Bauwelt

Nordische Büros und Holz bevorzugt

Die MIPIM Awards 2026

Text: Escher, Gudrun, Xanten

Nordische Büros und Holz bevorzugt

Die MIPIM Awards 2026

Text: Escher, Gudrun, Xanten

„Home.Earth Nærheden demonstriert einen skalierbaren Ansatz für bezahlbaren und nachhaltigen Wohnraum, während gleichzeitig attraktive, marktkonforme Renditen erzielt werden.“ Diese glattgebügelte, KI-generierte Übersetzung aus der Beschreibung der Neubau-Wohnzeilen Home.Earth in Kopenhagen trifft genau das, was die diesjährige MIPIM sich auf die Fahnen geschrieben hatte: Housing matters! Das Motto deckte sich nicht immer mit dem, was Anfang März auf der wichtigsten internationalen Messe der Immobilienwirtschaft in Cannes verhandelt wurde, wo eher Renditechancen als bezahlbares Wohnen und Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen. Die Wohnungsfrage nahm aber im begleitenden Konferenzprogramm mit UN Habitat breiten Raum ein und gab die Begründung für die Verleihung des MIPIM Award 2026 in der Kategorie Wohnen an die dänischen Büros Effekt Architects und Vandkunsten. Nominiert waren außerdem zwei Wohnhochhäuser in London und Rotterdam sowie eine Wohnanlage in Shanghai aus Kleinhäusern mit Gärtchen.
Die MIPIM Awards haben ihre eigene Systematik. Sie werden ehrenhalber und ohne Preisgeld auf der Messe in acht Kategorien für fertiggestellte Immobilien vergeben plus Zukunftsprojekte in zwei Kategorien. Die Jury, die sich aus Fachleuten der Immobilienwirtschaft und der Architektur zusammensetzt, passt sie an aktuelle Trends an. So spielte in früheren Jahren Wohnen keine Rolle, ebenso wenig wie Conversion (Gewinner das Pariser Geschäftshaus BPM an der Rue de Rivoli von Franklin AZZI) und Urban Regeneration (Gewinner Nordhavn, Kopenhagen von Cobe und Sleth, WERK). Seit Längerem wird auch Mixed Use extra honoriert (Gewinner La Fondation, Paris, Architekten PCA STREAM), aber insgesamt schafft es kaum noch ein monofunktionales Immobilienprojekt in die Shortlist, außer bei Industrie und Logistik. Wohnfunktionen sind mit dabei in anderen Projekten, bei Umnutzungen oder dem, was früher Büros waren und heute unter Workplace Experience läuft. Der Markt ist vielfältiger geworden und entzieht sich eindeutigen Kategorisierungen.
Die Wahl der Gewinner folgt dem Publikumsvotum der zur Messe angemeldeten Besucherinnen und Aussteller. Dafür wird die Liste der durch die Jury Nominierten – je vier je Kategorie – publiziert mit Foto, Kurzbeschreibung und tendenziell langen Aufreihung der Projektbeteiligten. Schließlich kührt die Jury aus der Reihe der Gewinner einen den Special Jury Award. Er geht 2026 an den Fish Market in Sydney (Architekten 3XN/GXN und BVN Architectures als Partner vor Ort), ein luftiges Markt- und Freizeit-Areal unter schwebendem Dach am Wasser (Bauwelt 11.2026).
Da die Messegesellschaft nur die kurzen Beschreibungen mit Foto als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung stellt, fallen die Bewertungen zwangsläufig plakativ aus. So konnten die vier deutschen Nominierungen diesmal nicht reüssieren. Neben dem typischen Rue-de-Rivoli-Block teilte die Innenansicht des Coppenrath Innovation Center in Osnabrück zu wenig Erhellendes mit (Who the devil is Osnabrück?). Die Avenue Matignan wiederum in Paris scheint abwechslungsreicher als das Edge in Berlin und das i8 in München, beide unter den Arbeitsplatz-Experimenten nominiert. Die vierte deutsche Nominierung war die Holzkonstruktion einer Logistikhalle in Straubing, aber deren flache Kistenform stach denn doch ab von dem anmutigen Schwung der hölzernen Schaufassade des Logistikzentrums von Bestseller im niederländischen Lelystad nach Entwurf von Henning Larsen.
Holz ist bei dergleichen Spontanbewertungen zum Trigger geworden für Nachhaltigkeit, egal ob im Kontext sinnvoll oder nicht. Wenn dann noch unter den Planern ein nordischer Name auftaucht, den man schon mal gehört hat, wird’s schon stimmen. Früher dominierten unter den Preisträgern die großen US-amerikanischen Büros, auch mal Norman Foster oder Jean Nouvel, heute sind es dänische und norwegische, eingeführt seit einigen Jahren von der Bjarke Ingels Group, Spezialist für Großprojekte und sinnigerweise BIG abgekürzt, gefolgt von den oben erwähnten 3XN, Henning Larsen, Cobe, Vandkunsten oder Snøhetta (mit zwei Nominierungen in Norwegen). BIG war diesmal nominiert mit dem Edge, Berlin, und dem Großvorhaben A’Thuraya City in Muscat, Oman. Auch das gewann nicht, sondern die Vision einer umfangreichen Bebauung der Landzunge in Maricá bei Rio de Janeiro mit den Projektbeteiligten Ritz Carton, Marriott, Lausanne Hospitality Business School, Siemens, BMW, JLL, Banco Santander u.a. – und einer ähnlich langen Liste an Planern. Dies, ein Hotelhochhaus in Denver, USA, und der Fischmarkt in Sydney waren die einzigen außereuropäischen Gewinner – aber letzteren hat ja dann wieder 3XN/GXN geplant.

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