Wow am Alex!

Kaye Geipel fuhr nach der Pressekonferenz hoch auf den Fernsehturm, bestellte einen Grappa und sah in der ganzen Stadt weitere solcher Quartiere aus dem Boden wachsen.

Text: Geipel, Kaye, Berlin

Kaye Geipel fuhr nach der Pressekonferenz hoch auf den Fernsehturm, bestellte einen Grappa und sah in der ganzen Stadt weitere solcher Quartiere aus dem Boden wachsen.

Kaye Geipel fuhr nach der Pressekonferenz hoch auf den Fernsehturm, bestellte einen Grappa und sah in der ganzen Stadt weitere solcher Quartiere aus dem Boden wachsen.


Wow am Alex!

Kaye Geipel fuhr nach der Pressekonferenz hoch auf den Fernsehturm, bestellte einen Grappa und sah in der ganzen Stadt weitere solcher Quartiere aus dem Boden wachsen.

Text: Geipel, Kaye, Berlin

Voller Begeisterung über etwas Aufregendes aus Berlin berichten zu können. Das ist uns gefühlte Lichtjahre lang nicht mehr gelungen. Zu uninspiriert sind die großen neuen Wohnquartiere in den Randbezirken. Zu bockbeinig die sperrigen Großstadt-Blöcke, die sich hinter dem Hauptbahnhof zur Europacity stapeln. Zu ausgebufft die Mixed-used-Projekte im Berliner Stahlbeton-Chic, die Wallpaper-Journalisten in den Wedding locken. Zu einsam das einzige erfolgreiche Konzeptverfahren am Blumenmarkt. Zu charakterlos die astronomisch teuren Wohnblocks in der Kurfürstenstraße. Zu bieder die flackernden neuen Shopping-Glasfassaden in der City-West. Nirgendwo Zukunft. Stattdessen Schloss und Humboldt-Forum!
Berlin lebt von seiner architektonischen Vergangenheit und den Arm-aber-Sexy-Tagen. Da gabs noch die Baugruppen. Dann aber flatterte eine hektisch formulierte Einladung der Senatsverwaltung in die Redaktion, Pressekonferenz für das „Haus der Statistik“. Der Name klingt wie ein weiteres Projekt von der Stange. Ein heruntergekommenes Bürogebäude am Alex, ein raspeltrockener Plattenbau. Die Platte ist aber nur ein kleiner Teil der Planung, ein ganzes Wohn- und Büroquartier wird umstrukturiert, dort, wo dank DDR Städtebau noch bezahlbares Wohnen an die Hochhaus-Investments aus Moskau und Abu Dhabi heranreicht.
Und in der Tat, was da beim Haus der Statistik nach aufwendigem Workshop-Verfahren vorgestellt wurde, macht Laune: flexibel genutzte Erdgeschosszonen, viele beteiligte Nachbarn und Initiativen, Experimentierhäuser, selbst der Neubau eines Rathauses für den Bezirk und die Abkehr von der alten Liegenschaftspolitik mit Höchstpreisvergabe – eigentlich ganz normale aber längst die absolute Ausnahme gewordene Bestandteile der Stadtentwicklung. Als die Vorstellung vorbei war, strahlte am Alex die Sonne und nur auf einem einzigen Bauplakat glänzte diegoldene Chicago-Vision der künftigen Hochhauskrone vis-à-vis. Vielleicht wird aus diesem Verfahren ja etwas, dachte ich mir, von dem sich andere Berliner Bezirke anstiften lassen. Vielleicht entsteht hier ein Modell für kooperativen Städtebau, ein Leuchtturm-Projekt, das zeigt, wie es mit dem rasenden Berlin-Wachstum weitergeht. Für einen Frühlingsmoment lang lässt die Architekturstadt wieder die Korken knallen.

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