Bauwelt

Kindergarten in Altach


Mit dem Bau eines Kindergartens beschreitet die Vorarlberger Gemeinde Altach neue Wege in der Quartiersentwicklung. Der Holzhybridbau von Innauer Matt Architekten ist Teil einer autofreien Wohnanlage, die einen Gegenentwurf zum umgebenden Einfamilienhausgebiet darstellt.


Text: Russ, Alexander, München


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    Die Gebäudepositionierung am nördlichen Rand des Grundstücks schafft eine klare Zonierung in Ankunftsbereich mit Vorplatz, Kinderhaus und Spielplatz.
    Foto: Dominic Kummer

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    Die Gebäudepositionierung am nördlichen Rand des Grundstücks schafft eine klare Zonierung in Ankunftsbereich mit Vorplatz, Kinderhaus und Spielplatz.

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    Der Bewegungsraum dient auch als multifunktional nutzbarer Raum für das Quartier.
    Foto: Dominic Kummer

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    Der Bewegungsraum dient auch als multifunktional nutzbarer Raum für das Quartier.

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    Er lässt sich zum ...
    Foto: Dominic Kummer

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    ... zentralen Platz hin öffnen.
    Foto: Dominic Kummer

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    ... zentralen Platz hin öffnen.

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    Material und Gestaltung sind stark vom Wunsch nach Wohnlichkeit ...
    Foto: Dominic Kummer

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    Material und Gestaltung sind stark vom Wunsch nach Wohnlichkeit ...

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    ... und Ruhe des pädagogischen Teams und der Kinder geprägt.
    Foto: Dominic Kummer

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    ... und Ruhe des pädagogischen Teams und der Kinder geprägt.

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    Die Innenräume sind mit soliden, unbehandelten Holzoberflächen ausgekleidet ...
    Foto: Dominic Kummer

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    Die Innenräume sind mit soliden, unbehandelten Holzoberflächen ausgekleidet ...

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    ... und werden dadurch zu angenehmen und großzügigen Spielzimmern.
    Foto: Dominic Kummer

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    ... und werden dadurch zu angenehmen und großzügigen Spielzimmern.

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    Foto: Dominic Kummer

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    Foto: Dominic Kummer

Das Vorarlberger Rheintal, eingebettet zwischen Bodensee und Alpenlandschaft, ist eine malerische Region. Allerdings hat hier das Einfamilienhaus in den letzten Jahrzehnten einen recht unansehnlichen und wenig nachhaltigen Siedlungsbrei erzeugt. Die kleine, nahe Dornbirn gelegene Gemeinde Altach schlägt nun mit dem Bau eines Kindergartens neue Wege ein. Das 2023 fertig gestellte Gebäude ist Teil eines kleinen Quartiers, zu dem auch vier Mehrfamilienhäuser gehören. Unter dem neuen Kindergarten befindet sich eine Tiefgarage, weshalb das gesamte Areal auto-frei ist.
Das Projekt geht auf einen 2019 ausgelobten Wettbewerb zurück, den das Vorarlberger Architekturbüro Innauer Matt für sich entscheiden konnte. Während der Kindergarten von der Gemeinde realisiert wurde, übernahm ein Projektentwickler die Wohnbauten. Zu Beginn stand allerdings noch nicht fest, wann die Quartiersentwicklung tatsächlich stattfindet. Sven Matt von Innauer Matt erzählt: „Die Wohnbebauung war ein recht offen gehaltener Ideenteil im Wettbewerb für den Kindergarten. Wir haben uns bei seiner Positionierung aber bewusst für eine anschlussfähige Option entschieden. Der Projektentwickler, der erst später dazu kam, hat dann gesehen, dass es mehr Qualität hat, wenn er seine Wohnbauten im Einklang mit dem Kinderhaus entwickelt.“ Das Ergebnis besteht aus einer Wohnzeile und drei Punkthäusern, die ebenfalls aus der Feder von Innauer Matt stammen. Dazwischen ordneten die Architekten verschiedene Freiräume und einen zentralen Quartiersplatz mit Zugang zur Tiefgarage an. Der Kindergarten liegt nördlich davon und bildet den Auftakt zum Quartier. Von dort führt eine verkehrsberuhigte Spielstraße als zentrale Achse durch das Areal.
Das Ganze bildet einen angenehmen Kontrast zur umgebenden Einfamilienhauslandschaft. Mit Ausnahme vom Kindergartenspielplatz können die Freiflächen auch von Außenstehenden genutzt werden. Der neue Kindergarten dient als Quartiersmittelpunkt, was sich laut Matt an seiner Setzung zeigt: „Der Bau ist ganzseitig ausgerichtet, er hat also keine Rückseite. Seine Terrassen und Loggien sorgen nicht nur für einen niederschwelligen Übergang zwischen Innen und Außen, sondern auch zwischen Kinderhaus und öffentlichem Raum. Dadurch wird das Quartier zusätzlich bespielt.“ Hinzu kommt ein Multifunktionsraum im Gebäude. Er öffnet sich zum Quartiersplatz und kann von den Bewohnern gebucht werden. Gleichzeitig erzeugen die Terrassen und Loggien witterungsgeschützte Übergänge zu den Außenflächen des Kindergartens und dienen als Sonnenschutz.

Präzise Raumstruktur

Das Erdgeschoss wird durch drei Raumschichten zoniert. Zentrales Element ist ein Foyer, das als Spiel- und Erschließungsbereich dient. Der darüber sitzende Luftraum mit Tageslichtlaterne sorgt für ein großzügiges Raumgefühl und erzeugt mit seinem Streiflicht eine fast sakrale Atmosphäre. Daran schließen auf beiden Seiten weitere Raumschichten an mit Bewegungs-, Ess-, und Ruheräumen für die Kinder, Büros, einer Küche, WCs und dem von außen zugänglichen Multifunktionsraum. Hinzu kommt die Erschließung in Form von Fahrstuhl und zweiläufiger Treppe. Im Obergeschoss ändert sich die Raumstruktur, die nun windmühlenartig um den Luftraum über dem Foyer organisiert ist. Hier befinden sich zwei Kindergarten- und zwei Kleinkindgruppen. Der Bereich für die Kleinkin-der kann durch das Entfernen einer Trennwand in einen Kindergartenraum umgewandelt werden. Alle Gruppenräume wurden von den Architekten an den jeweiligen Gebäudeecken platziert, wodurch sich eine zweiseitige Belichtung ergibt. Das sorgt, neben den vorgelagerten Loggien, für eine zusätzliche räumliche Großzügigkeit.

Spielerische Details

Neben der präzisen Raumstruktur und der gelungenen Verknüpfung von Innen und Außen überzeugt der Bau auch durch seine gestalterischen Details. Dazu zählen etwa die Holzober-flächen, die den Räumen einen warmen Charakter verleihen. So verwendeten die Architekten für Konstruktion und Fassade das für Vorarlberg typische Fichtenholz, während das Mobiliar aus hell geseiftem Eschenholz gefertigt ist. Im Treppenhaus und im Foyer entschied man sich für einen robusten Terrazzoboden, der mit Kies aus Altach hergestellt wurde. In den restlichen Be-reichen kamen Massivholzdielen aus Braunkern-esche zum Einsatz. Helle Stoffvorhänge ermöglichen eine zusätzliche Zonierung der Räume und bilden einen weichen Kontrast zu den Holzoberflächen und dem steinernen Boden.
Dabei sorgt gerade die gestalterische Ausformulierung der funktionalen Notwendigkeiten für gelungene Ergebnisse. Ein Beispiel sind die Deckenfelder zwischen den Unterzügen, die mit weiß behandelten Holzwolle-Akustikplatten ausgefacht und einer grafisch anmutenden Fichtenlattung verkleidet sind. Gleiches gilt für das vertikale Lüftungssystem: Es ist in zwei dienenden Schichten untergebracht, die zwischen den drei Raumschichten im Erdgeschoss verlaufen. Die Versorgung mit frischer Luft funktioniert hier über subtile runde Öffnungen. Sie finden sich auch in der Gestaltung des Treppengeländers oder als spielerische Perforation der Schlafalkoven im Ruheraum wieder. „Wir sind bei unserer Arbeit immer sehr stark auf der Suche nach einer Atmosphäre, die zur Nutzung passt. Das Haus hat einerseits eine Klarheit und Strenge, andererseits erzeugen die kleinen Details eine gewisse Wohnlichkeit“, erläutert Matt.
Tatsächlich changiert der Bau gekonnt zwischen spielerischer Behaglichkeit und funktionaler Strenge, die durch das Raster des Holzbaus zustande kommt. Dabei handelt es sich um eine Mischkonstruktion aus Skelett- und Plattenbau. Für die horizontale Aussteifung sorgt der Treppenkern, der wie die Tiefgarage aus Stahlbeton gefertigt wurde. Das Erdgeschoss weist eine klare Gliederung in Mittelzone und Seitenbereiche auf, in deren Querrichtung sich das Tragraster aufspannt. Im Obergeschoss verläuft es aufgrund der vierseitigen, windmühlenartigen Raumausrichtung quer dazu. Abhilfe schafft hier ein Überzug aus Baubuche. Er ist in derselben Tragrichtung wie die Primärkonstruktion angeordnet und übernimmt so die Last der quergedrehten Träger.
Die Fassade bildet die räumliche und kons-truktive Struktur ab. Ein dominierendes Element sind die vorstehenden Stützenreihen. Sie definieren den Zwischenraum aus eingeschobenen Terrassen und Loggien. Gleichzeitig verleihen sie der Fassade eine gewisse Tektonik. Horizontal verlaufende Holzbalken, in denen die Jalousien untergebracht sind, bilden einen Abschluss nach oben und unterteilen die Fassade in einzelne Felder. Die Bereiche dazwischen sind entweder mit einer vertikalen Fichtenlattung verkleidet oder mit großen Fenstern ausgefacht. Rahmenelemente aus verzinktem Stahl greifen das Themader grafischen Inszenierung des Hauses auf. Sie sorgen zusammen mit der Fichtenlattung dafür, dass die Fassade gut altert.
Im Gegensatz zur grafischen Abstraktion des Gebäudes weisen die Außenanlagen eine organische Gestaltung auf. Ziel war es, weiche und fließende Übergänge zwischen Gebäude, öffentlichem Raum und der benachbarten Einfamilienhaussiedlung zu schaffen. Laut Matt sollen perspektivisch auch die angrenzenden Grundstückebebaut werden: „Es gibt noch einige Freiflächen, die entsprechend entwickelt werden können. Dadurch lassen sich das Quartier und die Spielstraße zusätzlich fassen. Das große Ziel ist es, dass sich das städtebauliche Konzept in die Nachbarschaft überträgt.“



Fakten
Architekten Innauer Matt Architekten, Bezau
Adresse Längleweg 1, 6844 Altach, Österreich


aus Bauwelt 5.2026
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