Ein Exportartikel
Warum interessiert sich ein amerikanischer Bauherr für europäischen Holzmodulbau? Andreas Krawczyk erzählt, wie das Bausystem, mit dem NKBAK in Deutschland Schulen baut, nach Montana kam – als Wohngebäude.
Text: Friedrich, Jan, Berlin
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Der Wintersportort Big Sky in Montana liegt nordwestlich vom Yellowstone Nationalpark auf 1900 Metern Höhe.
Foto: Chuck Choi
Der Wintersportort Big Sky in Montana liegt nordwestlich vom Yellowstone Nationalpark auf 1900 Metern Höhe.
Foto: Chuck Choi
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Die Unterkunft für 96 Saisonarbeitskräfte basiert auf demselben modularen Holzbausystem, das NKBAK und Kaufmann Bausysteme für Schulbauten entwickelt und vielfach umgesetzt haben haben.
Foto: Chuck Choi
Die Unterkunft für 96 Saisonarbeitskräfte basiert auf demselben modularen Holzbausystem, das NKBAK und Kaufmann Bausysteme für Schulbauten entwickelt und vielfach umgesetzt haben haben.
Foto: Chuck Choi
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Beidseitig der zentralen Erschließungszone schließen die Wohneinheiten an, ...
Foto: Chuck Choi
Beidseitig der zentralen Erschließungszone schließen die Wohneinheiten an, ...
Foto: Chuck Choi
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... der Grundriss öffnet sich leicht fächerförmig.
Foto: Chuck Choi
... der Grundriss öffnet sich leicht fächerförmig.
Foto: Chuck Choi
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Jede Clusterwohnung besteht aus einem gemeinschaftlichen Wohn- ...
Foto: Chuck Choi
Jede Clusterwohnung besteht aus einem gemeinschaftlichen Wohn- ...
Foto: Chuck Choi
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... und Essbereich ...
Foto: Chuck Choi
... und Essbereich ...
Foto: Chuck Choi
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... sowie acht Einzelzimmern.
Foto: Chuck Choi
... sowie acht Einzelzimmern.
Foto: Chuck Choi
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Die 120 Holzmodule, aus denen das Haus besteht, wurden im 900 Kilometer entfernten kanadischen Castlegar gefertigt, mit LKW angeliefert und in Big Sky montiert. V.l.n.r.: Rob McRae (Highline Partners), Andreas Krawczyk, Christian Kaufmann, Peter Rose
Foto: © NKBAK
Die 120 Holzmodule, aus denen das Haus besteht, wurden im 900 Kilometer entfernten kanadischen Castlegar gefertigt, mit LKW angeliefert und in Big Sky montiert. V.l.n.r.: Rob McRae (Highline Partners), Andreas Krawczyk, Christian Kaufmann, Peter Rose
Foto: © NKBAK
Deutsche Planer erhalten im Holzbauland USA den Auftrag für einen Holzbau – das ist erklärungsbedürftig. Wie ging das vor sich?
Andreas Krawczyk Angefangen hat das alles über unseren Kontakt zu Matthias Schuler von Transsolar. 2015, als wir die europäische Schule in Frankfurt am Main fertiggestellt hatten, war er Gastprofessor in Harvard. Dort arbeitete auch Peter Rose, der sich mit der Frage beschäftigte, wie sich die amerikanische Bauindustrie stärker industrialisieren ließe. Irgendwann kam Peter nach Europa, schaute sich unsere Projekte an und wunderte sich: „Wie macht ihr das eigentlich? Wie kriegt ihr diese Präzision hin?“ Daraus entwickelte sich ein loser Austausch.
Es wurde klar, dass der Schlüssel das Material ist: Brettsperrholz. Das war in Nordamerika praktisch unbekannt. 86 Prozent der weltweiten Brettsperrholzproduktion werden bis heute im deutschsprachigen Raum eingesetzt. In Nordamerika sind es gerade einmal fünf oder sechs Prozent.
Dabei eignet sich Brettsperrholz hervorragend für industrielle Fertigung. Die Bauteile lassen sich digital planen und fertigen und nahezu montagefertig auf die Baustelle liefern. Genau diese Möglichkeit, einen Großteil der Arbeit in die Fabrik zu verlagern und die Montagezeit auf der Baustelle drastisch zu reduzieren, war für unsere amerikanischen Partner völlig neu. Die Amerikaner können wahnsinnig gut mit Holz bauen. Aber eben handwerklich. Was sie kaum kennen, ist industrieller Holzbau.
Und dann entwickelte sich aus dem losen Austausch ein reales Projekt.
Irgendwann rief Peter Rose an, er habe einen Bauherrn in Big Sky, Montana, einem exklusiven Wintersportort. Montana hatten wir vorher auch nicht auf dem Schirm; es ist flächenmäßig ungefähr so groß wie Deutschland, hat aber nur rund eineinhalb Millionen Einwohner. Eine unglaubliche Landschaft, riesige Entfernungen – und ganz andere Bedingungen als bei uns.
Big Sky hat ein großes Problem: Die Tourismusbetriebe finden keine Saisonarbeitskräfte mehr. Als wir uns die bestehenden Unterkünfte für die Leute angeschaut haben, wussten wir ziemlich schnell warum. Das waren im Grunde Jugendherbergen aus den 1950er Jahren: Achtbettzimmer, Gemeinschaftsbäder – da will heute niemand mehr wohnen.
Wir schlugen vor, unser Modulsystem auf diese Aufgabe zu übertragen. Der Bauherr kam nach Berlin. Wir zeigten ihm die Produktion in der Halle von Kaufmann Bausysteme und anschließend einige unserer Schulbauten. Am Ende standen wir in einem Muster-Modul. Einer der Amerikaner schaute sich um und fragte nur: „How much does it take?“
Und das europäische System ließ sich problemlos auf den amerikanischen Kontext übertragen?
Genau das wollten wir herausfinden. Funktioniert das System in einer völlig anderen Baukultur? Verstehen wir deren Anforderungen – und verstehen sie unsere Art zu planen? Schnell haben die Amerikaner den Vorteil erkannt. In Big Sky fällt über Nacht auch mal anderthalb Meter Schnee. Da versteht jeder sofort, warum Vorfertigung Sinn ergibt. Wenn die Module auf die Baustelle kommen, ist das Gebäude innerhalb kürzester Zeit wetterdicht. Das Projekt begann im August 2024 mit dem Erdbau, im September wurden die Module montiert, und im Mai 2025 war das Gebäude fertig – vier Monate vor dem geplanten Einzug. Nach Aussage des Bauherrn war es das erste Gebäude in der Region ohne Kostensteigerung. Darauf waren wir schon ein bisschen stolz.
Eigentlich ist das etwas, worüber wir in Deutschland viel zu wenig sprechen: Außer Deutschland, Österreich und der Schweiz beherrschen erstaunlich wenige Länder diesen industriellen Holzbau. Das könnte durchaus ein Exportartikel sein.
Sie haben sich sicherheitshalber das Urheberrecht an dem System schützen lassen.
Ein befreundeter Anwalt hat uns den entscheidenden Rat gegeben. Er sagte: Wenn ihr euer geistiges Eigentum dort nicht rechtlich verankert, könnt ihr später kaum dagegen vorgehen, wenn jemand es übernimmt. Daraufhin haben wir in den USA eine Gesellschaft gegründet, in der unsere Intellectual Property liegt – also die Planungswerkzeuge, die digitalen Abläufe und das Know-how, das wir entwickelt haben.
Gibt es Nachfolgeprojekte?
Kanada investiert im Moment massiv in den industriellen Holzwohnungsbau. Kaum war das Haus in Montana fertig, kamen die ersten Anfragen. Ob daraus konkrete Projekte entstehen, wissen wir nicht. Aber man merkt: Viele Länder suchen nach Lösungen für dieselben Probleme – fehlender Wohnraum, Fachkräftemangel und hohe Baukosten.
Die eigentliche Pointe ist für mich: Wir reden in Deutschland seit Jahren darüber, wie man schneller und günstiger Wohnungen bauen kann. Ausgerechnet in Nordamerika konnten wir mit unserem System, mit dem wir seit über zehn Jahren in Deutschland Schulen bauen, nun zeigen, wie es auch im Wohnungsbau funktioniert.
Fakten
Architekten
IDCUBED, Boston; NKBAK, Frankfurt am Main; Peter Rose + Partners, Boston
Adresse
46625 Gallatin Rd, Gallatin Gateway, MT 59730, Vereinigte Staaten
aus
Bauwelt 14.2026
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