Bauwelt

Architektur und Ideologie

Interventionen im Berliner Haus der Kulturen der Welt

Text: Kasiske, Michael, Berlin

  • Auf einem künstlich angelegten Hügel im Tiergarten wurde die Kongresshalle 1957 von Hugh A. Stubbins errichtet und den Berlinern geschenkt.<br />

    Auf einem künstlich angelegten Hügel im Tiergarten wurde die Kongresshalle 1957 von Hugh A. Stubbins errichtet und den Berlinern geschenkt.
    Sebastian Bolesch, © Haus der Kulturen der Welt

    Auf einem künstlich angelegten Hügel im Tiergarten wurde die Kongresshalle 1957 von Hugh A. Stubbins errichtet und den Berlinern geschenkt.

    Sebastian Bolesch, © Haus der Kulturen der Welt

  • Aus Bambus, Holz und Backstein fügen Wang Shu & Lu Wenyu absichtlich „amateurhaft“ die begehbare Installation „Tile Theatre“.<br />

    Aus Bambus, Holz und Backstein fügen Wang Shu & Lu Wenyu absichtlich „amateurhaft“ die begehbare Installation „Tile Theatre“.
    Judith Affolter, © Haus der Kulturen der Welt

    Aus Bambus, Holz und Backstein fügen Wang Shu & Lu Wenyu absichtlich „amateurhaft“ die begehbare Installation „Tile Theatre“.

    Judith Affolter, © Haus der Kulturen der Welt

  • Das Architektenpaar recycelt mit dem Bau der kruden Pavillonskulptur 60.000 traditionell gefertigte chinesische Dachziegel aus ihrer Arbeit für die Architektur-Biennale 2006.<br />

    Das Architektenpaar recycelt mit dem Bau der kruden Pavillonskulptur 60.000 traditionell gefertigte chinesische Dachziegel aus ihrer Arbeit für die Architektur-Biennale 2006.
    HKW, © Affolter / Eugster

    Das Architektenpaar recycelt mit dem Bau der kruden Pavillonskulptur 60.000 traditionell gefertigte chinesische Dachziegel aus ihrer Arbeit für die Architektur-Biennale 2006.

    HKW, © Affolter / Eugster

  • Eine Kritik an der Bauindustrie, die regionale Eigentümlichkeit ignoriert.<br />

    Eine Kritik an der Bauindustrie, die regionale Eigentümlichkeit ignoriert.
    Judith Affolter, © Haus der Kulturen der Welt

    Eine Kritik an der Bauindustrie, die regionale Eigentümlichkeit ignoriert.

    Judith Affolter, © Haus der Kulturen der Welt

  • Die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und dem Irak thematisiert Terence Gower in seiner Arbeit „Baghdad Case Study“.<br />

    Die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und dem Irak thematisiert Terence Gower in seiner Arbeit „Baghdad Case Study“.
    HKW, © Affolter / Eugster

    Die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und dem Irak thematisiert Terence Gower in seiner Arbeit „Baghdad Case Study“.

    HKW, © Affolter / Eugster

  • In der Architektur der Botschaftsbauten sieht er die Veränderungen der Beziehungen gespiegelt: Die 1957 von Josep Lluís Sert (1902-1983) erbaute US-Botschaft im Irak erscheint offen und dialogbereit.<br />

    In der Architektur der Botschaftsbauten sieht er die Veränderungen der Beziehungen gespiegelt: Die 1957 von Josep Lluís Sert (1902-1983) erbaute US-Botschaft im Irak erscheint offen und dialogbereit.
    © Louis Reens Estate

    In der Architektur der Botschaftsbauten sieht er die Veränderungen der Beziehungen gespiegelt: Die 1957 von Josep Lluís Sert (1902-1983) erbaute US-Botschaft im Irak erscheint offen und dialogbereit.

    © Louis Reens Estate

  • 2009 wurde des Gebäude durch einen abgeschlossenen „Superbunker“ von Berger Devine Yaeger ersetzt.<br />

    2009 wurde des Gebäude durch einen abgeschlossenen „Superbunker“ von Berger Devine Yaeger ersetzt.

    2009 wurde des Gebäude durch einen abgeschlossenen „Superbunker“ von Berger Devine Yaeger ersetzt.

  • Manglano-Ovalles thematisiert im Auditorium des HKW die Wirkungsmacht des gesprochenen Wortes.<br />

    Manglano-Ovalles thematisiert im Auditorium des HKW die Wirkungsmacht des gesprochenen Wortes.
    HKW, © Affolter / Eugster

    Manglano-Ovalles thematisiert im Auditorium des HKW die Wirkungsmacht des gesprochenen Wortes.

    HKW, © Affolter / Eugster

  • Ein auf der Bühne frei zugängliches Mikrofon absorbiert das Gesagte, anstatt es zu verstärken, und sendet es unbearbeitet ins Internet:<br /><a href="http://youcansayanythingyouwantforaslongasyouwant.com/" >www.youcansayanythingyouwantforaslongasyouwant.com</a><br />

    Ein auf der Bühne frei zugängliches Mikrofon absorbiert das Gesagte, anstatt es zu verstärken, und sendet es unbearbeitet ins Internet:
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    HKW, © Affolter / Eugster

    Ein auf der Bühne frei zugängliches Mikrofon absorbiert das Gesagte, anstatt es zu verstärken, und sendet es unbearbeitet ins Internet:
    www.youcansayanythingyouwantforaslongasyouwant.com

    HKW, © Affolter / Eugster

  • „Pieces in the Crypt“: Marko Sančanin hängt in einem Seitengang Bilder von der Dachkonstruktion des HKW auf und stellt die Frage, ob Abbildungen und Zeichnungen ein Gebäude zu dem machen, was es ist.<br />

    „Pieces in the Crypt“: Marko Sančanin hängt in einem Seitengang Bilder von der Dachkonstruktion des HKW auf und stellt die Frage, ob Abbildungen und Zeichnungen ein Gebäude zu dem machen, was es ist.
    HKW, © Affolter / Eugster

    „Pieces in the Crypt“: Marko Sančanin hängt in einem Seitengang Bilder von der Dachkonstruktion des HKW auf und stellt die Frage, ob Abbildungen und Zeichnungen ein Gebäude zu dem machen, was es ist.

    HKW, © Affolter / Eugster

  • Ideologie anstatt Architektur: Arno Brandlhuber erinnert mit „This is me, This is My Country“ an eine traditionelle nordkoreanische Geste der Wertschätzung und pflanzt in die Lobby den „Garten der Ideologien“.<br />

    Ideologie anstatt Architektur: Arno Brandlhuber erinnert mit „This is me, This is My Country“ an eine traditionelle nordkoreanische Geste der Wertschätzung und pflanzt in die Lobby den „Garten der Ideologien“.
    akkademie c/o © Courtesy a42.org

    Ideologie anstatt Architektur: Arno Brandlhuber erinnert mit „This is me, This is My Country“ an eine traditionelle nordkoreanische Geste der Wertschätzung und pflanzt in die Lobby den „Garten der Ideologien“.

    akkademie c/o © Courtesy a42.org

  • Mit der eigens gezüchteten Nationalblume Kimilsungia, die der verstorbene nordkoreanische Präsident Kim Il-Sung dem indonesischen Staatschef überreichte, ...<br />

    Mit der eigens gezüchteten Nationalblume Kimilsungia, die der verstorbene nordkoreanische Präsident Kim Il-Sung dem indonesischen Staatschef überreichte, ...
    akkademie c/o © Courtesy a42.org

    Mit der eigens gezüchteten Nationalblume Kimilsungia, die der verstorbene nordkoreanische Präsident Kim Il-Sung dem indonesischen Staatschef überreichte, ...

    akkademie c/o © Courtesy a42.org

  • ... etablierte Il-Sung dieTradition, Würdenträgern eine Orchideen zu widmen. Neuzüchtungen lauten „Dendrobium Angela Merkel“, „Maxillaria Gorbatschowii“ und „Brassolaeliocattleya Margaret Thatcher“.<br />

    ... etablierte Il-Sung dieTradition, Würdenträgern eine Orchideen zu widmen. Neuzüchtungen lauten „Dendrobium Angela Merkel“, „Maxillaria Gorbatschowii“ und „Brassolaeliocattleya Margaret Thatcher“.
    akkademie c/o © Courtesy a42.org

    ... etablierte Il-Sung dieTradition, Würdenträgern eine Orchideen zu widmen. Neuzüchtungen lauten „Dendrobium Angela Merkel“, „Maxillaria Gorbatschowii“ und „Brassolaeliocattleya Margaret Thatcher“.

    akkademie c/o © Courtesy a42.org

  • Studio Miessen wandeln ein bestehendes Kiosk auf der Dachterrasse des HKW zum dem Veranstaltungsraum „19 hours at the kiosk“ um.<br />

    Studio Miessen wandeln ein bestehendes Kiosk auf der Dachterrasse des HKW zum dem Veranstaltungsraum „19 hours at the kiosk“ um.
    HKW, © Affolter / Eugster

    Studio Miessen wandeln ein bestehendes Kiosk auf der Dachterrasse des HKW zum dem Veranstaltungsraum „19 hours at the kiosk“ um.

    HKW, © Affolter / Eugster

  • Bild 15 / 16

    HKW, © Affolter / Eugster

    HKW, © Affolter / Eugster

  • Die Ausstellung ist bis 30. September im „Haus der Kulturen der Welt“ zu sehen.<br /><a href="http://www.hkw.de/de/programm/2012/between_walls_and_windows/veranstaltungen_69363/ausstellung_between_walls_and_windows/veranstaltungsdetail_78964.php" >www.hkw.de</a><br />

    Die Ausstellung ist bis 30. September im „Haus der Kulturen der Welt“ zu sehen.
    www.hkw.de
    © Affolter / Eugster

    Die Ausstellung ist bis 30. September im „Haus der Kulturen der Welt“ zu sehen.
    www.hkw.de

    © Affolter / Eugster

Eventteaser Image

Foto: © Affolter/Eugster

Foto: © Affolter/Eugster


Architektur und Ideologie

Interventionen im Berliner Haus der Kulturen der Welt

Text: Kasiske, Michael, Berlin

"Between Walls and Windows"  - die ehemalige Berliner Kongresshalle wird selbst zum Exponat, angereichert durch Arbeiten von zehn Künstlern und Architekten.
Das Haus der Kulturen der Welt sei nicht vorbildlich, belehrte man uns Erstsemester seinerzeit auf der Berlinexkursion, seine Form wäre nämlich nicht aus der Funktion entwickelt. Das stimmt nur bedingt: Die 1957 als Kongresshalle eröffnete Groß­skulptur sollte ja nicht das Thema „Versammlung“ abbilden – sie war ein gebautes Symbol für die Freiheit und Modernität der westlichen Welt. Derart politisch konnotiert, wird das Haus zum Schlüssel der aktuellen Ausstellung „Between Walls and Windows. Architektur und Ideologie“. Das Baudenkmal selbst ist Exponat, angereichert durch Interventionen von zehn Künstlern und Architekten.

„Es ging im Wesentlichen um einen Propagandabau“, erinnerte sich der Architekt der Kongresshalle Hugh Stubbins (1912–2006). „Er richtete sich gegen die nur ein paar Hundert Meter entfernten Sowjets.“ Die revanchierten sich, indem sie die Veranstaltungen gelegentlich mit Düsenjets störten. Das gebogene Dach der Kongresshalle war in Ostberlin sichtbar und erschien wie eine Allegorie Westberlins – ein Stachel im Fleisch der unter Sowjeteinfluss stehenden DDR. Ganz ähnlich empfanden die Einwohner von Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, das Hotel „4 Estações“. Die Künstlerin Ängela Feirreira zeigt in ihrer Videoinstallation „Collapsing Structures: Talking Buildings“ den Bau, dessen Rohrleitungen die Portugiesen kurz vor ihrem abrupten Rückzug aus der Kolonie mit Beton verfüllten. Es dauerte 35 Jahre, sich dieses letzten Sabotageakts der einstigen Herrscher zu entledigen.

Unübersehbar auf der Dachterrasse des Hauses der Kulturen der Welt ist der Pavillon „Tile Theatre“ von Wang Shu und Lu Wenyu (Amateur Architecture Studio). Sie ließen Materialien wie Bambus, Holz und Backstein handwerklich verbauen – absichtlich „amateurhaft“ im Gegensatz zur weltumspannenden Bau- und Architekturindustrie, die regionale Eigentümlichkeiten ignoriere, wie die beiden kritisieren.

Im Windfang stehen Orchideen in Pflanzbecken. Die nach Staatsoberhäuptern benannten Züchtungen bilden den mit „This is Me, This is My Country“ betitelten „Ideologiengarten“ von Arno Brandlhuber. Ebenso ästhetisch und politisch topaktuell ist „You rate it! Neither poor, nor Standard“ des lateinamerikanischen Architektennetzwerks Supersudaca. In Nationalflaggen gehüllte Fotomodelle präsentieren das ABC der vier wichtigsten Ratingagenturen: A steht für gut, B für eher verwundbar, C für möglichen Ausfall von Anleihen und D für Zahlungsausfall.

Im Auditorium, dem Herz des Gebäudes, fordert der spanische Künstler Iñigo Manglano-Ovalle mit „You Can Say Anything You Want For As Long As You Want“ jeden Besucher zur freien Rede auf. Doch das auf der Bühne aufgestellte Mikrofon verstärkt nicht. Das Gesprochene wird aufgezeichnet und archiviert. Im Internet kann es abgehört werden kann.

Zum Ausstellungskonzept gehört auch die „Reinigung“ des Gebäudes. Befreit von Leitsystemen und sonstigen Ein- und Zubauten, repräsentiert diese Architektur jetzt, nach dem Ende des Kalten Krieges, nur sich selbst – und überstrahlt damit die temporären Kunstwerke. Die Frage nach der richtigen oder falschen Form stellt sich für dieses Denkmal der Nachkriegsmoderne längst nicht mehr.  
Fakten
Architekten Stubbins, Hugh (1912-2006); Feirreira, Ängela, Lissabon; Shu, Wang, Beijing; Wenyu, Lu, Beijing; Brandlhuber, Arno, Berlin; Supersudaca; Manglano-Ovalle, Iñigo, Chicago
aus Bauwelt 36.2012

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