Belasteter Grund

In Kiew soll ein Gedenkzentrum für die während des Zweiten Weltkriegs hier ermordeten Juden entstehen, das „Babyn Yar Holocaust Memorial Center“.

Text: Imsirovic, Tino, Berlin

    1. Preis querkraft und Kieran Fraser schicken die Besucher auf einen düsteren Weg durch den Waldboden. Atmosphärisch setzen sie auf variierendes Licht.
    Abb.: Architekten

    1. Preis querkraft und Kieran Fraser schicken die Besucher auf einen düsteren Weg durch den Waldboden. Atmosphärisch setzen sie auf variierendes Licht.

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    2. Preis Auch Dorte Mandrup und Martha Schwartz entwickeln das Gedenkzentrum aus der Topografie. Die Jury lobte die gegebene Möglichkeit, sich dem Gebäude und der Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven zu nähern.
    Abb.: Architekten

    2. Preis Auch Dorte Mandrup und Martha Schwartz entwickeln das Gedenkzentrum aus der Topografie. Die Jury lobte die gegebene Möglichkeit, sich dem Gebäude und der Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven zu nähern.

    Abb.: Architekten

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    3. Preis merz merz und Topotek 1 setzen ein klares architektonisches Statement. Die Jury lobte die Klarheit des gestalteten Baukörpers. Es fehlte ihr jedoch der Zusammenhalt zwischen Landschaftplanung und Architektur.
    Abb.: Architekten

    3. Preis merz merz und Topotek 1 setzen ein klares architektonisches Statement. Die Jury lobte die Klarheit des gestalteten Baukörpers. Es fehlte ihr jedoch der Zusammenhalt zwischen Landschaftplanung und Architektur.

    Abb.: Architekten

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Belasteter Grund

In Kiew soll ein Gedenkzentrum für die während des Zweiten Weltkriegs hier ermordeten Juden entstehen, das „Babyn Yar Holocaust Memorial Center“.

Text: Imsirovic, Tino, Berlin

Das Zentrum der ukrainischen Hauptstadt, rund um den „Majdan Nesaleschnosti“ (Unabhängigkeitsplatz), soll sein Gesicht verändern. Im vergangenen Jahr wurden dazu zwei Wettbewerbe zur Erinnerung an den „Euromaidan“ im Winter 2013/14 durchgeführt, eine Revolution, die viele regierungskritische Demonstranten mit ihrem Leben bezahlten. Zum einen wurde im Verfahren für das „Museum für die Revolution der Würde“ ein Entwurf von Kleihues+Kleihues aus Berlin mit dem ersten Preis ausgezeichnet (Bauwelt 18.2018), zum anderen soll als Memorial eine „Heldenallee der Himmlischen Hundert“ entstehen (Bauwelt 10.2018).
Zeitlich und räumlich weit von diesen Geschehnissen entfernt liegt ein Ereignis, das bisher wenig präsent ist in der Erinnerungskultur: das Massaker von Babyn Yar. Zwischen 1941 und 1943 ermordete die deutsche Wehrmacht in einer Schlucht am Rand des Stadtzentrums mehr als 100.000 Menschen, 70.000 von ihnen waren Juden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Ort zu einem Park – mit U-Bahn-Untertunnelung – umgestaltet.
An dieser Stelle, circa sechs Kilometer außerhalb der Altstadt, möchte die unabhängige Stiftung „Babyn Yar Holocaust Memorial Center“ (BYHMC) ein international strahlkräftiges Gedenkzentrum verwirklichen. Es soll auch Raum für Lehre, Forschung und Diskussionen bieten. Die Realisierung ist bis 2023 vorgesehen.
Um ein angemessenes Konzept für die Gestaltung des Hauses und seine landschaftliche Einbindung zu entwickeln, lobte das BYHMC Anfang 2019 einen anonymen zweiphasigen Wettbewerb aus. In einer offenen Qualifizierungsrunde wurden aus über 165 Einreichungen zehn internationale Teams, jeweils bestehend aus einem Architektur- und einem Landschaftsarchitekturbüro, zur zweiten Phase zugelassen. Unter den Ausgewählten waren u.a. Diller Scofidio + Renfro (New York) mit GrossMax (Edinburgh), Dorte Mandrup (Kopenhagen) mit Martha Schwartz (New York) sowie die Berliner merz merz mit Topotek 1 und Richter Musikowski mit fabulism und Lysann Schmidt aus Wismar.

Atmosphären

Die Jury, der auch der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko angehörte, kürten mit großer Mehrheit den Entwurf des Wiener Teams von querkraft und Kieran Fraser zum Gewinner. Die Qualität ihres Entwurfs liege in der Klarheit und Sensibilität, mit der die Verfasser auf die Aufgabenstellung und den Ort reagierten. Die Besucher werden entlang einer immer tiefer werdenden, in den Landschaftsraum eingeschnittenen Schlucht zum Gebäude geführt. Von hier aus gräbt sich der Weg in den Boden hinein bis er schließlich seinen Abschluss in einer großen, natürlich belichteten und terrassierten Halle findet. Darüber spannt ein freitragendes Dach, das die Planer spannungsvoll zwischen Himmel und Erde sich biegen lassen. Die Entwerfer inszenieren einen dramatischen Weg, schicken die Besucher in, durch Licht und Raumzuschnitte erzeugt, unterschiedliche Atmosphären: Aus der dunklen und beengten Schlucht kommend, führen sie durch künstlich belichtete Ausstellungsräume bis in den großzügigen Tageslicht-Raum, wo die Oberfläche wieder näherkommt.
Auch der mit dem zweiten Platz ausgezeichnete Entwurf von Dorte Mandrup und Martha Schwartz schlägt einen tiefen Schnitt in den Grund vor. Ihr Gebäude entwickelt sich landschaftlich und skulptural aus einem sich durch den Park schlängelnden Graben. Im Gegensatz dazu präsentiert sich der drittplatzierte Entwurf von merz merz und Topotek 1 als Kubus mit akzentuierten Fassaden. Im Inneren eurzeugen sie, ähnlich den Erstplatzierten, Stimmungen aus Hell gegen Dunkel und Eng gegen Weit. Laut Jury ließ der Entwurf jedoch einen spezifischeren Umgang mit dem Landschaftsraum vermissen.
Internationaler zweiphasiger Wettbewerb
1. Preis
(20.000 Euro) querkraft architekten, Wien, mit Kieran Fraser landscape Design, Wien
2. Preis (15.000 Euro) Dorte Mandrup, Kopenhagen, mit Martha Schwartz Partners, New York
3. Preis (10.000 Euro) merz merz, Berlin, mit Topotek 1 Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin
Finalisten
BURØ architects, Kiew, mit LLC V POLE DESIGN, Kiew; Richter Musikowski Architekten, Berlin, mit fabulismarchitecture and landscape, Berlin, und Lysann Schmidt Landschaftsarchitektur, Wismar
Jury
Fachpreisrichter: János Kárász, Anna Kyrii, Wolfgang Lorch, Svitlana Lypivska, Rainer Mahlamäki (Vorsitz), Kjetil Thorsen, Serhii Tselovalnyk, Janosh Vigh,
Sachpreisrichter: Yana Barinova, Anna Berenfeld, Dieter Bogner, Vitali Klitschko, Tamara Mazur
Auslober
Stiftung „Babyn Yar Holocaust Memorial“ (BYHMC), Kiew
Wettbewerbskoordination
phase.eins, Berlin

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