Die Westernstraße paderbornisieren

Das Buch „Achtung vor dem Blumenkübel! Die Fußgängerzone als Element des Städtebaus“ von Ulrich Brinkmann beginnt mit einem Blick auf die Geschichte der Hauptgeschäftsstraße der Geburtsstadt des Bauwelt-Redakteurs – Anlass für eine Lesung mit anschließender Diskussion. Im Paderborner Rathaus sprachen Claudia Warnecke, Technische Beigeordnete der Stadt, Ellen Jacoby von der TAP Holding, City Manager Heiko Appelbaum mit dem Autor über Gegenwart und Zukunft der Innenstadt.

Text: Kraft, Anne, Dortmund

    Vier Ansichtskarten, gelaufen 1906, ...
    Abb. aus: „Achtung vor dem Blumenkübel!“, DOM Publishers, Berlin 2020

    Vier Ansichtskarten, gelaufen 1906, ...

    Abb. aus: „Achtung vor dem Blumenkübel!“, DOM Publishers, Berlin 2020

    ... 1930, ...
    Abb. aus: „Achtung vor dem Blumenkübel!“, DOM Publishers, Berlin 2020

    ... 1930, ...

    Abb. aus: „Achtung vor dem Blumenkübel!“, DOM Publishers, Berlin 2020

    ... 1960 ...
    Abb. aus: „Achtung vor dem Blumenkübel!“, DOM Publishers, Berlin 2020

    ... 1960 ...

    Abb. aus: „Achtung vor dem Blumenkübel!“, DOM Publishers, Berlin 2020

    ... und 1980 spiegeln die Veränderung der Westernstraße auf Höhe des Hauptpostamts im 20. Jahrhundert. Seit dem letzten Bild wurde das Postamt abgerissen, die Kioske sind verschwunden.
    Abb. aus: „Achtung vor dem Blumenkübel!“, DOM Publishers, Berlin 2020

    ... und 1980 spiegeln die Veränderung der Westernstraße auf Höhe des Hauptpostamts im 20. Jahrhundert. Seit dem letzten Bild wurde das Postamt abgerissen, die Kioske sind verschwunden.

    Abb. aus: „Achtung vor dem Blumenkübel!“, DOM Publishers, Berlin 2020

    Ellen Jacoby, Heiko Appelbaum, Claudia Warnecke und Ulrich Brinkmann am 4. September im Paderborner Rathaus.
    Foto: Stadt Paderborn

    Ellen Jacoby, Heiko Appelbaum, Claudia Warnecke und Ulrich Brinkmann am 4. September im Paderborner Rathaus.

    Foto: Stadt Paderborn

    Achtung vor dem Blumenkübel! Die Fußgängerzone als Element des Städtebaus von Ulrich Brinkmann ist bei DOM Publishers (Berlin 2020) erschienen.
    Abb.: DOM Publishers

    Achtung vor dem Blumenkübel! Die Fußgängerzone als Element des Städtebaus von Ulrich Brinkmann ist bei DOM Publishers (Berlin 2020) erschienen.

    Abb.: DOM Publishers

Die Westernstraße paderbornisieren

Das Buch „Achtung vor dem Blumenkübel! Die Fußgängerzone als Element des Städtebaus“ von Ulrich Brinkmann beginnt mit einem Blick auf die Geschichte der Hauptgeschäftsstraße der Geburtsstadt des Bauwelt-Redakteurs – Anlass für eine Lesung mit anschließender Diskussion. Im Paderborner Rathaus sprachen Claudia Warnecke, Technische Beigeordnete der Stadt, Ellen Jacoby von der TAP Holding, City Manager Heiko Appelbaum mit dem Autor über Gegenwart und Zukunft der Innenstadt.

Text: Kraft, Anne, Dortmund

Sie schreiben in Ihrem Buch von den gestalterischen und funktionalen Farben der Stadt. Was macht für Sie eine gut gestaltete Fußgängerzone aus?
Ulrich Brinkmann Grundsätzlich ist gute Gestaltung eine Frage von Sorgfalt, von einem Bewusstsein dafür, dass Dinge dauern sollten und nicht schon nach 10, 15 Jahren beschädigt sind. Das hängt mit der Qualität von Material zusammen, mit der Feinheit von Verarbeitung, auch mit einer gewissen gestalterischen Zurückhaltung, die nicht unbedingt immer gleich dem jeweiligen Zeitgeist zuzuordnen ist. Sonst entsteht schnell etwas, das nach ein paar Jahren peinlich wirkt und nach Veränderung ruft. In meinen Augen ist ein Erneuerungsrhythmus, in dem alle 20 Jahre alles aussehen muss wie soeben neu gemacht, für eine Stadt kein guter Weg. Wenn man sich da ein bisschen zurücklehnt und das, was man hat, pflegt, vorausgesetzt, es ist mit einem gewissen Anspruch an Qualität gestaltet worden, dann ist man meistens auf einem besseren Weg.
Frau Warnecke, teilen Sie diese Einschätzung? Ist das auch Ihr Duktus, achtsam und bewahrend vorzugehen – und nicht eilig irgendwelchen Trends hinterher zu rennen?
Claudia Warnecke Ich habe mir gerade überlegt, ob wir etwas falsch gemacht haben, als wir die Königsplätze revitalisiert haben. Wir hätten tatsächlich die Chance gehabt, etwas, das Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre entstanden ist, zu erhalten. Ich bin aber nach wie vor überzeugt, dass es richtig war, dort doch
erhebliche Veränderungen vorzunehmen, auch was die Materialien angeht, zum Beispiel bei den Bodenbelägen, auch wenn die sehr repräsentativ für die damalige Zeit waren. Insofern kann ich Herrn Brinkmann recht geben, als es schon zum Zeitpunkt der Entstehung diese Nachhaltigkeit braucht: Dann kann man einen Stadtraum gut pflegen, und dann kommt er auch nicht so schnell in die Jahre. Das war auch der Anspruch, den wir hatten, als wir uns die Königsplätze vorgenommen haben. Manchmal entsteht doch das eine oder andere Element, wo man sagen kann, das ist dem Zeitgeist zuzuschlagen, aber eigentlich gibt es erst mal den Anspruch, etwas umzusetzen, was nicht nur heute en vogue ist und eine solide Grundlage bildet für das, was ringsherum entsteht.
Wir sehen an Leerständen, dass es einen Bedarf an neuer Nutzung gibt. Ist das die Chance, eine Fußgängerzone zu entwickeln, in der sich Menschen auch außerhalb des Konsumierens aufhalten können?
Heiko Appelbaum Ich würde das Ganze ein bisschen weiter fassen. Wir haben zwar das Kern­thema „Fußgängerzone“ auf der Agenda, aber für mich gehört da noch viel mehr dazu. Warum halten sich die Menschen in der Innenstadt, in der Fußgängerzone auf? Die 4000 Menschen, die wir pro Tag hier begrüßen, sind ja ein gewisses Statement. Was erwarten die Menschen von diesem Raum? Was erwarten sie von einer Stadt wie Paderborn? Es sind nicht die Filialisten, die in jeder Stadt dazugehören, sondern es sind die Besonderheiten. Für mich persönlich ist das auch ein Einzelhändler, der inhabergeführt ist und eben nicht das Sortiment bietet, das ich woanders auch bekomme. Die Mischung macht’s.
Der dänische Stadtplaner Jan Gehl sagt, wenn man Kinder und ältere Menschen auf der Straße sieht, dann ist es eine lebenswerte Stadt. Das hat viel mit Tempo, mit Dichte, mit lebenlassen zu tun. In den vergangenen Wochen ging die Ankündigung der Schließung großer Kaufhäuser durch die Medien. Paderborn ist verschont geblieben, andere Städte sind es nicht. Dort steht die Auseinandersetzung mit großen Immobilien an, die die Fußgängerzonen prägen. Welche Chancen sehen Sie, solche Leerstände mit einer neuen Nutzung in das Gefüge der Innenstadt zurückzuführen?
Claudia Warnecke Einige Entwicklungen sind nicht nur coronabedingt akut geworden, sondern haben sich schon vorher angebahnt und sind durch die Pandemie-Krise verstärkt worden. Es gibt im Bereich der Königsplätze ein großes Kaufhaus, das in der Form, in der es einst entstanden war, nicht komplett nachgenutzt werden konnte. Dort konnten wir eine universitäre Nutzung ansiedeln. Schon als wir mit dem Projekt Königsplätze begonnen haben, gab es in dem Bereich Leerstände, an denen das Interesse von Seiten der Universität enorm groß war: Kann man da nicht Ausstellungen hineinbringen, universitäre Veranstaltungen durchführen? Dann hat sich ein Verein gegründet, „Zwischenstadt“, den es bis heute gibt. Das heißt, wir haben Fälle, in denen es nicht mehr möglich ist, ehemalige Einzelhandelsflächen wieder mit EinzelhandeI zu besetzen, sich aber auch heute schon Optionen ergeben für eine tragfähige zukünftige Nutzungsmischung in der Innenstadt. Für mich ist das ein sehr gutes Beispiel dafür, dass ganz andere Nutzergruppen ein Interesse haben an der Innenstadt. Die brauchen Räumlichkeiten, aber auch Vermieter, die bereit sind, sich auf sie einzulassen.
Heiko Appelbaum Die Umnutzung des alten Dany-Kaufhauses für den AStA der Universität Paderborn ist wirklich ein Vorzeigeprojekt, wo­rum uns viele beneiden. Ein anderer Punkt, den Sie gerade angesprochen haben, Frau Warnecke, ist das Problem der Mieten. Das, denke ich, wird in den kommenden Monaten relevant werden, denn ich gehe davon aus, dass wir in Paderborn noch einen größeren Leerstand bekommen, und sehe ein Sinken der Mietpreise durchaus als Chance für diejenigen, die bisher in der zweiten oder dritten Reihe ein kleines Unternehmen führen, vielleicht in den Vordergrund zu rücken und dadurch auch wieder das Bild der Stadt zu prägen, spezifischer zu machen. Ich sehe diese Entwicklung eher als Chance denn als großes Schreckgespenst und habe daher keine Angst vor Leerständen.
Ulrich Brinkmann Es gibt in einigen Städten bereits Ansätze, die Innenstadt in einem „Fondsmodell“ zu betreiben und zu entwickeln, also Querfinanzierung möglich zu machen zwischen Nutzungen, die mehr erwirtschaften, und Nutzungen, die attraktiv sind für das Ganze, aber nicht ganz so viel Rendite bringen. Werden solche Modelle auch in Paderborn diskutiert?
Claudia Warnecke Bislang nicht. Bisher steht Paderborn gut da im Vergleich zu anderen Kommunen. Vielleicht muss der Leidensdruck erst höher werden, um über alternative Modelle nachzudenken und Dinge in Angriff zu nehmen, die bisher noch nicht erprobt worden sind. Erst im nächsten oder übernächsten Jahr wird richtig klar werden, wie unsere Innenstadt von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen ist, aber auch, dass sich dadurch Türen öffnen und Lösungen, die bisher nicht so im Fokus standen, eine ernsthafte Möglichkeit werden, um neue Dinge anzustreben.
Herr Appelbaum hat mir gerade das Stichwort geliefert mit der zweiten und dritten Reihe. Frau Jacoby, Sie sind mit den idee.creativ-Märkten häufig in zweiter und dritter Reihe. Dass Sie immer wieder Filialen eröffnen, ist für mich ein klares Bekenntnis zur Innenstadt. Warum entscheiden Sie sich für solche Standorte, und wie sehen Sie dort die Zukunft?
Ellen Jacoby Wir sind mit unserer neuen Zentrale in die Innenstadt von Paderborn gezogen (Bauwelt 21.2020, Anm. d. Red.). Das spiegelt unseren Anspruch, wie wir arbeiten, wie wir Produkte machen, wie wir unsere Läden führen. Wir wollen dieses Umfeld auch unseren Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Ich habe lange in London gelebt, da ist es ganz normal, dass man nicht auf der grünen Wiese ist, obwohl es das natürlich auch gibt. Schön und urban ist für mich, dass man da, wo man arbeitet, auch gerne rausgeht und zu Mittag isst. Das war das Vorbild: eine Stadt, in der man lebt und arbeitet; diese Durchmischung finden wir extrem anregend.
Bei den Läden ist die Lage schon schwieriger. Der strukturelle Wandel geht auch an uns nicht vorbei. Wir sind schon fünf, sechs Jahre auf dem Stand von 72 idee.creativ-Filialen. Wir stecken unsere Kraft jetzt in unser Online-Geschäft. Das macht man nicht mal eben so nebenbei. Stationär und online sind verschiedene Geschäftsfelder. Wir haben auch noch kleinere „Wolle Rödel“-Geschäfte, vorwiegend in Südwestdeutschland. Da sind wir mal mit 60 Fililalen gestartet, in den letzten fünf, sechs Jahren aber haben wir 30 geschlossen. Das waren immer 50- bis 100-Qua­dratmeter-Shops in Städten, die maximal 50.000 Einwohner haben. Das ist in so einer Nische nicht mehr abbildbar.
Wir finden trotzdem stationären Handel extrem wichtig, weil wir auch den Kontakt zu unseren Kunden haben wollen. Wir wollen präsent sein. Gerade bei „idee“ mit den Bastelartikeln muss man die Ware auch mal anfassen. Insofern müssen wir uns überlegen, was machen wir an den Standorten?
Wir haben vor Corona ein Workshop-Programm auf die Beine gestellt, für Menschen, die in die Filialen kommen und dort auch andere treffen. Das Digitale lässt die Menschen vereinsamen. Insofern ist es toll, Treffpunkt zu sein und Verbindungen zu schaffen. Aber Leerstände in den Innenstädten sind für uns schon ein Pro­blem. Und es ist auch ein Problem, dass in solchen 2a-, 2b-Lagen, in denen wir uns befinden, die Stadt generell nicht sehr pfleglich mit dem öffentlichen Raum umgeht. Einen Anspruch an Qualität, den spürt man aber. Ich glaube, es färbt auch ab, wenn sich eine Stadt Mühe gibt, diesen Anspruch mit Radikalität zu verfolgen. Insofern gebe ich dem recht, was Sie eben vorgelesen habenm, Herr Brinkmann: Man muss im Zweifel auch jemanden vor Ort haben, der keine großen Leuchtreklamen mehr erlaubt. Man braucht als Stadt wirklich ein Ziel.
Jetzt haben wir eine Frage aus dem Publikum.
Ein Zuschauer Könnten Sie sich vorstellen, Frau Jacoby, dass Sie die Miete auch in einer 1a- oder 1b-Lage erwirtschaften könnten? Oder ist der Creativmarkt darauf angewiesen, ein bisschen in der Schmuddelecke zu sein, weil da die Miete noch zu erwirtschaften ist?
Ellen Jacoby Na ja, Schmuddelecke… Also die 2a-Lage ist immer ein Abstecher von der Hauptfußgängerzone. Da sind die Mieten niedriger. Wir können nicht gegen einen Modehändler angehen, weil unsere Artikel nicht 29,90 Euro kosten sondern 2,99 oder 1,99. Trotzdem ist es nicht
so einfach, Geschäftsmodelle zu finden, die in diesen kleinen Stichstraßen funktionieren.
Zuschauer Aber genau die Geschäftsmodelle werden in Zukunft funktionieren, dagegen wird es die 1a-Lage selbst nicht mehr geben. Die Innenstadt mit ihrem Wettbewerber Internet wird so auf Dauer nicht mehr existieren.
Ellen Jacoby Wir müssen voraussetzen, dass jeder Einzelhändler auch Online-Händler werden muss. Das ist nicht zu verhindern. Aber wir sind uns ganz sicher: Die, die sich kümmern, die einen Rotstift haben, um zu reduzieren, die auch investieren, um den Laden neu zu streichen, die sich um ihr Sortiment kümmern, damit das zeitgemäß und gut ist, und die dann auch freundlich zum Kunden sind – die werden auch weiterhin erfolgreich sein.
Ein anderer Zuschauer Die Miete ist ein Punkt, der immer im Fokus steht. Aber das ist sehr kurz gedacht, weil ein Einzelhändler die Miete nicht selbst reduzieren kann. In einer Fondsgesellschaft sitzt irgendwer, der wiederum jemanden gewinnen will, der investiert. Aber wenn ich Geld anlege, will ich eine ordentliche Verzinsung haben. Wenn ich sanieren will, ist es schwer, auch nur eine Änderung der Baugenehmigung zu kriegen. Sie müssen ein Treppenhaus bauen, Sie müssen Parkplätze bauen, Sie müssen Flucht- und Rettungswege bauen, und wenn dann am Ende noch was übrigbleibt, dann haben Sie Glück gehabt. Die Miete muss all das berücksichtigen, sie muss eine Sanierung refinanzieren und erwirtschaften. Insofern ist die Decke niedrig. Herr Brinkmann, Sie hatten es gesagt: Ein runder Tisch für den Einzelhandel in der Stadt, wo die Vermieter mit dabei sitzen, aber auch viele andere, das wäre ein richtiger Ansatz.
Welche Einflussmöglichkeiten hat denn die Stadt? Nicht nur mit Blick auf die Bauordnung, die vieles vorschreibt, sondern auch auf die Eigentümer, die als Gemeinschaft noch nicht gemeinschaftlich handeln?
Claudia Warnecke Darauf hat die Stadt überhaupt keinen Einfluss. Meine Wahrnehmung ist, dass die Gemeinschaft der Betreiber, also derjenigen, die eine Nutzung vorhalten, egal in welcher Branche, und die Gemeinschaft der Immobilienbesitzer, ein wichtigerer Zusammenschluss sein könnte, der andere möglicherweise mit­ziehen kann. Wir müssen jetzt nicht so tun, als wenn jeder Hauseigentümer in Paderborn sich auf Barbados sonnt. Es gibt viele, die tatsächlich vor Ort sind und sich auch vor Ort einbringen. Wir haben Möglichkeiten über die Städtebauförderung, solche Zusammenschlüsse zu unterstützen, Projekte, die aus solchen Gemeinschaften entstehen, mit Förderungen zu unterlegen. Aber es bedarf auch eines Aufwands bei denjenigen, die sich da beteiligen sollten. Solange ein Hauseigentümer den Nutzen nicht erkennen kann, wird dieser Mehraufwand nicht getätigt.
Gibt es denn regelmäßige Zusammenkünfte?
Heiko Appelbaum Das Thema ist sehr komplex. Ich habe in den vergangenen Monaten diverse Anfragen bekommen von Interessierten, die mit Konzepten auf mich zugekommen sind. Es ist wirklich schwierig, Vermieterinnen und Mieter zusammenzubringen. Es scheitert oftmals an den finanziellen Vorstellungen. Die erste Frage ist: Gibt es Leerstand, wo ich vielleicht mit meiner Idee unterkommen kann? Die zweite Frage: Was nehmen die denn pro Quadratmeter? Das ist dann schon oft ein K.o.-Kriterium. Unsere Chance ist es, dass wir versuchen, einen Weg zu bahnen, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Da muss durchaus noch was geschehen.
Frau Jacoby, Sie sind mit Ihren Geschäften eher am Rande, nicht in den Hauptfußgängerzonen. Dort gibt es vielerorts die Diskussion, die Fußgängerzone wieder für Verkehr aufzumachen. Gerade von Gewerbetreibenden in kleineren Städten hören wir häufig den Wunsch, die Fußgängerzonen aufzuheben, damit Kunden mit dem Auto bis vor die Tür fahren können. Wie sehen Sie das?
Ellen Jacoby Ein Trottoir an einer Straße zu haben, wenn es Geschäfte und auch Gastronomie gibt, wie man das auch aus Großstädten kennt, empfinde ich persönlich als sehr angenehm. Ich gehe gerne durch solche Städte, und da gibt es natürlich auch kleine Geschäfte, und da steht oft ein Auto davor, das stört mich auch nicht, ganz im Gegenteil. Das ist eine extrem schöne Mischung von Leben, Arbeiten, Handel. In einer Stadt wie Paderborn kann ich mir das aber nur schwer vorstellen. Hier würde ich eher darüber nachdenken, was kann ich in der Innenstadt noch machen? In dem Buch von Herrn Brinkmann gibt es ein Bild der Paderborner Fußgängerzone aus den Achtzigern mit diesen drei Kiosken vor der Post. Ich fand das super. Da war nämlich ein Kiosk mit Zeitschriften und einer mit Obst. Wo können Sie in Paderborn in der Innenstadt heute noch einen Apfel kaufen? Das gibt es nicht mehr, hätte ich aber gern. Man kann nur Backwaren kaufen, das ist überhaupt nicht gut. Der dritte Kiosk war ein Florist. Das sind drei Branchen, die einer Stadt etwas geben. Dieses Kioskprinzip, welches man auch mit kleinen Räumen schon machen kann, finde ich extrem schön, wenn es gut gemacht ist. Aber das muss es halt auch sein, es muss schon einen Anspruch haben. Ich hätte so viele Ideen, was für Geschäfte man in der Paderborner Innenstadt aufmachen kann. Wir reden immer nur über digitale Ideen. Wir könnten aber auch einen modernen Handel entwickeln, ihn händisch machen, Handwerk fördern, um die Innenstadt zu beleben und damit auch zu „paderbornisieren“. Das ist extrem wichtig, dass die Leute gerne in die Innenstadt kommen und hier etwas erleben, das anders ist.

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