Le Corbusier
Architekt, Künstler, Visionär
Text: Hotze, Benedikt, Berlin
Le Corbusier
Architekt, Künstler, Visionär
Text: Hotze, Benedikt, Berlin
1976 erschien ein schmales, faktenpralles Büchlein: Der Kunsthistoriker Norbert Huse hatte eine der ersten Monographien über Le Corbusier überhaupt vorgelegt. Fünfzig Jahre später veröffentlicht Winfried Nerdinger nun ein ähnliches Bändchen: noch weniger Text, noch weniger Seiten, noch weniger Bilder als bei Huse (den Nerdinger im Literaturverzeichnis nicht nennt).
Angesichts eines inzwischen überbordenden Bücherschranks zu Le Corbusier ist es ein interessantes Unterfangen, den „Architekten des Jahrhunderts“ (Nerdinger) auf 128 Taschenbuchseiten vorzustellen. Zwei Kriterien müssen angelegt werden: Gelingt es, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren? Und, zweitens: Bezieht das Buch eine Haltung zum Thema, die den aktuellen Forschungsstand berücksichtigt und den Gegenstand in dessen Licht neu bewertet?
Nerdingers Text folgt, gut lesbar und plausibel gewichtet, der bekannten Lebens- und Werkgeschichte. Kriterium eins also wäre erfüllt. Zum Kriterium zwei: Nerdinger arbeitet die Orientierungslosigkeit des jungen Le Corbusier und seine von außen angestoßenen, oft schroffen Paradigmenwechsel gut heraus. Das Desinteresse des Architekten an Baukon-struktion und Baukosten ebenfalls. Auch die völlige politische Haltlosigkeit des Protagonisten wird in der gebotenen Deutlichkeit benannt.
Corbusiers expressives Spätwerk leitet der Autor aus der Leidenschaft des Architekten für Naturformen ab. Niklas Maaks entsprechende Untersuchung wird denn auch im Literaturverzeichnis genannt –im Gegensatz zur Biografie von Nicolas Fox Weber, die Le Corbusier als egomanes, mysogynes Muttersöhnchen zeigt. Aber auch mit solchen Merkmalen kann einer zum „Architekt des Jahrhunderts“ werden. Nerdinger zeigt es plausibel auf.







0 Kommentare