You Make Me Feel
Marie Bruun Yde geht heimlich jeden Herbst zum Dahlienfeuer im Britzer Garten
Text: Bruun Yde, Marie, Berlin
You Make Me Feel
Marie Bruun Yde geht heimlich jeden Herbst zum Dahlienfeuer im Britzer Garten
Text: Bruun Yde, Marie, Berlin
Neulich griff die Süddeutsche Zeitung das Thema Stadt und Psychiatrie auf. Eine These war, dass öde Architektur beim Menschen Trübsal auslöst, gelungene dagegen Freude. Die Psychologin Simone Kühn sprach dabei von Architekturschaffenden, die „dazu neigen, sich künstlerisch zu verwirklichen, auf Kosten der Leute, die dort leben müssen.“ Demnach wissen Entwerfende gar nicht, oder ignorieren einfach, welche Umwelt den Nutzern guttut, um sich selbst mit der eigenen Idee zu entfalten.
Was motiviert beim Entwerfen? Ist es die abstrakte Beschäftigung mit einem Konzept oder die humanistische Agenda, sich in zukünftige Nutzerinnen zu versetzen? Gibt es da eine Diskrepanz? Schaut man auf die Rasterfassaden des innerstädtischen Wohnungsneubaus, auf die repetitiven Quartiere am Stadtrand, kann man schon den Eindruck bekommen, Architekten hätten keine Gefühle. Auch manche Museums- oder Bürogebäude strahlen vielmehr Autorschaft als Kontext aus. Im Fachdiskurs gelten Emotionen als trivial, unprofessionell, eine laienhafte Banalität à la Landlust. Wer über Wohnlichkeit spricht, verliert an Intellekt. Hinter Nähe, Wärme und Affekt steckt das Horror-Gesicht des Gartenzwergs. Als besonders folkloristisch gelten die Gartenschauen mit ihren Blumenmeeren – Kitsch erweckt Unbehagen. Desgleichen wurde Landschaftsarchitektur lange dem Hochbau untergeordnet, da sie als atmosphärisches Zierwerk galt. Architektur darf herausfordern, irritieren, überfordern, aber wehe, sie ist gemütlich. Also keine Muster, keine Farben, keine Dekoration. Und sollte doch Poesie in der Gestaltung stecken, dann sprechen wir lieber nicht darüber, sondern kokettieren: Die Form ist Ergebnis eines rationalen Entwurfsprozesses.
Zu sagen, dass die Architektenschaft narzisstisch an den Menschen vorbei entwirft, ist aber eine Behauptung. Das ästhetische Problem ist eher ein strukturelles, viele Zwänge kommen von woanders. Diese können wir jedoch mit Kreativität und Enthusiasmus begegnen. Und dem Erleben und Empfinden von Architektur denselben Stellenwert einzuräumen wie Gestaltung und Konstruktion, würde die Städte sicher bereichern. Unser emotionales Spektrum bleibt wie die eines Höhlenmensch, schrieb Zvi Hecker: „Architektur ist eine humane Kunst, aber nie menschlich genug.“







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