Bauwelt

Noch ist die Messe nicht gesungen

Der Salone del Mobile in Mailand ist nach wie vor ein Ereignis. Den vielen in den letzten Jahren aufgeploppten Mitbewerbern, die sich klein und fein etablieren wollen, trotzt die weltweit größte Möbelmesse erfolgreich, ungeachtet des Wandels von Handel und Marketing. Das verdankt sie der italienischen Möbelbranche.

Text: Kasiske, Michael, Berlin

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    „Soft Touch“ nennt JÜNGERKÜHN das äußerst exakte Reliefieren der Porzellanoberfläche ...
    Foto: Jüngerkühn

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    „Soft Touch“ nennt JÜNGERKÜHN das äußerst exakte Reliefieren der Porzellanoberfläche ...

    Foto: Jüngerkühn

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    ... mittels einer digital gesteuerten Vorrichtung zur Subtraktion.
    Foto: Jüngerkühn

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    Dezent kommt der Klappstuhl THEO von PLANK daher, geschaffen für die Contract-Welt, wo diskrete Eleganz gefragt ist, die kritische Blicke aushält.
    Foto: Plank

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    Dezent kommt der Klappstuhl THEO von PLANK daher, geschaffen für die Contract-Welt, wo diskrete Eleganz gefragt ist, die kritische Blicke aushält.

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    Berechtigt stolz präsentiert TECTA den ersten zirkulären Bauhausklassiker: ...
    Foto: Studio für Gestaltung

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    Berechtigt stolz präsentiert TECTA den ersten zirkulären Bauhausklassiker: ...

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    ... der Klappsessel von Marcel Breuer, ...
    Foto: Studio für Gestaltung

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    ... der Klappsessel von Marcel Breuer, ...

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    ... mit Sitz und Lehne aus Schutzkleidung.
    Foto: Studio für Gestaltung

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    ... mit Sitz und Lehne aus Schutzkleidung.

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    Mit der individuell formbaren Lichtwolke Maap setzt Erwan Bourollec die seit jeher avant-gardistische Leuchtkollektion von FLOS fort.
    Foto: Erwan Bourollec

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    Mit der individuell formbaren Lichtwolke Maap setzt Erwan Bourollec die seit jeher avant-gardistische Leuchtkollektion von FLOS fort.

    Foto: Erwan Bourollec

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    Zusammen mit Chloé präsentiert Poltronova die Neuauflage des Sessels von Christian Adam mit dem selbstredenden Namen „Tomato“.
    Foto: Chloé/Camille Vivier

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    Zusammen mit Chloé präsentiert Poltronova die Neuauflage des Sessels von Christian Adam mit dem selbstredenden Namen „Tomato“.

    Foto: Chloé/Camille Vivier

Noch ist die Messe nicht gesungen

Der Salone del Mobile in Mailand ist nach wie vor ein Ereignis. Den vielen in den letzten Jahren aufgeploppten Mitbewerbern, die sich klein und fein etablieren wollen, trotzt die weltweit größte Möbelmesse erfolgreich, ungeachtet des Wandels von Handel und Marketing. Das verdankt sie der italienischen Möbelbranche.

Text: Kasiske, Michael, Berlin

Auch in der globalisierten Welt kann räumliche Nähe ein Vorteil sein. Zumindest zehrt der Salo-ne del Mobile von der Konzentration der Hersteller auf Mailand. Anders als bei der imm cologne, wo Gestaltung nahezu bedeutungslos geworden ist, versteht der Veranstalter Federlegno Arredo auch 2026 die Messe als Schaufenster aktuellen Wohndesigns. Freilich muss die Taktik angepasst werden, weil der Einzelhandel an Bedeutung verliert und verstärkt die Endverbraucher angesprochen werden müssen.
Das Distinktionsbewusstsein verlangt etwa, ein Produkt nicht nur zu nutzen und sich ästhetisch daran zu erfreuen. Vielmehr muss eine Geschichte erzählt werden können, von der nur wenige soviel Gehalt aufweisen wie „Soft Touch“ von JÜNGERKÜHN. Das Experimentieren mit Robotik nennen Verena Kühn und Konrad Jünger „digitale Handwerkspraxis“ und verbinden die Vielfalt manueller Herstellung mit größeren Stückzahlen.
Auf der Nachwuchsplattform „SaloneSatellite“ stellt das Berliner Designer-Duo Vasen vor, deren Herstellung gleichsam den Digitaldruck umkehren: auf einem Drehteller steht ein Prototyp, dessen Oberfläche ein zweiachsiger Arm ertastet und dann Teile herausschneidet oder -schabt. Mit dem Umsetzen programmierter Befehle in greifbares Material entsteht ein Relief, dessen Reiz und Einzigartigkeit farblich geschichtetes Porzellan erzeugt.
Der Klappstuhl THEO von PLANK sieht hingegen vertraut aus. Matteo Thun und sein Mitarbeiter Benedetto Fasciana strebten eine Selbstverständlichkeit an, deren Besonderheit im De-tail liegt. Das Gestell besteht aus massiver Eiche, der Sitz und die Lehne aus mit Eiche furniertem Schichtholz. In Nuten der beiden durch die Lehne verbundenen Stuhlbeine verbergen sich die Halterungen der Sitzfläche, so dass die Mechanik unsichtbar ist. Die nahtlose Integration des Klappmechanismus, die zugespitzten Enden der Beine und die geformte Sitzfläche geben dem Stuhl ein auf das Notwendige reduziertes Aussehen. Bei Bedarf mit Polstern bestückt, ist THEO vielfältig einsetzbar, sowohl im öffentlichen als auch im heimischen Umfeld, in Natur oder farbig gebeizt. Einen soliden Gestaltungswillen zeigt im Übrigen schon die Produktionsstätte von PLANK im südtirolerischen Auer, die von Othmar Barth entworfen wurde.
Signifikante Gestalter formten auch bei TECTAden Firmensitz: Stefan Wewerka, Alison und Peter Smithson sowie zuletzt Andree Weißert. Ebenso wird das Möbelprogramm stetsfort erweitert und überdacht. So stellte sich das in 4. Generation geführte Unternehmen in Lauenförde mit dem Designer Thomas Schnur den Anforderungen der Zirkularität von Stahlrohrmöbeln. Die Recherche führte zu thyssenkrupp nach Duisburg, wo mit bluemint® Steel die CO₂-Intensität um bis zu 64 Prozent verringert wird. Der Fortschritt zeigt sich in der Bilanz, Eigenschaften und Erscheinung des Materials sind wie konventionell produziertes Stahlrohr. Die Wahl des Prototyps für den „grünen Stahl“ fiel auf den berühmten Klappsessel von Marcel Breuer. In der Zusammenarbeit von TECTA mit dem Konzern entstand die Idee, die Sitze und Lehnen mit Teilen gebrauchter Schutzkleidung von den Hochöfen zu bespannen, als sichtbares Zeichen, dass auch Möbelklassiker in die Gegenwart des Re- und Upcyclings überführt werden können.
Ebenfalls ein Material für Schutzanzüge, allerdings für Reinräume, nutzt Erwan Bourollec, um ein räumlich wirkendes Leuchtobjekt zu schaffen. Als Lichtdiffusor wird der Kunststoff Tyvek® eingesetzt, der sich wie Papier formen lässt, hauchdünn, reißfest sowie feuchtigkeits- und wärmebeständig ist. Das Prinzip der von FLOS produzierten Leuchte Maap ist denkbar einfach: Ein Leuchtelement mit vier LEDs auf einer kreuzförmigen Halterung wird oben von einer magnetischen Scheibe abgedeckt, die den Kunststoff in Position hält. Das Material kann dann frei geformt werden und erscheint wie eine Wolke mit „einem subtilen, immersiven Schein,“ so Bourol-lec, „der dich umhüllt und sich weich und gleichmäßig ausbreitet.“
Geborgen fühlt sich der Sitzende im „Tomato“. Die Neuauflage des Sessels ist eine Initiative des Modehauses Chloé, die von Poltronova, bekannt für Möbel des so genannten „Radical Design“, realisiert wird. Der Designer Christian Adam (1945–2024) hatte um 1970 seinen Höhepunkt als Designer, der mit neuen Materialien wie Polyurethanschaum gerundete Möbel entwarf. Damit wurde Adam zum Protegé des Modeschöpfers Pierre Cardin. In dessen Showrooms stand denn auch „Tomato“, dessen Form weniger funktional als expressiv ist. In ihm sieht Chloés Kreativdirektorin die Ästhetik Ihres Modehauses wiedergespiegelt.
Die Kooperationen verschiedener Player verdeutlichen, wie unerlässlich ein Netzwerk ist. Das zu sichern und zu fördern wird auch über die Zukunft des Salone als Plattform für Design und Handel entscheiden.

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