungen sind ideal: Unser Baustoff verbraucht 95 Prozent weniger Energie als konventionelle Baustoffe wie Ziegel oder Kalksandstein und ist zu hundert Prozent rezyklierbar. Als Ausgangsmaterial dient Aushub, sodass keine Materialkosten anfallen. Technisch ist unsere Herausforderung jetzt, in größere Produktionsvolumen zu kommen. Dann können wir auch beim Preis dahin kommen, wofür diese Rahmenbedingungen eigentlich gemacht sind. Denn der Baustoff soll unbedingt bezahlbar sein: Unter einem Euro für einen 2DF-Stein ist bereits in Reichweite. Dafür müssen wir unseren Produktionsaufbau weiter verbessern, damit wir dieses Ziel vielleicht schon nächstes Jahr erreichen.
Lehm ist wasserempfindlicher als gebranntes oder hydraulisch gebundenes Material. Was bedeutet der neue Stein für die Praxis?
Ein konstruktiver Feuchteschutz ist essenziell. Auch während der Bauphase muss der Schutz gewährleistet sein. Durch die Normierung der Steine sind die grundsätzlichen Arbeitsschritte beim Mauern vergleichbar, aber ein gewisser Schulungsbedarf besteht. Wir haben erste Workshops angeboten, in denen erfahrene Maurerinnen und Maurer ihr Wissen weitergaben.
Welche Projekte sind für Sie derzeit besonders interessant?
Wir suchen vor allem zeitnah realisierbare Projekte. Es müssen keine großen Bauvorhaben sein. Interessant sind auch kleinere Anwendungen wie eine Kita oder der Umbau eines Co-Working-Spaces. Ziel ist es, den Baustoff in unterschiedlichen Typologien zu zeigen und das Bauen mit Lehmsteinen vertrauter zu machen.
Die Bauwende beginnt beim Material. Christian Gäth und ich beschäftigten uns schon im Studium und später bei Bauhaus Erde mit Lehmbaustoffen. Wir haben gemerkt, dass das Thema Aushub als Ausgangsmaterial für Lehmbau in Deutschland und insbesondere in der Region Berlin-Brandenburg noch kaum bearbeitet wird. Um Lehm aus der Nische zu bringen, ist es jedoch essenziell, eine skalierbare, nachhaltige Ressourcenstrategie zu fahren. Einen Abfall als Rohstoff zu begreifen ist ein optimaler Startpunkt dafür. Nach einer Weile des Forschens hat es uns in die Praxis getrieben. Zusammen mit David Janotta, unserem Co-Gründer, sehen wir aushubbasierte Lehmbaustoffe als ein wirkungsvolles Medium, um an der Transfomation der Bauwelt mitzuwirken.
Im Mai haben Sie Ihre Produktionsstätte eröffnet. Was geschieht dort mit dem Aushub?
Zunächst wird der Boden ausgebreitet und luftgetrocknet. Danach wird er in unserer Mühle auf eine geeignete Korngrößenverteilung gebracht. Anschließend wird dem Boden im Mischer etwas Wasser hinzufügt, um die Tonminerale – das Bindemittel im Lehm – zu aktivieren. Dann ruht der Boden etwa einen Tag, bevor wir ihn in einer Formpresse mit etwa zehn Tonnen Druck zu Lehmsteinen verpressen. Die Steine brauchen ungefähr vier Wochen zum vollständigen Trocknen an der Luft. Keine hydraulischen Bindemittel, kein Brennen, keine Zusatzstoffe.
Aushub ist nicht gleich Aushub. Wie wird aus Böden mit verschiedenen Eigenschaften ein verlässlicher Baustoff?
Wir verwenden lehmigen Aushub mit einem Tonanteil zwischen 10 und 20 Prozent. Jeder Boden ist anders und unser Prozess ist auf diese Unterschiede abgestimmt. Über variables Bodenbrechen, das Einstellen eines optimierten Wassergehalts und einen angepassten Pressdruck erreichen wir eine gleichbleibende Produktqualität. Dabei ist es wichtig, dass die Böden nicht kontaminiert sind. Das ermitteln wir auf Grundlage von Bodengutachten. Zusätzlich überprüfen wir das jedoch erneut durch regelmäßige Stichproben.
Inwieweit lässt sich das Verfahren skalieren?
Die Rahmenbedingungen sind ideal: Unser Baustoff verbraucht 95 Prozent weniger Energie als konventionelle Baustoffe wie Ziegel oder Kalksandstein und ist zu hundert Prozent rezyklierbar. Als Ausgangsmaterial dient Aushub, sodass keine Materialkosten anfallen. Technisch ist unsere Herausforderung jetzt, in größere Produktionsvolumen zu kommen. Dann können wir auch beim Preis dahin kommen, wofür diese Rahmenbedingungen eigentlich gemacht sind. Denn der Baustoff soll unbedingt bezahlbar sein: Unter einem Euro für einen 2DF-Stein ist bereits in Reichweite. Dafür müssen wir unseren Produktionsaufbau weiter verbessern, damit wir dieses Ziel vielleicht schon nächstes Jahr erreichen.
Lehm ist wasserempfindlicher als gebranntes oder hydraulisch gebundenes Material. Was bedeutet der neue Stein für die Praxis?
Ein konstruktiver Feuchteschutz ist essenziell. Auch während der Bauphase muss der Schutz gewährleistet sein. Durch die Normierung der Steine sind die grundsätzlichen Arbeitsschritte beim Mauern vergleichbar, aber ein gewisser Schulungsbedarf besteht. Wir haben erste Workshops angeboten, in denen erfahrene Maurerinnen und Maurer ihr Wissen weitergaben.
Welche Projekte sind für Sie derzeit besonders interessant?
Wir suchen vor allem zeitnah realisierbare Projekte. Es müssen keine großen Bauvorhaben sein. Interessant sind auch kleinere Anwendungen wie eine Kita oder der Umbau eines Co-Working-Spaces. Ziel ist es, den Baustoff in unterschiedlichen Typologien zu zeigen und das Bauen mit Lehmsteinen vertrauter zu machen.






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